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Wie Sie mit mündlichem Erzählen besser schreiben

Schreiben und Erzählen müssen sich nicht ausschließen. Im Gegenteil. Sich oder anderen Geschichten und Texte zu erzählen ist eine bewährte Praxis im Kreativen Schreiben. Kombinieren Sie beide Techniken und bereichern Sie Ihr Schreiben.

Homer und seine „Ilias“ oder „Odyssee“ werden heute in der Schule oder an der Uni gelesen. Zu seiner Zeit hat man seine Werke gesungen oder sie zumindest erzählt. In den über 2000 Jahren seither hat das Schreiben (und Lesen) langsam, aber sicher das Erzählen abgelöst.

Und auch, wer heute Geschichten erzählt, schreibt diese in erster Linie. Das ist aber nicht das Gleiche. Dabei kann auch das mündliche Erzählen Ihr Schreiben und Ihre Texte bereichern.

Neue Facetten

Der Journalist interviewt die aufgeregten Augenzeugen eines spektakulären Unfalls. Und jeder erzählt ihm eine andere Geschichte. Ein anderer Blickwinkel, andere Details, die man wahrnimmt, eine andere Wirklichkeit. Jede Stimme schenkt dem entstehenden Text neue Facetten.

Weitere Details

Oder erzählen Sie Freunden, Kollegen oder Ihrer Katze die Story, die Sie schreiben wollen. Sie werden merken, dass Sie so erheblich schneller erheblich mehr Einzelheiten und Szenen zusammenbekommen, als wenn Sie über dem Papier sitzen.

Freier und lebendiger

Sie sind schneller im Fluss und der innere Zensor („das muss ein guter Text werden“) ist weg. Und da Sie in der Regel bei so etwas freier sprechen, schreiben Sie auch freier – und damit lebendiger, weniger formalisiert.

Tipp gegen Schreibblockaden

Deshalb ist das mündliche Erzählen durchaus ein Bestandteil des Kreativen Schreibens. Und es ist sozusagen ein kleiner, feiner Tipp gegen Schreibblockaden.

Wollen die Worte nicht so recht aus der Feder? Dann erzählen Sie sie einfach. Stellen Sie sich vor einen Spiegel und erzählen Sie sich das, was Sie gleich schreiben wollen.

Oder nehmen Sie es auf Band auf und übertragen Sie hinterher die besten Geschichten, Fundstellen und „Dönekes“ aufs Papier. (Eine Datei geht natürlich auch, versteht sich.)

Üben Sie mal

Wenn Sie wollen, üben Sie das gleich mal selbst.

Erzählen Sie Ihren Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte. Oder bauen Sie sich vor besagtem Spiegel auf. Erzählen Sie frei von der Leber weg.

Wenn es Ihnen schwerfällt, sich auf die Schnelle etwas auszudenken, kann das auch ruhig etwas sein, was Sie gerade erlebt oder gehört haben.

Haben Sie es?

Und jetzt nichts wie ran an den Stift. Schreiben Sie in Windeseile auf, was Sie gerade noch den Kindern, dem Spiegel oder sich selbst erzählt haben. Vergessen Sie allen Formulierungseifer. Einfach nur schreiben.

Okay?

Gut. In einem zweiten Durchgang können Sie dann feilen, streichen, Ihren Text verbessern.

Bis Sie von neuem starten – und sich Ihre Texte und Geschichten mündlich erzählen. Wer weiß, vielleicht wird ja doch noch ein Homer aus Ihnen. 😉

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 11.05.10

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