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Wie Sie mit Schreibroutinen schneller und produktiver schreiben

Schreiben ist ein Handwerk wie jedes andere auch. Es hat nur den Vorteil: Seine Regeln bestimmen Sie oft selbst. Machen Sie sich die Mühe und entwickeln Sie ein paar davon als Schreibroutinen. Schon haben Sie ein Korsett, das Sie beim Schreiben trägt.

Produktiver werden und sich sicherer fühlen

Eine befreundete Kollegin schrieb mir nach meiner Ankündigung, meine Newsletter demnächst montags statt sonntags herauszubringen, um ein freies Wochenende zu haben: Wenn sie montags einen Newsletter rausjagen wolle, müsse sie dafür das ganze Wochenende arbeiten.

Worauf ich ihr schrieb, wenn ich nicht schon zwei Wochen vorher anfangen würde, zu schreiben, wäre ich vermutlich auch das ganze Wochenende am Arbeiten. 😉

Nun, ganz so schlimm ist es nicht. Aber bei mir ist in der Tat nach dem Newsletter vor dem Newsletter. Kaum ist der eine draußen, geht es mit der Arbeit für den nächsten los.

Ich schreibe lieber regelmäßig ein bisschen. Wenn der Newsletter dann erscheint, packe ich nur noch die einzelnen Artikel zusammen. Mehr nicht. Selbst das Editorial schreibe ich meistens schon Wochen vorher.

Das ist mir lieber, als erst kurz vor knapp loszulegen, und es nimmt etliches an Druck raus. Der „Berg“ oder das „Monstrum“ Newsletter wird so überschaubar.

Nun ist dieses Rezept sicher nicht für alle gleich gut. Ich kenne viele, die sich erst sozusagen fünf Minuten vorher hinsetzen oder sogar den Druck brauchen, um in die Puschen zu kommen.

Was Sie also brauchen, sind nicht meine Routinen. Jeder hat seine eigenen Vorgehensweisen, und die lassen sich nicht über einen Kamm scheren.

Was Ihnen aber helfen kann, sind eigene Routinen. Routinen lassen Sie produktiver werden und geben Ihnen Sicherheit. Lauschen Sie ein wenig in sich hinein und entwickeln Sie einen eigenen Arbeitsstil.

Hier habe ich mal ein paar Anregungen für Sie.

Schreiben Sie regelmäßig

Newsletter und andere größere Texte können sich nur dann in einen Berg oder ein Monstrum verwandeln, wenn Sie zulassen, dass sie sich vor Ihnen auftürmen. 😉

Wenn Sie regelmäßig ein bisschen schreiben, wird die Arbeit überschaubar. Die Aufschieberitis kann weniger leicht zuschlagen. Und mit der Zeit werden Sie auch immer besser schreiben. Einfach durch die regelmäßige, vielleicht sogar tägliche Praxis.

Das können Artikel oder Geschichten sein. Oder auch einfach Morgenseiten. Schreibjournale. Was auch immer.

Achten Sie auf eigene Vorlieben

Achten Sie darauf, wann Ihnen das Schreiben besonders leicht von der Hand geht. Und nehmen Sie ein solches Wissen in Ihre Routinen auf.

Ich schreibe zum Beispiel besonders gern abends. Dann kann ich mich einfach besser konzentrieren. Es ist ruhiger. Keine Telefonverkäufer wollen etwas von mir. Und meine Teilnehmer habe ich mit ihren Hausaufgaben für den Tag entlassen. 😉

Beobachten Sie sich selbst und entwickeln Sie eigene Gewohnheiten.

Entwickeln Sie Arbeitsprozeduren

Schreiben ist zu großen Teilen reines Handwerk. Sie sollten es ähnlich professionell betreiben wie jedes andere Handwerk auch. Dann kann es Ihnen auch keine Angst einjagen. 😉

Ich habe für mich zum Beispiel folgende Arbeitsprozeduren entwickelt:

Ideen sammeln

Ideen für meine Artikel und Texte sammle ich zunächst in einer Datei. Dieser Ideenspeicher wächst und wächst. Sollte ich jemals in die Verlegenheit kommen, nicht zu wissen, was ich schreiben soll, kann ich hier zugreifen.

Redaktionsplan aufstellen

Meine Artikel schreibe ich selten, so wie jetzt, zu einem “aktuellen” Thema. Meistens entwerfe ich zwei oder mehr Wochen vor dem nächsten Newsletter einen Redaktionsplan und arbeite den – mit etwas Spielraum – ab.

Mit Material umgehen

Informationen, Fakten und so weiter sammle ich in der Regel ebenfalls nur als Verweis auf eine Buchseite, einen Link oder Ähnliches in einer Datei. Nur sehr selten hebe ich mir auch mal einen Artikel aus einer Zeitschrift oder eine Kopie aus einem fremden Buch in einem Mäppchen auf. Da war ich früher viel schlimmer. Den ganzen Papierwust habe ich konsequent entsorgt. 😉

Am Stück schreiben oder zusammenbauen

Kleine Texte wie diesen schreibe ich am Stück. Größere aber durchaus in Etappen oder Fragmenten. Zwischendurch lasse ich den Text ruhen, und verbinde später die Teile wie in einem Puzzle. Das nimmt Druck raus, etwas sofort schaffen zu müssen. Und oft gewinnt man so noch neue Perspektiven.

Zwischen Texten abwechseln

Meistens arbeite ich an mehreren Dingen gleichzeitig. Ich schreibe Artikel für diese Webseite, schreibe an neuen Kursen, bearbeite die Texte von anderen, und und. Ich habe zwar keine festen Zeitblöcke, achte aber darauf, dass jeder zu seinem Recht kommt. Das ist nicht nur abwechslungsreicher. Ich kann auch ganz profan mit B weitermachen, sollte bei A die Luft raus sein. Und vielleicht gibt mir B auch neue Anregungen für A.

Kleine Psychotricks anwenden

Bei größeren Schreibprojekten schreibe ich zuerst den Anfang und das Ende. Danach nehme ich mir die große Mitte vor. So sieht der Berg gleich viel kleiner aus. Immerhin habe ich ja schon das Ende erreicht. 😉

Überlegen Sie, was Sie bei Hängern tun wollen

Die Momente, an denen man keine Lust hat oder es zu haken scheint, werden kommen. Achten Sie auch hier darauf, was Ihnen dann gut tut und wie Sie Ihre Tiefs überwinden können.

Das können die oben erwähnten unterschiedlichen Texte sein, die neuen Schwung reinbringen. Oder eine kleine Spielerei mit kreativen Schreibtechniken. Oder reine Routinearbeiten wie Literaturverzeichnis, Überarbeitung, Recherche und Co.

Oder Sie lassen einfach mal alles los und schlafen darüber, laufen eine Runde um den See, misten den Pferdestall aus oder gehen ein Eis essen. Hauptsache, Sie wissen, was bei Ihnen “zieht”.

Wie gesagt, Schreiben ist ein Handwerk wie jedes andere auch. Es hat nur den Vorteil: Seine Regeln bestimmen Sie oft selbst. Machen Sie sich die Mühe und entwickeln Sie einfach mal ein paar davon als Schreibroutinen. Hin und wieder noch an Veränderungen angepasst und modifiziert – und schon haben Sie ein Korsett, das Sie beim Schreiben trägt.

Von wegen Berg und Monstrum … 😉

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 27.04.10

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