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Warten Sie nicht auf morgen. Fangen Sie einfach an.

Ich weiß nicht, warum das so ist, aber es scheint in diesem Land Tradition zu sein, dass man etwas erst beginnt, wenn man seiner Sache sehr sicher ist. Aber diese Einstellung kostet nicht nur Zeit. Sie hindert einen nur allzu oft daran, überhaupt tätig zu werden. Lesen Sie fünf Punkte, die Sie zögern und warten lassen können.

Ich weiß nicht, warum das so ist, aber es scheint in diesem Land Tradition zu sein, dass man etwas erst beginnt, wenn man seiner Sache sehr sicher ist. 😉 Und noch besser ist es, wenn man diese Sicherheit sozusagen schwarz auf weiß hat.

Ich war früher genauso. Ich dachte: Mensch, Heike, wenn Du Trainerin werden willst, dann brauchst Du dafür eine fundierte Ausbildung. Am besten sogar ein Studium. Oder: Online-Redakteurin kann ich nicht werden ohne eine fundierte Ausbildung, mit Amt und Siegel, schön für die Wand. 😉

Meine Teilnehmer gehen in die gleiche Richtung. Sie denken:

  • Meinen Lebenstraum kann ich mir leider nicht mehr erfüllen, weil ich zu alt bin, noch ein entsprechendes Studium über die Bühne zu bringen.
  • Oder: Wer bin ich, dass ich schreiben will? Wer schreibt, der hat doch bestimmt die und die Erfahrungen. All das kann ich nicht vorweisen.
  • Oder: Ich muss erst mal wissen, was ich wirklich will. Vorher brauche ich gar nicht anzufangen.

Und so wartet man. Wartet auf morgen, auf den richtigen Zeitpunkt, darauf, alle Anforderungen erfüllen oder seine Ziele und Pläne hundertprozentig greifen zu können.

Aber diese Einstellung kostet nicht nur Zeit. (Um eine solche Ausbildung zu absolvieren.) Sie hindert einen nur allzu oft daran, überhaupt tätig zu werden.

Nun will ich hier nicht das Wort gegen fundierte Ausbildungen erheben, ganz im Gegenteil. Und ich will auch definitiv nicht dazu raten, dass jemand ohne jede Ahnung sich an etwas versucht und damit vielleicht sogar Schaden anrichtet.

Aber es ist ein Unterschied, ob man beispielsweise etwas angeht und sich die nötigen Qualifikationen Stück für Stück erarbeitet. Oder ob man auf Nummer Sicher gehen will und sich erst mit Amt und Siegel auf die freie Wildbahn traut. 😉

Also, was ist es, das Sie zögern und warten lässt?

1. Sicherheitsdenken

Ist es der Wunsch nach Sicherheit? Wollen Sie zum Beispiel so sehr von etwas überzeugt oder Ihrer Fähigkeiten so sicher sein, dass Sie gar nicht auf die Idee kommen, scheitern zu können? Ist es das, was Sie Ihre Angst überwinden lässt und Ihnen den nötigen Mut gibt, zu handeln?

Das ist verständlich. Aber wie realistisch ist das?

Es gibt keine absolute Sicherheit im Leben. Wir können immer nur nach „Möglichkeiten der Absicherung“ suchen, um dem Worst Case, der tatsächlichen Katastrophe zu begegnen.

Und man überwindet seine Angst auch nicht dadurch, dass man darauf wartet, dass diese kleiner wird oder sich gar ein Gefühl der Sicherheit einstellt. Man überwindet seine Angst, indem man es trotzdem tut. Bis es, von Mal zu Mal, als Folge von Erfolg, Gewohnheit und Stolz auf sich selbst, leichter wird.

Denkfrage: Wie kann ich mich absichern? Welche „Halte-Taue“ habe ich, um mich vor dem Fall zu schützen?

2. Selbstzweifel

Ist es der Wunsch, Ihre Fähigkeiten auch „mit Amt und Siegel“ bestätigt zu bekommen? Weil Sie sonst im Stillen nicht von ihnen überzeugt sind und diese deshalb auch nicht kraftvoll vertreten und umsetzen können?

Das kommt relativ häufig vor. Gerade Frauen werden davon besonders heimgesucht. Eine „höhere Autorität“ muss her und bezeugen, dass sie das, was sie behaupten zu können, auch wirklich können.

Männer sind da oft unbedarfter. Viele stellen sich hin und sagen: „Ich kann das.“ Und damit überzeugen sie nicht nur sich selbst, sondern auch andere. So lange, bis der Glaube an sich selbst zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird.

Denkfrage: Wie kann ich mir meine Fähigkeiten bewusster machen? Was lässt mich stärker an mich glauben?

3. Perfektionismus

Ist es der Wunsch, einen möglichst perfekten Plan oder ein bis ins i-Tüpfelchen ausgearbeitete Ziel vorweisen zu können, bevor Sie sich ans Umsetzen machen? Das kenne ich. 😉

Und ein gutes Konzept und ein klares Ziel sind auch Gold wert.

Dennoch, der Grat ist schmal zwischen einem klaren Ziel und einem bis ins Kleinste, minutiös ausgearbeiteten Ziel.

Eine grobe Richtung zu haben, loszugehen, zu schauen, was gut läuft oder interessant ist, in diese Richtung weiter zu gehen, anderes abzubauen oder zu meiden – all das befähigt Sie zum Handeln.

Erst alles bis ins Detail auf dem Papier stehen haben zu wollen, kann Sie Zeit und Kraft kosten. Und es kann vielleicht dazu führen, dass Sie nie losgehen, weil Sie mit dem Plan oder Konzept noch nicht hundertprozentig zufrieden sind.

Natürlich wird die Sache immer kitzliger, je größer die Risiken sind. Dennoch: Das Leben ist der wahre Baumeister, nicht das Reißbrett. Ein guter Plan sieht auch Möglichkeiten vor, diese Risiken aufzufangen oder Veränderungen zu begegnen.

Denkfrage: Wie kann ich Ziel, Konzept oder Plan so gestalten, dass sie wandlungs- und anpassungsfähig sind und Risiken leichter auffangen?

4. Ganz oder gar nicht

Ist es der Wunsch, etwas ganz oder gar nicht machen zu wollen? Also Ihre Energien nur dann für etwas einsetzen zu wollen, wenn Sie von der Sache hundertprozentig überzeugt sind?

Aber wie können Sie von etwas überzeugt sein, wenn Sie es nicht oder kaum versucht haben? Wie können Sie wissen, ob Sie gern oder gut schreiben, wenn Sie nie den Stift in die Hand genommen haben?

Nicht nur der Appetit kommt beim Gehen. Auch Erkenntnisse bringt einem oft erst die Praxis.

Denkfrage: Wie kann ich etwas mit möglichst geringem Einsatz oder Verlust ausprobieren?

5. Bequemlichkeit

Ist es der Wunsch, Ihr Leben und Ihren Lebensstil möglichst wenig ändern zu müssen? Alles so sein lassen zu können, wie es ist? Ihre Komfortzone nicht verlassen zu müssen?

Auch das ist verständlich. Wir alle gewöhnen uns an das Erreichte. Wir schätzen etwa das lange Ausschlafen und mögen es gar nicht, plötzlich zwei Stunden eher aufstehen und zur Arbeit hasten zu müssen.

Aber erinnern Sie sich daran, wie spontan und ungezwungen Sie zum Beispiel als Teenager oder junger Erwachsener waren?

Wie Sie die berühmten Orangenkisten als Möbel hatten? Und wie Ihnen das kaum etwas ausmachte angesichts der Freude, sich endlich eine eigene Wohnung zulegen zu können?

Oder wie Sie spärlich mit Rucksack und Co. bewaffnet halb Europa unsicher machten? Und wie Ihnen all die „Entbehrungen“ kaum etwas ausmachten angesichts dieses einmaligen Erlebnisses?

Denkfrage: Wie kann ich meine Unbefangenheit zurückgewinnen? Wie kann ich mich über liebgewordene Gewohnheiten hinwegsetzen?

Warten Sie nicht auf morgen. Schieben Sie nicht die 100-Prozent-Marke vor, um etwa Ihrer Bequemlichkeit nicht ins Gesicht sehen zu müssen. 😉

Stellen Sie sich vor, Sie wären noch einmal 20, und Ihnen würde das Abenteuer Ihres Lebens winken. Was würden Sie tun?

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei.

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 16.11.09

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