Welchen Nutzen haben eigentlich Assoziationen?
16. Oktober 2009 von Heike Thormann
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Assoziationsübungen machen Spaß. Aber kann man sie auch „richtig“ und „im Ernst“ zum Beispiel bei einer Problemlösung anwenden? Welchen Nutzen hat es, seine Gedanken assoziativ wandern zu lassen?
Ich ermuntere meine Teilnehmer durchaus zu „ketzerischen“ Fragen, weil ich ihnen helfen möchte, selbstständig und kritisch zu denken, statt sich angepasst und brav alles gefallen zu lassen.
Die Quittung bekomme ich natürlich prompt auf dem Fuß, wenn sie etwa höflich, aber unnachgiebig den praktischen Nutzen von Assoziationen bezweifeln, mit denen ich sie in kleinen Kreativübungen spielen lasse.
Da heißt es dann beispielsweise, dass solche Assoziationsübungen ja Spaß machen und man sich auch vorstellen könne, dass sie sich als Auflockerungsübung gut machen würden. Aber „richtig“ und „im Ernst“ zum Beispiel bei einer Problemlösung? Wie könne es da nutzen, seine Gedanken assoziativ wandern zu lassen?
Nun, dazu vielleicht eine allgemeine und eine spezielle Antwort.
Zuerst die allgemeine Antwort:
Assoziationen sind schon deshalb von Nutzen, weil sehr viele Kreativitätstechniken im Grunde assoziativ und über Assoziationen funktionieren. (Wie zum Beispiel die Bisoziation und das Clustering.) Einfach, weil das auch die Art und Weise ist, wie unser Gehirn denkt, das ja mit den Kreativitätstechniken gefördert und angeregt werden soll. Wer assoziativ denken kann, ist da eindeutig im Vorteil.
Und jetzt die spezielle Antwort:
Ja, Sie können mit einer Assoziation sogar ganz praktische, berufliche Probleme lösen.
Denn bei Kreativtechniken und dem Wunsch, Probleme zu lösen, kann es darum gehen, systematisch-methodisch vorzugehen. (Das Fischgräten-Diagramm geht zum Beispiel in diese Richtung. Und der kreative Problemlösungsprozess spiegelt eine solche systematische Vorgehensweise wider.)
Es geht aber oft auch ganz stark darum, “um die Ecke zu denken”, “querzudenken”, auf (scheinbar) völlig verrückte neue Kombinationen zu kommen, die unser logisch geschulter Verstand, zumal nach Abschluss unserer Kindheit, so schnell nicht mehr erreicht.
Und in dem Fall sind die Assoziationen gefragt. Sie sind es, die uns über Assoziationsketten oder Gedankenketten auf (vermeintlich) abstruse Zusammenhänge bringen können, die aber – bei näherem Abklopfen – möglicherweise doch nicht so abstrus sind, sondern interessante Ansatzpunkte bieten.
Mal ein ganz einfaches Beispiel:
Nehmen wir an, Sie haben die Aufgabe, die diesjährige Betriebsfeier attraktiver zu gestalten als die Versionen der letzten Jahre.
Dann könnten Sie beispielsweise in einem Brainstorming Ideen dazu sammeln. Mag sein, dass diese originell genug sein werden. Ich tippe eher, dass sie – ohne zusätzliche Führung etwa durch eine Kreativtechnik – im Rahmen des Üblichen und Bekannten bleiben werden. Einfach, weil das die Dinge sind, die an der Oberfläche unseres Denkens liegen und uns deshalb bei einem Brainstorming eher einfallen.
Sie könnten aber auch einer Assoziationskette folgen und beispielsweise sammeln:
Feier –> Trinken –> Wein –> Weinlokal –> Weinkönigin –> Weingut –> Rhein.
Eine Lösung könnte also lauten, statt des üblichen Bier- / Pizza- / Grill-Ereignisses (oder wie Ihre Betriebsfeiern für gewöhnlich aussehen) doch mal ein Weingut zu besuchen oder eine Rheinfahrt zu machen oder eine Misswahl zu besuchen, und und.
Sie sehen den Unterschied? Probieren Sie es einfach selbst. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei dieser praktisch anwendbaren Spielerei.
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