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Ich nehm’ das jetzt persönlich …

16. September 2009 von Heike Thormann

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Viele Kreative, Künstler, Autoren und so weiter reagieren dünnhäutig, wenn man Kritik an ihren Werken äußert. Aber auch bei Otto-Normal-Verbraucher kann man einen wunden Punkt treffen. Manche sind dann “nur” verschnupft, traurig oder verletzt. Manche nehmen es aber auch persönlich und kündigen dem anderen sozusagen die Freundschaft. Lesen Sie, wie Sie die Dinge weniger persönlich nehmen.

Viele Kreative, Künstler, Autoren und so weiter reagieren dünnhäutig, wenn man Kritik an ihren Werken äußert. Aber auch bei Otto-Normal-Verbraucher kann man einen wunden Punkt treffen. Manche sind dann „nur“ verschnupft, traurig oder verletzt. Manche nehmen es aber auch persönlich und kündigen dem anderen sozusagen die Freundschaft.

So verständlich das ist, so wenig zielführend ist es auch. Schließlich kann man nicht der halben Welt die Freundschaft kündigen, nur weil die zufällig einen anderen Geschmack hat als man selbst, oder weil sie einen auf dem falschen Fuß erwischt hat. ;-)

Dennoch, es passiert. Immer wieder. Manchmal sogar gegen unseren Willen.

In der Regel sind wir in solchen Fällen emotional stark beteiligt. (Man sagt zum Beispiel nicht umsonst, dass Liebe verletzlich macht.) Wir hegen Hoffnungen und Erwartungen. (Dass unser Buch vom Verlag angenommen wird.) Wir entblößen unsere Gedanken und unser innerstes Selbst. (Etwa beim Schreiben.) Kurz, wir sind schutzlos und haben neuralgische Punkte, die der andere treffen kann.

Oder wir haben nur ein schwaches Ego oder ein schlechtes Bild von uns selbst, so dass wir es persönlich nehmen, wenn jemand sich nicht so verhält, wie das uns und unserem Ego gut tun würde.

Oder wir sind es gewohnt, immer unseren Kopf durchzusetzen, und ärgern uns dann wie ein bockendes Kleinkind, wenn jemand uns nicht unseren Willen lässt. ;-)

Was aber tun, wenn unser Instinkt uns drängt, etwas persönlich zu nehmen?

Gut, eine Lösung wäre, die emotionalen Schutzwälle nicht sinken zu lassen, sein Ego zu stärken oder sich Leute zu suchen, die einem immer unseren Willen lassen.

Aber manchmal wäre das schlichtweg schade, sich niemals hinter seinen Schutzwällen hervorzutrauen. Manchmal dauert es sehr lange, sein Ego aufzubauen. Und ob man nur Ja-Sager um sich versammeln möchte, mmh … ;-)

Vielleicht helfen dann diese Tipps – mit denen ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben will. Sie gehen nur auf meine eigenen Erfahrungen zurück.

Alles nur ein Missverständnis

Haben Sie bedacht, dass es sich schlicht um ein Missverständnis handeln kann? Das ist sogar ziemlich oft der Fall. A denkt beispielsweise, dass B das und das tun sollte. Bei B ist diese Information aber nicht angekommen, deshalb wird B auch nicht aktiv. A wundert sich aber jetzt nicht und geht der Sache nach, sondern … genau, nimmt es persönlich.

Wir können keine Gedanken lesen

Haben Sie bedacht, dass wir alle in eigenen Welten leben, die unsere Mitmenschen nur unzureichend teilen können? Haben Sie bedacht, dass der andere keine Gedanken lesen und deshalb nicht wissen kann, was wir fühlen oder denken? Und dass er deshalb auch nur schwer so handeln kann, wie wir es von ihm erwarten?

Jeder kommuniziert anders

Haben Sie bedacht, dass sich einfach das Kommunikationsverhalten unterscheiden kann, weshalb jemand etwas als „spitze Bemerkung“ auffasst, was eigentlich nur als kleiner Witz gemeint war?

Jeder bringt seine persönliche Ausgangssituation mit

Haben Sie bedacht, dass der andere lediglich gerade in einer angriffslustigen Stimmung sein kann, die überhaupt nichts mit Ihnen zu tun haben muss? Weshalb es auch nicht nötig ist, jetzt auf Abfangkurs zu gehen?

Geschmäcker sind verschieden

Haben Sie bedacht, dass Geschmäcker verschieden sind und es allein technisch unmöglich ist, es allen recht zu machen? Dass es deshalb nichts mit Ihnen und Ihrem Werk zu tun haben muss, wenn das einem anderen nicht gefällt? Ganz zu schweigen davon, dass wir uns das Recht auf unseren persönlichen Geschmack nicht nehmen lassen wollen – Sie doch sicher auch nicht, mmh? ;-)

Die Frage nach dem Nutzen

Haben Sie bedacht, dass selbst unsere Freunde und Partner nicht dazu da sind, nach unserem Willen zu handeln, auch wenn wir das noch so gern hätten? Sie tun uns gern einen Gefallen oder sie helfen uns, weil sie uns lieben. Aber darauf haben wir kein Abo. Wenn wir etwas von einem anderen wollen, dann muss das in der Regel für diesen selbst von Nutzen sein und ihm Spaß machen, so dass er es gern tut. Alles andere wäre unrealistisch zu erwarten.

(Wenn Sie mir nicht zustimmen, fragen Sie sich sonst selbst, was Sie alles nur um des anderen willen tun würden. Und zwar so selbstkritisch wie nur möglich. Sind Sie zum Beispiel sicher, dass Sie nur um des anderen willen diesen ins Kino begleiten, obwohl Sie den Film gar nicht sehen wollen? Tun Sie es nicht auch, weil Sie damit beim anderen etwas gut haben wollen, etwas für die Beziehung tun wollen, o.ä.m.?)

Was haben Sie für ein Menschenbild?

Und haben Sie bedacht, dass manchmal auch Ihr Menschenbild mit bestimmt, ob Sie etwas persönlich nehmen? Das heißt, wenn Sie zum Beispiel ein eher negatives Menschenbild haben, werden Sie den anderen eher verdächtigen, Ihnen Übles zu wollen, als bei einem neutralen oder positiven Menschenbild. Und logisch, wenn ich denke, dass der andere mich persönlich angreifen oder mir eins auswischen will, dann nehme ich das auch persönlich. ;-)

Kein leichter Tobak, ich weiß. Ich habe manches davon selbst hinter mir. Und auch nicht leicht umzusetzen. Dennoch, versuchen Sie es. Glauben Sie mir, Sie tun damit viel für Ihren Seelenfrieden. ;-)


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6 Kommentare zu “Ich nehm’ das jetzt persönlich …”

  1. am 27 Sep 2009 um 10:391Daniel Mihajlovic

    Sehr spannende Liste! Zum letzen Punkt “Menschenbild” habe ich gleich einen eigenen Blogbeitrag verfasst.

    Ich hatte die Erfahrung gemacht, dass meine Gewohnheit andere (negativ) zu bewerten dazu geführt hatte, dass ich davon überzeugt war alle anderen würden auch mich so bewerten. Das Resultat nannte sich dann Lampenfieber. Und ich wurde es dadurch wieder los, dass ich Schritt für Schritt gelernt habe das bewerten bleiben zu lassen…

  2. am 27 Sep 2009 um 11:112Heike Thormann

    Hallo Herr Mihajlovic,

    stimmt, guter Punkt. Wenn ich mit der “Bewertungs-Schere” im Kopf herumlaufe, laufe ich auch schnell Gefahr, mich selbst permanent bewertet zu sehen – und das dann gegebenenfalls persönlich zu nehmen.

    Vielleicht könnte man das Bewerten, wenn man es nicht ganz bleiben lassen kann oder will, ein bisschen abmildern. Etwa im Sinne von: Was würde mir jetzt davon gefallen? Was würde ich für mich übernehmen wollen? O.ä.

    Dann wäre die Kritik-Schiene nicht so da und man könnte gleichzeitig noch für sich lernen. Mit Neugier und ohne Lampenfieber sozusagen. Mmh? :-)

    Viele Grüße,
    Heike Thormann

  3. am 28 Sep 2009 um 20:103Renate Siegel

    Ja, die Bewertungsschere…

    Ist aber gar nicht so einfach, die abzuschaffen – auch, wenn es für unseren Seelenfrieden besser wäre – weil wir in einer immerzu und jederzeit bewertenden Welt leben. Von Kindesbeinen an lernen wir, bewertet zu werden und im Gegenzug zu bewerten. Ob es Kommentare oder aber simple Artikel in Zeitungen sind, Talkshows im TV, Gespräche mit Freundinnen über diesen und jenes, die vielfältigen Ängste unserer Mütter oder Belehrungen der Schwiegermutter, überzogene oder fehlende Erziehungsversuche an unseren Kindern, Zeugnisse in der Schule, Bewertungen im Job.

    Wir fragen nach Bewertungen in ‘Tante Erna antwortet..’ oder aber geben ungefragt selbst welche ab – man lese nur die zahlreichen Leserbriefe in den unterschiedlichsten Publikationen. Selbst so ein Kommentar in einem Blog stellt irgendwie eine Bewertung dar.

    Uns gefällt nicht, dass unser Liebster den Müll nicht raus trägt (der faule Mopps…) und ihm gefällt nicht, dass wir ihn nicht in seinen verknitterten, weil immer nur ungefaltet über den Stuhl geschmissenen Lieblingshose rumlaufen lassen (die anderen könnten ja denken, wir kümmern uns nicht um ihn, und diese Bewertung wäre nur schwer zu ertragen…).

    Obwohl diese Bewertungen manchmal ja auch sinnvoll oder sogar notwendig sind wie z.B. der Tipp: Die Brötchen bei Bäcker A sind viel knuspriger und zugleich preiswerter als bei Bäcker C. Oder aber Hotel-Bewertungen im INet: In dem und dem Hotel da und dort war das Essen ‘unter aller Sau’, neben dem Hotel liegt eine Schnellstraße und der Pool, ja der war immer dreckig und die Kellner unfreundlich.

    Unser ganzes Schul- und Berufssystem basiert auf Bewertungen (Zeugnissen) – die wir oft alles andere als gerecht empfinden. Und wahrscheinlich sind sie es objektiv gesehen auch selten. Trotzdem müssen wir sie akzeptieren.

    Millionen und Abermillionen Dinge. Kaum etwas in der uns umgebenden Welt läuft ohne Bewertung ab. Wir werden damit geboren, wir leben damit, wir sterben damit. Das prägt. Und das macht es so extrem schwer, sich aus diesem System mental auszukoppeln. Denn es geht ja eben nicht auf ganzer Linie, man findet sich immer wieder in Situationen, in den man selbst oder andere bewerten….

    Ein Alkoholiker kann und muss – um trocken werden zu können – dem Suchtmittel ganz abschwören. Bei Bewertungen können wir es nicht – das ist das Perfide.
    Das macht es so sehr schwer…

  4. am 29 Sep 2009 um 09:024Heike Thormann

    Hallo Frau Siegel,

    ja, Sie haben Recht. Wir sind umzingelt von Bewertungen, und es ist kein Wunder, wenn wir diese Sichtweise – egal, ob aktiv oder passiv – dann auch selbst verinnerlichen.

    Deshalb lehne ich auch zum Beispiel die Bewertung von Kommentaren, Artikeln, Seminaren, Produkten, was auch immer, rundweg ab. Die Sichtweise dahinter kann nur persönlich sein, die Wirkung kann dafür aber oft verheerend sein.

    Mir gefällt, wie in meinen ersten Grundschuljahren die Zeugnisse geschrieben wurden. Da stand etwas wie: Das und das kann Heike schon so und so gut (und zwar genau, warum), und daran kann sie noch arbeiten.

    So halte ich es auch bei meinen eigenen Feedback-Bögen für meine Kurse. Auch hier können die Teilnehmer schreiben: Das und das hat mir gefallen / davon konnte ich profitieren, und das und das hätte ich mir noch mehr gewünscht. Dann kann ich entscheiden, ob es für mich Sinn macht und machbar ist, dieses Mehr zu geben, oder nicht.

    Natürlich ist diese Art der Bewertung aufwändiger – auch für den Bewertenden. Aber ich finde sie fairer. Und sie hilft dem Bewerteten, sich wirklich nur das rauszuziehen, was für ihn nützlich ist – und sich bei allem anderen klarzumachen, dass es sich nur um eine persönliche Rückmeldung des anderen handelt.

    Vielleicht wird es Zeit, die Bewertungen zu ändern. Dann fällt es auch leichter, mit der Bewertungsschere umzugehen. Mmh?

    Danke für Ihren nachdenklichen und weiterführenden Beitrag.

    Viele Grüße,
    Heike Thormann

  5. am 01 Okt 2009 um 10:355Daniel Mihajlovic

    Hinzu kommt, dass durch eine Bewertung ja immer eine Hierarchie entsteht. Der Höhergestellte bewertet den Niedrigergestellten.

    So schreibt z.B. Reinhard K. Sprenger (Die Entscheidung liegt bei dir!), dass z.B. auch Loben ja ein “von oben herab” ist. So erklärt sich, dass auch eine scheinbare oder echt gemeinte positive Bewertung bzw Feedback im Endeffekt oft als unangenehm empfunden wird und man das beschämt abtut etwa mit den Worten: “Das war doch selbstverständlich” o.ä.

    Ich denke es ist wichtig zwischen Bewertung einerseits und Feedback andererseits zu unterscheiden. So nennen Sie es ja auch treffend FEEDBACK-Bögen.

    Den Unterschied sehe ich darin, dass beim Feedback ganz klar die ICH-Position im Vordergrund steht, nach dem Motto “Ich finde…” “Für mich war das so und so”. “Ich fand dies und jenes gut oder schlecht”

    Somit ist klar, das ich beim feedbackgeben eine Information über MICH preisgebe, was zunächst mal nichts mit der anderen Person, Dienstleistung oder was auch immer zu tun hat.

    Ich weiss von mir allerdings, dass ich höllisch aufpassen muss, dass ich aus einem Feedback das ich kriege, nicht doch wieder eine Bewertung bastle. Tja, die Macht der Gewohnheit…

  6. am 01 Okt 2009 um 10:546Heike Thormann

    Stimmt, Herr Mihajlovic, die persönliche Ich-Formulierung ist viel leichter zu ertragen, als ein unpersönliches “man” oder gar ein direkt bewertendes “du”. So ähnlich schreibe ich es auch in meinem Spickzettel Feedback geben und nehmen. Obwohl ich da ebenfalls höllisch aufpassen muss, die Gewohnheit sitzt einfach tief. ;-)

    Andererseits …

    nicht doch wieder eine Bewertung bastle

    … genau, ist das Ganze keine Einbahnstraße. Ich entscheide auch immer selbst, ob ich mich jetzt bewertet fühle oder nicht, oder ob ich dem anderen diese höherrangige Position zubillige oder nicht.

    Schwierig wird es allenfalls in Situationen, in denen der andere tatsächlich höherrangig ist. (Also etwa in der Schule, im Studium, der Vorgesetzte usw.) Hier dann den Menschen hinter dem Bewertenden zu sehen, ist nicht leicht und hängt wohl auch vom jeweiligen Unternehmensklima und so weiter ab.

    In meinen Kursen versuche ich zum Beispiel immer deutlich zu machen, dass meine Kommentare nur Vorschläge sind. Es sind Ideen, wie man etwas anders, vielleicht noch “besser” machen kann. Ich hoffe, dass es mir aber auch gelingt, meinen Teilnehmern zu vermitteln, dass vieles reine Geschmacksfrage ist und dass sie selbst entscheiden können und sollen, was sie davon annehmen wollen und was nicht. Wenn ich nicht gleich einfach nur mit Fragen arbeite, auf die der andere selbst eine Antwort finden soll. *schmunzel*

    Aber, wie gesagt, die Schiene sitzt tief. Auch beim Teilnehmer. So höre ich immer wieder in Feedbacks, dass mein gelegentliches “gut” oder “prima” erheblich besser ankommt, als meine konkreten Hinweise, wo jetzt was “richtig” war o.ä. Man hungert einfach nach diesen Bewertungen, wir alle.

    Eine zweischneidige Sache. ;-)

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