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Überall wird die Schnelligkeit gefeiert. Aber Schnelligkeit und schnelles Denken sind nicht immer von Vorteil. Denn beides forciert die Suche nach schnellen Lösungen. Und das ist dem Denken wie der Kreativität oft eher abträglich. Lesen Sie, wie und warum Sie mit langsamem Denken auch effektiver denken.

Überall wird die Schnelligkeit gefeiert: Wir wollen schneller lesen, um mit der Informationsflut Schritt halten zu können. Wir üben schlagfertige, geschwinde Pointen, um im (Streit-) Gespräch auf Zack zu sein. Wir betreiben Multitasking, um den Anforderungen unseres Arbeitsalltags noch besser Herr zu werden.

Aber Schnelligkeit und schnelles Denken sind nicht immer von Vorteil. Auch wenn Sie im Rausch der Geschwindigkeit Bäume ausreißen könnten, oder Sie von Gedanke zu Gedanke springend kreative Höhenflüge hinlegen – oder hinzulegen meinen.

Überlegen Sie selbst: Fallen Ihnen Gelegenheiten ein, bei denen es sich für Sie oder andere eher ausgezahlt hätte, langsam zu denken?

  • Denken Sie zum Beispiel an die Gelegenheiten, in denen Sie vorschnell und ungeprüft Ja statt Nein gesagt haben. (Oder umgekehrt natürlich.)
  • Denken Sie an Gelegenheiten, bei denen Sie aus Gewohnheit und reflexhaft gehandelt haben. (Das macht Sinn, wenn Sie beispielsweise als Feuerwehrmann eingefleischten Routinen folgen müssen, die Ihr Leben retten können. Ändert sich aber die Situation, kann das Befolgen von Routinen sich als Bumerang erweisen.)
  • Denken Sie an die Gelegenheiten, an denen Sie kopflos und in Panik reagiert haben. (Hotelbrände und andere Katastrophen führen vor allem deshalb ins Verderben, weil wir mit eingeschränktem Tunnelblick rettende Nottreppen übersehen, auf Autopilot schalten und ausgesprochen unsinnig bis lebensbedrohend handeln können.)

Aber man muss gar nicht so dramatisch werden. Schnelles Denken forciert die Suche nach schnellen Lösungen. Und das ist dem Denken wie der Kreativität oft eher abträglich.

Wenn Sie zum Beispiel einige Minuten lang mit Höchstgeschwindigkeit Ideen produzieren sollen, werden Sie wahrscheinlich nur Ideen erwischen, die relativ dicht unter der Oberfläche Ihres Bewusstseins liegen. Sie werden auf Wissen zurückgreifen, das Ihnen vertraut ist und auf das Sie schnellen, weil leichten Zugriff haben. „Abwegigere“ Ideen stellen sich erst ein, wenn Sie diesen Teich abgefischt haben – oder wenn Sie langsam und systematisch in die Tiefe gehen.

Genauso kann der Druck, möglichst schnell einige Lösungen zu präsentieren, umgekehrt dazu führen, dass Sie sich jetzt erst recht verhaken. Oder Ihre Lösungen lassen schlicht zu wünschen übrig.

Der „Vater des Lateralen Denkens“ Edward de Bono plädiert deshalb auch ausdrücklich dafür, immer wieder bewusst langsam zu denken.

Hangeln Sie sich sozusagen Stück für Stück voran. Überprüfen Sie nach jedem Schritt, wo Sie stehen.

Langsames Denken schärft Ihre Wahrnehmung und Ihr Urteilsvermögen. Mit langsamem Denken können Sie Ideen systematisch weiterentwickeln oder in die Tiefe treiben. Und mit langsamem, systematischem Denken fällt es Ihnen auch leichter, die Perspektive zu wechseln und etwas von allen Seiten zu betrachten. Alles Dinge, die auch viele Kreativitätstechniken fördern wollen.

Oder anders formuliert: Langsames Denken ist oft ein bewusstes oder gezieltes Denken. Schnelles Denken kann in Routinen laufen, aber auch zu intuitiven Gedankensprüngen führen. Beides ist nötig. Wie so oft im Leben macht es auch hier das Maß.

Wenn Sie einmal üben wollen, langsam zu denken, könnten Sie zum Beispiel:

  • Zunächst einmal alles Anstehende aufschreiben, dadurch den Reflex, sofort zu handeln, unterdrücken
  • Fragen, Ideen, Problemstellungen systematisch mit Kreativitätstechniken weiterdenken
  • Ideenspeicher, Schreibjournale oder Ähnliches nutzen, damit den Dingen bewusst die Möglichkeit geben, unvollständig zu sein, bis ihre Zeit gekommen ist
  • Sich Auszeiten und Pausen nehmen, um alles sacken zu lassen und Ihrem Unterbewusstsein die Gelegenheit zu geben, in Ruhe daran zu arbeiten
  • Entscheidungen bewusst aufschieben, das Für und Wider abwägen, immer wieder in sich hineinhören und warten, ob sich ein Gefühl verfestigt
  • Und anderes mehr.

Und wie sieht es bei Ihnen aus? Denken Sie eher schnell oder langsam oder beides?

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 19.01.10


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