Bleiben Sie auf dem Laufenden:
Newsletter lesen »
Feed lesen »




Schreibübung: Wie Sie mit farbigen Substantiven für die Sinne schreiben

Manche Worte kann ein Leser regelrecht „sehen“. Und manche Worte kann ein Leser zwar nicht sehen, aber sie sprechen seine Gefühle an. Gemeinsam ist dieser bildhaften Sprache, dass wir sie mit unseren Sinnen erfassen können. Sie transportiert Bilder und ist reich an emotionaler Kraft. Lesen Sie, wie Sie mit dieser bildhaften Sprache Ihren Leser in Bann schlagen können.

Manche Worte kann ein Leser regelrecht „sehen“. Leuchtturm zum Beispiel. Oder Eisregen. Wasserfälle. Schneehuhn. Morgenröte. Aber auch Haus, Zaun, Stuhlbein oder Stehlampe gehören dazu. Also greifbare bildhafte Substantive, die aus dem Bereich Natur stammen können, aber nicht müssen.

Und manche Worte kann ein Leser zwar nicht sehen, aber sie sprechen seine Gefühle an. Liebe und Hass etwa. Wehmut. Freude. Angst. Stolz. Also zwar abstrakte, aber emotional fassbare und damit immer noch bildhafte Substantive.

Gemeinsam ist dieser bildhaften Sprache, dass wir sie mit unseren Sinnen erfassen können. Sie transportiert Bilder und ist reich an emotionaler Kraft.

Wenn ein Autor so farbig schreibt, hat er gute Arbeit geleistet. Denn er gibt dem Leser nicht nur Dinge, die jeder mit vergleichbarem kulturellem Hintergrund versteht oder zumindest ableiten kann. So wird sich ein Haus zum Beispiel zwar jeder Leser ein wenig anders vorstellen, dennoch bleibt das Grundbild gleich.

Er gibt dem Leser vor allem Worte, die seine Sinne anregen und seine Vorstellungswelt anzapfen oder in Gang setzen.

Der Leser kann Ihre Worte mit einem geistigen Abbild in Verbindung bringen, das er zu diesem Begriff in sich trägt. Beide, Sinneseindrücke und Sprache bilden im Gehirn eine Einheit.

Der Leser kann sich buchstäblich vorstellen, was Sie ihm sagen. Er kann mitfiebern und mitleiden. Er kann sehen, hören, riechen oder schmecken. Je mehr Sie sozusagen mit allen Sinnen schreiben, desto stärkeren Anteil wird er an Ihren Texten nehmen.

Logisch, dass sich die Werbung dieses Prinzip zunutze zu machen versucht. Da sind schöne Textbilder nicht anders als der Werbespot im Fernsehen. 😉 Aber auch, wer andere etwa von etwas überzeugen, begeisternde Reden halten oder natürlich seine Leser fesseln will, sollte versuchen, für die Sinne zu schreiben.

Ziehen Sie Ihren Leser in Ihren Text. Verwenden Sie gezielt eine bildhafte Sprache. Also eine Sprache, die Sinneseindrücke anregt oder wiedergibt.

Übrigens: Je konkreter Sie werden, desto besser. Ein Haus ist zwar ein Haus, aber eine Villa sagt etwas anderes als eine Bruchbude, und ein Plattenbau ist keine Hütte im Wald. Je konkreter Ihr Bild, desto greifbarer lockt und winkt es vor Ihrem geistigen Auge. 😉

Üben Sie mal

Wenn Sie wollen, sammeln Sie doch mal selbst. Nennen Sie 20 Hauptwörter, die ein Bild erzeugen oder ein Gefühl wiedergeben. Und lassen Sie sich von den Worten und ihren Bildern inspirieren. Schreiben Sie zum Beispiel eine kleine Geschichte um Ihr Schneehuhn herum. Erspüren Sie das Gefühl, das in Zorn oder Leid steckt. Geben Sie es so einfühlsam wie möglich wieder. Lassen Sie Ihre Leser an und mit Bildern und Gefühlen teilhaben.

Können Sie die Kraft der Worte spüren? Ihnen viel Freude damit. :-)

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 05.01.10

Möchten Sie meinen Beitrag weiterempfehlen? Dann sage ich mal: Danke. :-)