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Schreibübung: Texteinstiege variieren

In Friederike Herrmanns „Unter Druck. Die journalistische Textwerkstatt.“ habe ich eine schöne Schreibübung gefunden. Der Germanist und Hochschuldozent Thomas Schröder zeigt, wie Sie das Problem „wie steige ich in einen Text ein“ auf systematische Weise lösen können.

In Friederike Herrmanns „Unter Druck. Die journalistische Textwerkstatt.“ habe ich eine schöne Schreibübung gefunden.

Der Germanist und Hochschuldozent Thomas Schröder zeigt, wie Sie das Problem „wie steige ich in einen Text ein“ auf systematische Weise lösen können.

Dazu gehen Sie einfach stur diverse gängige Texteinstiege durch und wenden sie auf Ihr Thema an. Diese Systematik entlastet Sie bei der Suche nach einem passenden Anfang. Und gleichzeitig sehen Sie, wie sich der Schwerpunkt und die Stoßrichtung Ihres Textes je nach Art Ihrer Texteröffnung ändern können.

Mögliche Texteinstiege wären zum Beispiel:

  • Sogenannte Fakteneinstiege, in denen zu Beginn die wichtigsten Fakten gebracht werden. (Meist in Form der journalistischen W-Fragen „wer hat was wann wo wie warum getan“. Diese Einstiegsform wird gern bei Nachrichten und Pressemeldungen verwandt.)
  • Ähnlich die sogenannten Komprimierten Einstiege, in denen man dem Kern seines Textes nach und nach einzelne Details folgen lässt. (Typischer Einstieg die Schlagzeile, die den Inhalt eines Textes schlagzeilenartig verdichtet.)
  • Sogenannte Szenische Einstiege, die die Aufmerksamkeit des Lesers wecken sollen. (Wie etwa die Texteröffnung mit einer Szene oder einem Zitat.)
  • Und andere mehr.

Wollen Sie mal selbst üben? Dann nehmen Sie sich irgendeinen Text und wandeln seinen Anfang entsprechend ab.

Thomas Schröder nutzt für seine Schreibübung das Märchen von Dornröschen. Das macht es besonders nett. 😉

Ich musste schmunzeln, als der Prinz mit „Wahnsinn, purer Wahnsinn“ in einem Zitat-Einstieg angeführt wird, und die Geschehnisse im Schloss einfach nicht glauben kann.

Oder wie der Leser gleich mit „Kuss weckt Prinzessin“ im Schlagzeilen-Einstieg auf das Kommende eingestimmt wird.

Noch einmal anders startet der Text, in dem der Prinz sich beim Szenischen Einstieg langsam in der geheimnisvollen Turmkammer vorantastet.

Achtung, der Autor dieser Übung ist unter anderem Dozent für Sportpublizistik. Das bedeutet, seine Beispiele sind vor allem journalistischen Darstellungsformen entnommen.

Das soll Sie aber nicht davon abhalten, selbst mal mit den oben erwähnen Einstiegsformen zu experimentieren. Und sei es nur, um einen ersten Eindruck davon zu bekommen, dass ein Text nicht immer auf die gleiche Art und Weise anfangen muss.

Er kann im Gegenteil

  • dem Leser kurz und bündig das Wichtigste mitteilen (W-Fragen)
  • die „Essenz“ oder den Kern eines Textes vorwegnehmen (Komprimiert)
  • schlagzeilenartig die Aufmerksamkeit des Lesers wecken (Schlagzeile)
  • den Leser mit Zitat oder Szene in den Text ziehen (Szenisch)
  • und anderes mehr.

Selbst ein an sich bekannter Text wie das Dornröschen-Märchen bekommt so ein völlig neues Gesicht. 😉

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 17.11.09

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