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33 Wahrheiten über Beziehungen

Eigentlich lebt jeder Mensch eingebunden in Beziehungen, egal, welche Gestalt diese auch haben. Doch oft wissen wir entsetzlich wenig darüber, wie das, was uns so entscheidend bestimmt, funktioniert. In den letzten zwei, drei Jahren habe ich viel über Beziehungen gelernt. Hier habe ich mal eine Auswahl meiner „Erkenntnisse“ oder „Wahrheiten“ für Sie.

Eine Kollegin nannte mich mal „soziales Tierchen“, eine andere „beziehungsstark“. Nun, so hätte ich mich selbst nie gesehen. Doch ich kann es nachvollziehen: Menschen und Beziehungen sind mir sehr wichtig. Und ich ziehe langlebige Bindungen vor. Wenn man so will, sind große Teile meines Geschäftsmodells eine einzige „Beziehungskiste“. 😉

In den letzten zwei, drei Jahren gab es in meinem sozialen Umfeld allerdings viele Turbulenzen. Vieles Alte brach auf die eine oder andere Art weg, ich lernte aber auch etliche neue Menschen kennen. Dabei habe ich viel über mich, Menschen und Beziehungen gelernt.

Hier habe ich mal eine – natürlich zufällige und subjektive – Auswahl meiner Erkenntnisse für Sie.

Stören Sie sich übrigens bitte nicht an der „Kommandosprache“. Ich hätte bei jedem einzelnen Punkt auch schreiben können „ich habe die Erfahrung gemacht, dass …“. Diese Arbeit wollte ich mir sparen.

So, und nun rein in die Beziehungen. 😉

Teil 1: Beziehungen eingehen

Prüfen 1: Gehen Sie eine Beziehung nicht nur deshalb ein, weil Sie spüren, dass der andere diese will, oder weil Sie froh sind, dass Sie überhaupt Beziehungen haben. Fragen Sie sich immer, ob es Gemeinsamkeiten, Passungen, Schnittstellen gibt, ob die Beziehung (genug) Bedürfnisse / Erwartungen / Wünsche erfüllt und Ihnen gut tut.

Machen Sie sich Ihre Motive an einen Menschen / eine Beziehung klar. Pflegen Sie zum Beispiel keinen beruflichen Austausch, wenn Sie eigentlich engere private Freunde suchen.

Prüfen 2: Achten Sie darauf, ob die „Chemie“ stimmt. Das heißt: Sind Denk-, Kommunikations-, Verhaltens- und „Bewältigungsmuster“ (Streitkultur) zu den Ihren kompatibel? „Verstehen“ Sie sich? Fühlen Sie sich mit der Lebensweise, der sozialen Schicht, dem gelebten Status des anderen wohl? (Brauchen Sie jemanden, der führt? Brauchen Sie die Augenhöhe? Neigen Sie zu Autorität und Dominanz?) Die Muster sollten passen, ohne dass Sie sich allzu sehr verbiegen müssen.

„Gegensätze ziehen sich an“, doch „gleich und gleich gesellt sich gern“. Sie werden aus den Unterschieden lernen, doch wenn Sie das praktisch jede Sekunde tun müssen, kann Sie das viel kosten. Achten Sie auch darauf, ob diverse Ängste, Blockaden oder ein verdrängter „Schatten“ Sie zu starken Gegensätzen hintreiben. Suchen Sie dann ggf. nach anderen Lösungen.

Gestalt 1: Achten Sie darauf, nicht zu „symbiotisch“ zu werden. Gerade introvertierte / hochsensible Menschen schätzen wenige, tiefe Beziehungen. Doch wenn Sie einen Großteil Ihres Lebens auf eine einzige Beziehung ausrichten und diese sich nicht fortsetzen lässt, kann Sie das sehr kalt erwischen.

Fragen Sie sich auch immer, wie viele Beziehungen Sie wie pflegen können, ohne sich zu verzetteln oder andere zu vernachlässigen. Verhängen Sie ggf. einen Beziehungs-Aufnahme-Stop. 😉

Gestalt 2: Achten Sie darauf, welche Form Ihre Beziehung annehmen kann. Manchmal ist eine Bekanntschaft möglich, ein andermal eine Kollegenschaft, eine Freundschaft oder eine Partnerschaft. Beide / alle Beteiligten müssen sich auf einer für alle annehmbaren Ebene treffen.

Falle 1: Glauben Sie nicht, dass durch Anpassung und guten Willen alles möglich ist oder dass Sie den anderen ändern können. Das ist ein klassischer Fehler vieler frischgebackener Ehefrauen (oder wohl auch –männer). Wir Menschen werden zum größten Teil von unserem Unbewussten gesteuert. Tiefsitzende Muster sind nicht quasi auf Knopfdruck und per Willensbeschluss zu überwinden. Zudem ist die Persönlichkeit eines Menschen zwar „wie ein Gummiband dehnbar“, aber sonst ziemlich stabil.

Man kann und sollte an Beziehungen „arbeiten“, doch die Basis muss „gesund“ sein.

Falle 2: Hüten Sie sich vor schwierigen, schmerzhaften Beziehungen, vor Helfersyndrom und Samaritertrieb, vor „Co-Abhängigkeit“ und „kodependenten Beziehungen“. (Bei letzteren will der eine der „Retter“ des anderen (des „Opfers“) sein, um sein Selbstwertgefühl zu stärken.)

Achten Sie auch darauf, ob Sie ungute oder für Sie / die Situation unpassende Beziehungsmuster von Eltern, Familie und Co. übernommen haben. Ein Sprichwort sagt: „Wir leben oft die Beziehungsmuster unserer Mütter / Väter.“

Falle 3: Bleiben Sie (als Frau) von Männern weg, die (emotional) (noch) nicht frei sind. Das Hin und Her (oder Schlimmeres) kann massiv auf Glück, Lebensqualität und Selbstwertgefühl gehen, Schaden zufügen und schmerzen.

Entscheidung 1: Hören Sie bei Beziehungen in erster Linie auf Ihren Bauch. Das Herz darf sprechen, der Kopf sollte einverstanden sein, doch nur der Bauch kann Ihnen sagen, wie Sie wirklich zu dem / den anderen stehen.

Geben Sie auch dem Zufall eine Chance. Die besten Beziehungen sind längst nicht immer die, von denen sich der Kopf angezogen fühlt, sondern die, wo sich der Bauch wohlfühlt.

Teil 2: Beziehungen pflegen

Pflege 1: Jede Beziehung erfordert „Arbeit“, Pflege und Zeit. „Wege, die man nicht pflegt, wachsen zu“, nennt es ein weiteres Sprichwort. Das erfordert Selbstdisziplin und Energie.

Pflege 2: Jede Beziehung braucht gemeinsame Interessen und gemeinsam verbrachte Zeit, wenn man sich nicht irgendwann entfremden will.

Pflege 3: Jede Beziehung braucht ein Geben und Nehmen in Balance. Schauen Sie, was Sie brauchen und was man Ihnen geben kann. Und schauen Sie, was der andere braucht und was Sie diesem geben können.

Achtung: Versuchen Sie nicht, es allen recht zu machen. Und handeln Sie auch nicht ausschließlich um des anderen willen, egal aus welchen Motiven. (Liebe, Fairness, Gerechtigkeit usw.) Damit tun Sie sich Gewalt an, eine gleichberechtigte Beziehung sieht anders aus und oft geht der Schuss trotzdem nach hinten los.

Pflege 4: Eine weiteres Bonmot lautet: „Jede Beziehung ist eine Form gelungener Konditionierung.“ „Arbeiten“ Sie an einer Beziehung, solange Sie dort Chancen sehen und / oder diese Ihnen gut tut. Eine Beziehung ist immer ein „Gewächs“ von zweien / mehreren. Sie sind genauso an ihrem Zustand beteiligt wie der oder die andere(n).

Schauen Sie, woran genau Sie „arbeiten“ können, suchen Sie nach Schnittstellen. In der Regel bestimmt der die Gestalt einer Beziehung, der am wenigsten von ihr will.

Konflikte 1: Seien Sie nicht zu harmoniesüchtig oder konfliktscheu. Das, was Sie dabei unter den Teppich kehren, kann Sie später wie eine Lawine wieder einholen. Gute Beziehungen vertragen auch Unstimmigkeiten. Wichtig: Lernen Sie, anschließend neue Harmonie herzustellen.

Konflikte 2: Lernen Sie, Kränkungen zu verzeihen. „Sonst können Sie gleich die Koffer packen und gehen“, wie mein Vater sagen würde. Doch ziehen Sie die Grenze, wenn es zu schmerzhaften Verletzungen kommt. Wie wollen Sie sich sonst fallenlassen und dem anderen vertrauen?

Grenzen 1: Achten Sie als Hochsensible(r) darauf, sich nicht zu sehr von den Gefühlen und Bedürfnissen des / der anderen fluten zu lassen. (Stichwort: Spiegelneurone) Lernen Sie, die Gefühle des anderen von den eigenen zu unterscheiden.

Hängen Sie Ihr Herz auch nicht an alles und jeden. Gehen Sie ein wenig auf Abstand und richten Sie den Fokus ausreichend stark auf sich selbst. Das bewahrt Sie davor, bei jeder beendeten Beziehung übermäßig stark zu leiden oder zu lange an unguten Beziehungen festzuhalten.

Grenzen 2: Lernen Sie, Ihre Grenzen wahrzunehmen, zu kommunizieren und den anderen ggf. in seine Grenzen zu weisen. (Zu oft) verletzte Grenzen können das Aus für eine Beziehung sein.

Achtung: Nicht immer wird der andere darauf Rücksicht nehmen können oder wollen. Das ist wieder eine Frage von tiefsitzenden, unbewussten Verhaltensmustern. Fragen Sie sich ggf., womit Sie noch leben können und womit nicht.

Falle 1: Verteufeln Sie weder den anderen, noch idealisieren Sie ihn. Sehen Sie ihn realistisch, als Menschen mit Stärken und Schwächen. Hüten Sie sich auch vor übergroßer, idealisierender Liebe. Damit werden Sie dem anderen nicht gerecht, und Sie tun sich selbst meist auch keinen Gefallen.

Teil 3: Beziehungen hinterfragen

Veränderung 1: Beziehungen sind wie Lebewesen. Sie verändern sich mit den äußeren Umständen, inneren Neu-Konstellationen und den beteiligten Menschen. Vielleicht mögen sie als Freundschaft noch funktionieren, als Partnerschaft laufen sie aus dem Ruder. Vielleicht ändern sich Gefüge, Rollen und Status zwischen den Beteiligten. Neue Bedürfnisse und Wünsche bilden sich aus. Einer wächst über die Beziehung hinaus, während für den anderen noch alles so bleiben soll, wie es war. Oder es entwickeln sich gleich alle Beteiligten in unterschiedliche Richtungen.

Was sehen Sie im anderen? Was ist er für Sie? Was bedeutet er Ihnen? Was mögen Sie an ihm? Das kann sich ändern, wenn Sie sich selbst ändern.

Veränderung 2: Achten Sie darauf, welche Entwicklung eine Beziehung nimmt: Aufwärts, gleichbleibend oder abwärts. Wenn erst mal der „Wurm“ in einer Beziehung ist, werden viele nicht mehr besser, sondern nur noch schlechter. Dieser Abwärtstrend wird allenfalls überdeckt durch künstliche Klammern wie Ängste, Kinder oder materielle Sorgen und Erwägungen.

Veränderung 3: Viele Beziehungen gehen eher schleichend ihrem Ende entgegen. Oft bekommt man diese Entwicklung kaum mit. Fragen Sie sich dann zum Beispiel: „Wann war ich das letzte Mal wirklich glücklich mit ihm / ihr?“ Liegt das zu lange zurück beziehungsweise liegen zu viele Lücken dazwischen, sollten Sie etwas tun.

Stecken Sie nicht zu viel Energie in Beziehungen mit einem deutlichen Negativtrend. Nur weil Sie es immer wieder versuchen, wird es doch nicht automatisch besser. Gestehen Sie sich ein, wann Sie eine „verlorene Schlacht“ kämpfen und hüten Sie sich vor „Pyrrhussiegen“.

Falle 1: Hüten Sie sich vor Wunschdenken. Menschen ändern sich nicht, nur weil Sie darauf hoffen, noch werden diese deshalb leichter mit ihren Problemen oder „Problemzonen“ fertig.

Achten Sie darauf, sich nicht zu sehr in (zu) positiven, verklärenden Erinnerungen zu verlieren und die (womöglich mittlerweile negativ gewordene) Realität nicht (genug) vor Augen zu haben. Ihr Bauch wird da ggf. besser Bescheid wissen als Kopf und Herz.

Falle 2: Ein weiteres Sprichwort sagt: „Love it, change it or leave it“. (Liebe es, ändere es oder verlasse es.) Doch übersetzen Sie das „change it“ bitte nicht mit „ändern Sie den anderen“, das werden Sie nicht können. Wenn Sie sich nicht selbst genug ändern können, damit Ihnen die Beziehung (noch) gut tut, sollten Sie gehen.

Erkennen Sie die Grenzen des Machbaren an. Fragen Sie sich immer: Ist das realistisch? Nicht alles ist grundsätzlich möglich und nicht alles wird Ihnen möglich sein. Wenn Sie das annehmen können, werden Sie Demut und Gelassenheit ernten.

Teil 4: Beziehungen beenden

Ende 1: Sehr viele Beziehungen scheitern daran, dass zu viele Bedürfnisse nicht erfüllt und zu viele Grenzen verletzt werden.

Ende 2: Sehr viele Beziehungen scheitern an dem, was schon von Beginn an im Keim vorhanden war.

Ende 3: Eine Beziehung, an der Sie über ihre natürliche „Lebensdauer“ hinaus festhalten, kann sich irgendwann in Gift verwandeln.

Ende 4: Verlassen Sie ungesunde, krankmachende Beziehungen, die zu viel Energie und Kraft kosten.

Falle 1: Versuchen Sie nicht, eine Beziehung zu halten, weil Sie spüren, dass der andere sie halten will.

Falle 2: Versuchen Sie nicht, blind zu bewahren, was sich nicht (mehr) bewahren lässt. Das Alte ist nicht von selbst bewahrenswert und besser als das Neue.

Beenden 1: Sehr viele Menschen vertragen es nicht, wenn Sie sie „zurückweisen“ und gehen. Selbst wenn Sie sachliche Gründe anführen, nehmen sie es persönlich. Ggf. macht es dann mehr Sinn, sich stillschweigend rauszuziehen.

Beenden 2: Andere Menschen schätzen hingegen ein offenes, ehrliches Wort. Es ist nicht immer ganz leicht zu wissen, wann was der Fall ist. Je besser Sie einen Menschen kennen, desto leichter können Sie es einschätzen.

Frieden 1: Lernen Sie, loszulassen, ggf. zu trauern und weiterzugehen. Das gehört zum Leben dazu.

Frieden 2: Grübeln Sie nicht ewig über Beziehungsfehlern und Co. Lernen Sie aus eigenen Fehlern. Lernen Sie, auch die Fehler des anderen zu sehen. (Statt diese nur bei sich selbst zu suchen.) Und lernen Sie, die Umstände und Muster zu sehen, überschätzen Sie Ihren Einfluss nicht. Wie gesagt, eine Beziehung ist wie ein Lebewesen. Zu viele Faktoren bestimmen darüber, wie es sich entwickeln wird.

Ausblick 1: Freuen Sie sich, bei allem vielleicht schmerzhaften Abschied, auch auf neue, schöne Bindungen. Manche würden vielleicht sagen: Jetzt ist die Gelegenheit für neue, bessere Beziehungen. Und ja, es stimmt, das neue Andere wird besser zu Ihrem eigenen neuen Selbst passen. Doch ohne Bewertung sage ich auch: „Die Natur neigt dazu, ein Vakuum zu füllen.“ (Noch eine Redewendung.) In diesem Sinne … 🙂

© 2014 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 06.10.14