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Teamwork: Gemeinsam schreiben

Gemeinsam zu schreiben hat viele Vorteile: Mehr Wissen, mehr Kompetenzen, mehr Spaß – und Schluss mit der typischen Einsamkeit beim Schreiben. Wie jede Zusammenarbeit hat aber auch ein Schreiben im Team seine Tücken. Hier hätte ich ein paar Ansätze und Ideen für Sie.

Teamwork beim Schreiben

Viele Sach- und Fachbücher entstehen heute als Gemeinschaftsprojekt mehrerer Autoren unter der Leitung eines oder mehrerer Herausgeber. Auch ich habe schon Beiträge für solche „Fremdbücher“ geschrieben beziehungsweise den neudeutsch „Content“, also das Material dafür geliefert. Es macht einfach weniger Arbeit, als gleich ein ganzes Buch zu schreiben. Andere Sach- und Fachbücher werden von zwei, drei, vier Autoren geschrieben, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen zusammenwerfen und sich die Arbeit wieder teilen. Weitere Bücher bestehen zu einem hohen Prozentsatz aus eingebauten Interviews.

Auch belletristische Werke wie Romane werden zunehmend von Autorenteams geschrieben, entweder unter Nennung aller Beteiligten oder unter einem erfundenen Pseudonym. Auch hier kann ein Grund dafür die Arbeitsteilung sein, sicher aber auch die reine Freude am gemeinsamen Schreiben. Schließlich kann Schreiben eine einsame Sache sein, die man sonst bestenfalls durch Austausch in Schreibgruppen oder mit Testlesern auflockern kann.

Darüber hinaus gibt es den Sonderfall, dass ein Fachexperte oder eine Prominenz mit einem Schreibprofi zusammenarbeitet. Der Experte oder Promi liefert den Stoff, der Schreibprofi sein Handwerk, je nach Absprache und Vergütungsmodell in Form einer offiziellen Zusammenarbeit oder als Ghostwriting. Bei Lebensgeschichten werden diese oft mehr oder weniger stark von mehr oder weniger sichtbaren Biografen geschrieben.

Teamwork beim Schreiben bietet sich also zum Beispiel an, wenn Sie

  • den Arbeitsaufwand reduzieren und arbeitsteiliger vorgehen wollen
  • unterschiedliches (Fach-) Wissen, Erfahrungen und Talente bündeln wollen
  • durch diese Kombination von Begabungen für den Leser attraktiver werden wollen
  • Freude am gemeinsamen Schreiben haben und neue Perspektiven gewinnen wollen
  • oder sich die spätere Bewerbung, Lesungen und so weiter teilen wollen.

Mögliche Probleme einer solchen Zusammenarbeit

Nun hat natürlich jede Form von Zusammenarbeit ihre Tücken. Die größte Tücke dürfte, wie so häufig, „der Faktor Mensch“ sein. Persönlichkeiten passen nicht zusammen, jeder hatte andere Vorstellungen und Erwartungen, Streits brechen aus, mancher geht sehr kreativ mit dem Zeitplan um oder wird schlicht krank. Und nun stehen Sie da als Mitautor oder Herausgeber.

Einheitlichkeit: Für Buch oder Leser dürfte die größte Herausforderung wohl die Einheitlichkeit eines solchen Projekts sein. Die Qualität der Beiträge, Sprache, Stil und Ton können wechseln, eine Struktur ist vielleicht nicht vorhanden, wichtiger Inhalt fehlt oder ist doppelt, Formalia wie die Benennung von Überschriften oder die Schreibweise von Fußnoten und Zitaten werden von jedem Beteiligten beliebig gehandhabt und so weiter. Mit anderen Worten: Das Buch wirkt vielleicht nicht aus einem Guss, wird vom Leser dann weniger gern, gegebenenfalls nur in Teilen gelesen und von Verlagen sehr kritisch gesehen, oft nicht angenommen.

Organisation: Auch die Organisation sollte nicht unterschätzt werden. Schon die ironische Definition von TEAM = „toll, ein anderer macht’s“ deutet auf Schwierigkeiten hin. Wer bestimmt in welchem Maße über das Ganze und die Details? Einen Zeitplan einzuhalten und bei allen Beteiligten durchzusetzen kann zu einer hässlichen Sache werden. Ausfälle und Krankheiten müssen bedacht und abgefedert werden. Auch Kommunikation und Verständigung sind nicht ohne, Missverständnisse sind jederzeit möglich. Und natürlich ist die Organisation einer Zusammenarbeit in sich oft schon aufwändiger als die für eine Einzelarbeit. Die Arbeit und Zeit, die man beim Schreiben spart, steckt man oft in die Planung wieder rein.

Recht: Wenn Sie wüssten, wie häufig ich E-Mails von Autoren bekomme, die sich mit anderen Beteiligten oder, meist, ihrem Verlag überworfen haben und nach möglichen rechtlichen Schritten suchen … Und nein, ich kann dabei leider gar nicht helfen. Auch die rechtliche Seite einer Zusammenarbeit sollte also besser nicht ignoriert werden. Differenzen ergeben sich immer gern beim Finanziellen. Aber auch organisatorische Fragen können rechtliche Folgen haben wie etwa: Wer leistet was? Wer hat welchen Einfluss? Wer trifft die Entscheidungen?

Was also tun?

Tipps für eine Zusammenarbeit beim Schreiben

Einheitlichkeit: Je mehr Einheitlichkeit erforderlich oder gewünscht ist, desto wichtiger wird die Planungsphase. Nehmen Sie sich gegebenenfalls ausreichend Zeit dafür, sprechen und arbeiten Sie alles genau durch, halten Sie alles schriftlich fest. Ein detailliertes Konzept mit sorgfältiger Gliederung kann sehr sinnvoll sein.

Auch genaue Vorgaben und Vorlagen können hilfreich sein, sei es als Anleitung und / oder als formatierte Datei. Diese Vorgaben können betreffen: Den Inhalt, den Umfang (Beitrags- und Kapitellänge), die Gliederung (wie tief darf / soll gegliedert werden), Stil und Ton (zum Beispiel eher sachlich oder locker-leicht), die Benennung (beispielsweise von Überschriften und Zwischenüberschriften), Formalia wie Zitierweise, Fußnoten, Anmerkungsapparat und Literaturangaben, Umgang mit und Bezeichnung von Abbildungen oder schlicht Schriftart und -größe. Vielleicht mögen Sie auch ein Beispielkapitel als Fahrplan erarbeiten?

Und stellen Sie jemanden dafür ab, der zum Schluss noch einmal über das ganze Werk geht und dafür sorgt, dass alles wie aus einem Guss wirkt, der alles noch einmal kontrolliert und überprüft, ob das einer von Ihnen ist oder ein externer Lektor. Es kann auch sinnvoll sein, alles noch einmal sprachlich zu überarbeiten beziehungsweise überarbeiten zu lassen. Sei es, um Fehler zu beseitigen und Schwächen zu glätten, und / oder, um für einen einheitlicheren Ton zu sorgen.

Organisation: Als Nächstes braucht Ihr Projekt, wie jedes Projekt, eine gute Organisation. Dazu gehören Terminpläne mit Terminvorgaben und am besten auch genügend Puffer. Dazu gehören genaue Zuständigkeiten und Aufgaben: Wer macht was und ist wofür verantwortlich? Was wird von jedem Beteiligten erwartet, was erwarten aber vielleicht auch die Beteiligten? Schließlich können sich stillschweigende Annahmen und scheinbare Selbstverständlichkeiten als fatal erweisen. Wer trifft die Entscheidungen und hat worüber das Sagen? Wie sollen Arbeits- und Vorgehensweise aussehen? Wie will man miteinander arbeiten und kommunizieren?

Vielleicht möchten Sie eine Zusammenarbeit auch erst einmal an kürzeren Texten und Projekten ausprobieren, bevor Sie sich an ein Großprojekt wie ein Buch machen? Alles, was Sie an Prototypen lernen, können Sie später bei Umfangreicherem einsetzen.

Recht: Um Rechtsfragen geht es häufig dann, wenn als selbstverständlich Angenommenes nicht funktioniert oder die Beteiligten unterschiedliche Erwartungen und Prioritäten haben. Eine Teilnehmerin nannte es einmal so: „Verträge schließt man, damit man sich verträgt.“ Oder anders formuliert: Was im Vorhinein besprochen und schriftlich festgelegt wurde, führt im Nachhinein seltener zu Streitereien. Das gilt auch beim Schreiben, ob Sie das in Vertragsform tun oder nicht.

Legen Sie also zum Beispiel, wie schon oben erwähnt, fest: Wer trifft welche Entscheidungen? Wer ist in letzter Instanz für das Gesicht von Text oder Buch verantwortlich? Wie soll dieses Gesicht aussehen? Welche Rechte haben Herausgeber und Verlag? (Zum Beispiel das Recht der Überarbeitung.) Welche Rechte haben die Autoren? (Zum Beispiel das Recht, dass ihre Freigabe für einen zu veröffentlichenden Text notwendig ist, oder das Recht, Veränderungen an ihrem Text rückgängig machen zu dürfen.) Wie sieht’s mit dem Finanziellen aus? Wer wird oder soll nach Fertigstellung von Text oder Buch noch was tun? (Dazu zählt zum Beispiel der häufige Streitpunkt, was Herausgeber oder Verlag zum Verkauf eines Buches tun werden. Dazu zählt beispielsweise aber auch, ob sich die Autoren über weitere Punkte wie die Bewerbung eines solches Buches, weitere Auflagen, späterer Verlagswechsel oder Ähnliches einig sind.)

Und vergessen Sie natürlich „den Faktor Mensch“ nicht. Je enger eine Zusammenarbeit ist, desto wichtiger kann es werden, dass Sie sich mit dem oder den anderen gut verstehen, sich gegenseitig gut ergänzen, ähnliche Vorstellungen und Erwartungen haben und gern auch die Stärken und Schwächen des anderen kennen. Wie halt im ganz normalen Leben. 🙂

Lesetipps:

Artikel: 16 Regeln für Moderation und gute Kommunikation
Artikel: 10 Tipps für gute Kooperationen

Literaturtipp:

Klaus Reinhardt: Vom Wissen zum Buch. Fach- und Sachbücher schreiben.

© 2018 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 08.10.18