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Intuition

Unter dem Begriff Intuition wird viel verstanden: Eine innere Wahrheit genauso wie ein impulsiver Impuls, ein Geistesblitz oder ein richtiger Riecher. Lesen Sie, was Intuition ist, wie sie funktioniert und wie Sie sie fördern – oder behindern ;-).

Was ist Intuition?

Intuition ist nicht nur eine „weiche“ Fähigkeit, sondern offenbar auch ein „weicher“ Begriff. In der Literatur begegnen dafür viele mögliche Definitionen. Mancher versteht unter Intuition pauschal jedes „Denken mit dem Bauch“. Für manchen ist sie ein intuitives Bauchwissen, etwas, was sich richtig, stimmig anfühlt. Das wird dann auch gleichgesetzt mit der inneren Stimme oder inneren Wahrheit. Für manche ist sie ein intuitives Handeln (was als „innerer Blödmann“ allerdings auch negative Folgen haben kann), für andere ein impulsives Handeln (was auch nicht ganz ungefährlich sein kann), für wieder andere ein instinktives Handeln (was positiver sein kann, allerdings nur, wenn man unter Instinkt das Wissen darum versteht, was gut für einen ist). Geistesblitze und Ideen können das Ergebnis von intuitiven Erkenntnissen und Problemlösungen sein. Die intuitiv richtige Einschätzung von Menschen wird durch Spiegelneuronen erleichtert. Bei einem sechsten oder siebten Sinn hat man einen richtigen Riecher. Spirituelle oder religiöse Menschen machen intuitive mystische Erfahrungen. Und manche sollen regelrechte Vorahnungen oder Visionen haben.

Wie äußert sie sich?

Schon bei der Begriffsbestimmung zeigt sich, dass Intuition verschiedene Formen annehmen und unterschiedlich wahrgenommen werden kann. Ein vages Gefühl, „dass da etwas nicht stimmt“, ist etwas anderes als die angenehme Wärme im Körper, dass das jetzt richtig für einen ist. Ein Impuls, der einen treibt, ist etwas anderes als ein Geistesblitz, eine Vorahnung oder Träume. Bei vielen Menschen kann sich Intuition auch über innere Bilder äußern oder durch künstlerische Tätigkeiten wie Malen und Schreiben Gestalt annehmen. Das hängt teils von der Intuition und teils vom jeweiligen Menschen ab. Jeder reagiert anders auf sie.

Worauf beruht sie?

Hauptquelle für unsere Intuition ist unser Unbewusstes. Dieses speichert und verarbeitet das, was wir irgendwann einmal wahrgenommen, erfahren, erlebt und gelernt haben, aber auch das, was wir unbewusst, also ohne bewusste Kenntnis dessen, wahrgenommen haben. Je nach Intuition stellt es uns dieses Wissen dann in unterschiedlicher Form zur Verfügung. Dies kann der Geistesblitz sein als Ergebnis eines bewussten und unbewussten Ringens mit einem Problem. (Unbewusste Informationsverarbeitung) Aber auch die intuitive Muster- oder Fehlererkennung bei Gebieten, auf denen wir Experten sind. (Erfahrungswissen) Intuition kann die Folge von automatisierten, konditionierten Abläufen wie bei Profisportlern sein, die durch ständige Wiederholung ihre Tätigkeit intuitiv, sozusagen „im Schlaf“ beherrschen. Eine zwischenmenschliche Intuition beruht oft auf unseren Spiegelneuronen, mit deren Hilfe wir Gefühle, Situation, Zustand oder Verhalten eines anderen Menschen in uns selbst erleben und mitfühlen. Es soll aber auch eine Intuition ohne jede Vorerfahrung geben. Eine Intuition, die sich zum Beispiel in Vorahnungen oder Visionen äußert und die zumindest nach heutigem Stand der Dinge wissenschaftlich nicht erklärt werden kann.

Welche Vorteile hat sie?

Wenn man so will, ist unsere Intuition ein zusätzliches Auge oder ein weiterer Wahrnehmungs- und Informationskanal. Sie zapft die unserem bewussten Verstand oft haushoch überlegenen Fähigkeiten und Wissensspeicher unseres Unbewussten an. Sie lässt uns Prioritäten setzen und erkennen, was wirklich wichtig ist. Sie macht traumwandlerisch mühelose Abläufe möglich, hilft bei Entscheidungen, löst Probleme und findet Ideen. Sie warnt mit dem „sechsten Sinn“ oder stellt den „richtigen Riecher“. Sie lässt uns Menschen und Situationen besser beurteilen und erweist sich so als wichtige Überlebenshilfe. Sie kann uns als innere Weisheit instinktiv zu dem führen, was gut für uns ist. Und sich auf sie zu verlassen, kann ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen geben, kann den Druck mindern, im Leben alles bewusst, durchdacht tun zu müssen.

Welche Gefahren sind möglich?

Intuitives Handeln ist aber nicht ganz ungefährlich. Wer unreflektiert jedem Bauchimpuls folgt, kann danebengreifen. Der Instinkt kann irren, wenn er von Prägungen, Erfahrungen, persönlichen Interessen, Gefühlen, Begierden, Ängsten und Ähnlichem mehr beeinflusst wird. Verblendungen, Wahrnehmungsstörungen und psychische Störungen können die Intuition genauso verzerren wie Hormone und biologische Urzeitprogramme des Menschen zur Aufrechterhaltung der Art. Intuition kann fehlinterpretiert oder zur Projektionsfläche zum Beispiel von Wünschen und Hoffnungen, aber auch von Sorgen und Befürchtungen werden. Und natürlich kann sie auch schlicht unbemerkt bleiben.

Was kann Intuition behindern?

Gerade nannte ich Faktoren, die unsere Intuition verzerren können. Es gibt aber auch Dinge, die sie komplett abwürgen können, zum Beispiel: Sich zu sehr auf Verstand und rationales Denken zu verlassen, vielleicht sogar, nichts anderes gelten zu lassen. Zu sehr auf Zweck und Ziel fixiert zu sein. Zu sehr unter Stress zu stehen, sodass man nur noch blind reagieren kann. Zu stark mit Unerledigtem beladen zu sein. Zu sehr Routinen und konditionierten Handlungen zu folgen, die den Blick auf Neues versperren. Durch psychische Belastungen oder hemmende Gefühle blockiert zu sein. Aber auch, zu viel zu grübeln oder auf sich fixiert zu sein. Im Grunde gilt für die Intuition oft das, was auch für die Kreativität gilt: Je mehr Freiraum sie hat, desto besser. Beide kann man nicht erzwingen, nur ermöglichen, und das bedeutet, Bedingungen zu schaffen, unter denen sie sich melden und wir sie hören können.

Was kann sie fördern?

Förderlich für Intuition kann zum Beispiel sein: Sinne, Beobachtungsgabe und Wahrnehmung zu trainieren, feine Signale zu einem Bild zusammensetzen zu können. Achtsam zu sein in der Bedeutung von wahrzunehmen und zu bemerken, aber auch in der Bedeutung von unvoreingenommen zu sein, nicht zu werten oder falsch zu deuten. Empathiefähig zu sein, sowohl anderen als auch sich selbst gegenüber. Zur Ruhe zu kommen, ins Leere zu lauschen, in sich hineinzuhören. Mit Hilfsmitteln wie zum Beispiel Meditation, Fasten oder Nachtwachen aufnahmebereiter oder „durchlässiger“ zu sein. Gedanklich flexibel und „offen“ zu sein, also beispielsweise weder zu glauben, alles mit dem Verstand lösen zu können / zu müssen, noch sich mit Werten, Normen oder der Meinung anderer zu blockieren. Offen auch für die eigenen Gefühle und Impulse zu sein. Geistig klar zu sein, um intuitive Signale zu erkennen und zu interpretieren. Aber auch einen guten Kontakt zum Körper zu haben, um dessen Signale zu bemerken und zu verstehen. Die Bereitschaft, sich selbst zu erforschen, sowie ein gerüttelt Maß an Wissen über sich selbst zu haben, um zum Beispiel zu erkennen, in welcher Form sich die eigene Intuition äußert. (An all dem kann man meiner Meinung nach schön sehen, dass das „Denken mit dem Bauch“ im Grunde ein ganzheitlicher Prozess ist. Alles ist beteiligt: Körper und Gefühl, Seele und Geist / Bewusstsein / Verstand.) Loslassen und Unbestimmtes aushalten, spontan und flexibel sein zu können. Sich selbst und seinen Eingebungen zu vertrauen. Durch Übung sicherer darin zu werden, diese Eingebungen wahrzunehmen. Und wer mag, kann auch mit Hilfe von Reflexionsfragen oder kreativen Ausdrucksformen wie Malen und Schreiben versuchen, stärker in Kontakt zu sich zu treten und sein Un- oder nur Halbbewusstes zu hören.

Unbedingt immer noch: Prüfen

Eines sollte man allerdings nach Meinung diverser Autoren nie tun: Seinen intuitiven Impulsen blind folgen. Erstens muss es sich nicht um Intuition handeln, sondern kann etwa schlicht eine Laune, Angst oder ein anderes Gefühl sein. Zweitens kann der intuitive Impuls, wie oben erwähnt, verzerrt sein. Das bedeutet, es braucht dann doch ein klares Bewusstsein sowie viel Wissen um sich selbst und seine Denk- und Verhaltensmuster, um die Intuition auch zu prüfen und richtig zu interpretieren. Ist das aber gegeben, verfügt man über einen wahren Schatz: Ein drittes Auge, einen inneren Führer und vielleicht sogar die eine oder andere Vorahnung :-).

Lesetipp:

Artikel: Intuition fördern durch Scheibchenschneiden

Literaturtipps:

Renato Kruljac: Intuition. Wie wir lernen, unserem Bauchgefühl zu vertrauen.

Eher positive Stimmen zum Denken mit dem Bauch:

Ap Dijksterhuis: Das kluge Unbewusste. Denken mit Gefühl und Intuition.

Bas Kast: Wie der Bauch dem Kopf beim Denken hilft

Eher vorsichtige Stimmen zum Denken mit dem Bauch:

Burkhard Busch: Denken mit dem Bauch. Intuitiv das Richtige tun.

Malcolm Gladwell: Blink. Die Macht des Moments.

© 2018 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 04.09.18