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Die Literaturagentur: Mittler zwischen Buch und Verlag

In den USA sind sie schon gang und gäbe, in Deutschland noch im Kommen: Die Literatur- oder Buch-Agenturen. Für die Verlage bedeuten sie eine Arbeitsersparnis und ausgewählte, qualitativ hochwertige Buchmanuskripte. Für die Autoren können sie größere Erfolgschancen für ihr Buch und besseren Service bedeuten. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie eine Agentur arbeitet und wie Sie eine passende für sich finden.

Neulich sprach mich ein Kunde und Leser an: Er würde gerade ein Buch schreiben lassen, wie er das jetzt am einfachsten auf dem Markt unterbringe. Ich fragte ihn nach seinen Zielen: Er sei Trainer und Coach und wolle mit seinem Buch in erster Linie eine möglichst große Bekanntheit erreichen.

Da er offenbar auch bereit war, dort einiges an Geld reinzustecken (wie gesagt, er ließ das Buch von Ghostwritern schreiben), empfahl ich ihm eine Literaturagentur. Die würde zwar noch mal etwa 15 bis 20 Prozent von seinem ohnehin mageren Autorenhonorar abknapsen, doch dafür würde sie auch alles tun, um sein Buch bei einem möglichst guten Verlag unterzubringen und an möglichst viele Leute verkauft zu bekommen.

Er strahlte und bedankte sich: „Ich wusste gar nicht, dass das so einfach ist.“

Nun, ganz so einfach ist es auch nicht. 😉 Eine Literaturagentur ist kein Arzt, der Ihre Versorgung übernehmen muss. Auch eine Agentur muss man finden, und sie muss einen annehmen. Zudem hat ein Autor selbst mit Agentur keine Garantie auf eine erfolgreiche Vermittlung seines Buches. Doch sie kann ihm zumindest eine ganze Menge Arbeit abnehmen und die Erfolgschancen deutlich steigern helfen.

Warum gibt es Literaturagenturen?

In den USA bekommt man ohne Literaturagentur sein Buch mittlerweile kaum noch bei einem Verlag untergebracht. Bei uns in Deutschland war es lange Zeit üblich, dass der Autor mit seinem Buchmanuskript selbst bei Verlagen anklopfte.

Doch auch bei uns findet zunehmend eine „Professionalisierung“ in der Buchbranche statt:

  • Etliche Verlage wachsen zu großen Konzernen zusammen. Hier hat man oft nicht mehr die Zeit oder das Herzblut, Autoren persönlich zu betreuen und aufzubauen. Der engagierte Kleinverleger, der aus Spaß an der Sache immer kurz vor der Selbstausbeutung steht, fehlt hier. Es geht primär nur noch um Umsatz und Gewinn.
  • Bücher haben eine immer geringer werdende „Halbwertszeit“. Das heißt, ein Buch muss heute immer öfter sofort ziehen und möglichst viel Umsatz bringen, um dann durch neues Futter abgelöst zu werden. Der langsame Aufbau von Autoren und Büchern findet kaum noch statt. Die Verlage erwarten stattdessen möglichst „perfekt(e) (passende) Manuskripte“, die sie nur noch zu verkaufen brauchen.
  • Immer mehr Leute wollen schreiben und ihre Bücher bei Verlagen unterbringen. Die Verlage ächzen unter der Flut unverlangt eingesandter Manuskripte. Niemand hat mehr die Zeit, sich damit eingehend zu beschäftigen. Zudem lässt die Qualität vieler Manuskripte zu wünschen übrig, klopfen Autoren immer wieder bei den falschen Verlagen an oder kommt es zu anderen „Zeit- und Effizienzfressern“.
  • Auch Verlage müssen wirtschaftlich denken und können nicht mehr alles selbst machen. Viele konzentrieren sich immer stärker auf ihr Kerngeschäft und lagern so viele Arbeiten wie möglich an Dienstleister aus. Das können zum Beispiel freie Lektoren sein, die mit den Autoren an deren Manuskripten arbeiten. Das können aber auch die erwähnten Literaturagenturen sein, die eine Mittlerfunktion zwischen Autor und Verlag einnehmen.

Eine Literaturagentur entlastet die Verlage und unterstützt die Autoren. Den Verlagen hilft sie, Zeit und Kosten zu sparen und möglichst „gute“, sofort verkaufbare Buchmanuskripte zu bekommen. Den Autoren hilft sie, möglichst „passende“ Verlage zu finden; sie arbeitet ggf. am Manuskript mit und erfüllt weitere Aufgaben. (Mehr dazu gleich.)

Konsequenterweise ist deshalb auch bei uns die Zahl der Literatur- oder Buch-Agenturen stetig gestiegen. Ihre Anzahl wird heute, je nach Quelle, auf etwa 150 oder höher geschätzt. (Ohne Einzeltäter, die das ggf. nur hin und wieder machen.) Tendenz: Wachtumsmarkt und weiter steigend.

Was macht eine Literaturagentur?

Gut, was macht nun eine solche Agentur genau?

Zunächst einmal „filtert“ sie aus: Statt der Verlage sehen sich zunehmend die Agenturen die „unverlangt eingesandten Manuskripte“ an.

Glauben sie, dass ein Manuskript nicht „gut“ genug ist oder sich auf dem (aktuellen) Buchmarkt nicht unterbringen lässt, lehnen sie dieses ab. (Und zwar oft schneller als die hier überlasteten Verlage.) Manche Agenturen bieten gegen Entgelt ein Gutachten an, was der Autor wo wie verbessern kann.

Ist sie an einem Manuskript interessiert, geht sie mit dem Autor das Buchprojekt durch, schlägt Verbesserungen an Manuskript oder Exposé vor oder erstellt gleich ein Exposé, das die Anforderungen der Verlage so gut wie möglich erfüllt. Arbeitet eine Agentur schon länger mit einem Autor zusammen, schlägt sie ggf. auch selbst Buchthemen vor, die sie gerade für aussichtsreich hält.

Manuskript und Exposé versucht die Agentur dann bei einem dazu möglichst „passenden“, und gern auch möglichst großen, vertriebsstarken Verlag unterzubringen. Sind mehrere Verlage an dem (zukünftigen) Buch interessiert, berät die Agentur den Autor, welches Angebot das beste für ihn ist.

Zudem unterstützt sie den Autor bei den Honorarverhandlungen und den Vertragsabschlüssen. Sie berät bei Nebenrechten und Lizenzen. Sie überwacht ggf. die Abrechnung und die Honorarabwicklung. Sie ist Ansprechpartner für den Autor und hilft bei der Kommunikation mit dem Verlag. Und wenn es zu Differenzen zwischen Autor und Verlag kommt, übernimmt sie auch hier eine Vermittlerrolle.

Manche Agenturen unterstützen den Autor überdies bei PR-Maßnahmen. Manche bieten ein zusätzliches Lektorat an. Und manche stehen dem Autor auch während der Schreibphase mit Rat und Tat zur Seite.

Manche Agenturen sind weltweit tätig. Andere beschränken sich auf den deutschen Markt.

Was kostet eine Agentur?

All das macht eine Agentur verständlicherweise nicht kostenfrei. Sie lässt sich in der Regel mit einem Honorar von 15 bis 20 Prozent am Gesamterlös eines Autors beteiligen. Manche Agenturen nehmen mehr, manche weniger. Doch der Schnitt liegt bei den erwähnten 15 bis 20 Prozent. Wenn die Honorarabwicklung über die Agentur läuft, zweigt sie diesen Anteil gleich vom Honorar des Autors ab und überweist ihm den Rest.

Achtung: Eine gute Agentur lässt sich nur im Erfolgsfall am Erlös des Autors beteiligen. Sie mag Zusatzleistungen gegen Entgelt anbieten. Doch sie verlangt auf keinen Fall Vorab-Gebühren. Für sie heißt es: Nur ein möglichst gut verkauftes Buch ist auch ein möglichst guter Verdienst für sie. Das spornt sie einerseits an, möglichst viel für einen solchen Verkauf zu tun. Andererseits ist das auch der Grund dafür, dass sie – wie Verlage auch – die meisten bei ihr eingehenden Manuskripte ablehnt, weil sie sie einfach für nicht (so) verkaufsfähig hält.

Welche Grenzen hat sie?

Nun, eine Agentur kann nicht zaubern. Sie kann aus „schlechten“ (oder nicht passenden) Büchern keine „guten“ (oder passende) Bücher machen. Sie kann eine Vermittlung nicht garantieren. Und sie will natürlich selbst ein gutes Auskommen haben und für die Verlage ein interessanter Partner mit vielversprechenden Buchideen bleiben: Deshalb lehnt auch eine Agentur die meisten bei ihr eingehenden Buchprojekte wieder ab.

Zudem kann auch eine Agentur nicht alle Bereiche abdecken, alles wissen oder können. Eine gute Agentur konzentriert sich in der Regel auf einen bestimmten Schwerpunkt, bestimmte Themen oder Zielgruppen. Hier baut sie Verlagskontakte auf und beobachtet den Markt. Für den Autor bedeutet das, dass auch längst nicht jede Agentur für ihn in Frage kommen wird.

Auch eine Agentur verfügt nur über begrenzte Kapazitäten und Personal. Deshalb kann sie auch immer nur eine begrenzte Zahl neuer Autoren aufnehmen.

Ein Literaturagent wird viel für „seinen Autor“ tun, schließlich wird er auch von ihm und dessen Erfolg bezahlt. Doch wenn es hart auf hart kommt, wird er seine Beziehung zu den Verlagen nicht aufs Spiel setzen, denn sie sind die Grundlage seines Geschäfts. Ein Autor sollte diese „Komplikationen“ einer Mittlerstellung im Auge behalten.

Und wie überall, gibt es auch hier „schwarze Schafe“. „Literaturagent“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung, jeder kann sich so nennen. Und manche Leute vermitteln auch einfach mal nebenbei ein Buch, ohne sich darin wirklich professionell aufzustellen. Ein Autor sollte sich also vorher eingehend über die Agentur / den „Agenten“ 😉 schlau machen, bevor er mit ihr / mit ihm einen Vertrag abschließt.

Was unterscheidet eine „gute“ von einer „schlechten“ Agentur?

Wenn Sie sich nach einer Agentur umsehen, achten Sie auf folgende Kriterien.

Eine gute Agentur

  • nimmt nicht jedes Buch an. Sie werden sich bei ihr genauso wie bei einem Verlag bewerben müssen.
  • deckt nicht alle Gattungen und Themen ab, sondern konzentriert sich auf mehrere Bereiche, in denen sie Knowhow und Kontakte aufbaut.
  • arbeitet nicht für bestimmte Verlage, sondern ist unabhängig und sucht für jeden Manuskriptvorschlag den dazu passenden Verlag.
  • nimmt im Voraus kein Geld (weder Pauschalhonorare, noch Bearbeitungsgebühren oder Lagergebühren), sondern ist nur im Erfolgsfall mit etwa 15 bis 20 Prozent an Ihren Honorareinnahmen beteiligt.
  • schließt keine „Knebelverträge“. Der Wahrnehmungsvertrag, den Sie mit der Agentur abschließen, sollte zeitlich befristet und auf ein einzelnes Werk begrenzt sein. Kommt es bei weiteren Büchern ebenfalls zur Zusammenarbeit mit der Agentur, müssen weitere Verträge abgeschlossen werden.
  • versucht nicht, Sie vom Verlag abzuriegeln, sondern fördert die Kommunikation aller drei Parteien.
  • handelt nicht über Ihren Kopf hinweg, sondern bezieht Sie in alle Angelegenheiten mit ein.
  • streicht Ihnen keinen „Honig ums Maul“, um Sie womöglich zu überteuerten Gebühren zu veranlassen, sondern ist an einem möglichst guten Buch interessiert, das sich möglichst gut verkaufen lässt. Zu diesem Zweck arbeitet sie mit Ihnen an Ihren Büchern und übt auch konstruktive Kritik.
  • verlangt kein kostenpflichtiges oder gar überteuertes Lektorat, um Ihr Buch erst mal „vermittlungsfähig“ zu machen. Manche Agenturen arbeiten zwar mit entsprechenden Dienstleistern zusammen und empfehlen diese ggf. weiter. Doch es bleibt Ihre Sache, ob Sie diese beauftragen wollen oder nicht.

Manche Agenturen überwachen zudem die Verkaufszahlen und Autorenhonorare und melden sich bei Unstimmigkeiten bei Ihnen. Andere kümmern sich ggf. auch um die Vertretung Ihrer Rechte und Lizenzen im In- und Ausland.

Wie findet man eine gute Agentur?

Sind Sie nach all dem Genannten einer Agentur zumindest nicht abgeneigt? Dann sollten Sie möglichst frühzeitig auf eine zugehen, nicht erst, wenn Sie es auf eigene Faust bei diversen Verlagen versucht und eine Absage bekommen haben. Zum einen braucht ein Agent bei diesen Verlagen nicht mehr anzuklopfen, und sei das Manuskript auch verbessert worden. Zum anderen nimmt niemand gern den „Ausschuss“, den andere nicht haben wollen. Eine Agentur lebt nicht zuletzt von dem Renommee, hochwertige, exklusive Ware anbieten zu können.

Sie könnten mit dem Internet starten und die Suchmaschinen nutzen. Auch Ratgeber wie das Autoren-Handbuch des Uschtrin-Verlags (Partner-Link zu amazon, kleine Umsatzbeteiligung für mich) listen diverse Agenturen auf. Hier finden Sie weitere Nennungen:

Schauen Sie, welche Agentur sich worauf spezialisiert hat. Sie können auch gleich mit entsprechenden Keywords suchen. Die meisten Agenturen im deutschsprachigen Raum konzentrieren sich auf Belletristik. Manche haben sich auf Ratgeber und Sachbücher ausgerichtet. Und manche bedienen beides und haben sich verschiedenen Themen oder Zielgruppen zugewandt.

Studieren Sie deren Angaben und / oder Webseiten. Passt das Profil? Spricht Sie die Aufmachung an? Sieht das Ganze „seriös“, professionell aus, ist es Ihnen sympathisch? Werden vertretene Autoren, Verlage oder andere Referenzen genannt? Werden Leistungen und Konditionen genannt?

Haben Sie einen guten Eindruck gewonnen? Dann fragen Sie kurz telefonisch bei der Agentur nach, ob diese Interesse an Ihrem Projekt hat. Ist die Agentur grundsätzlich interessiert, gehen Sie tiefer in die Einzelheiten. Die Literaturagenten Oliver Gorus und Jörg-Achim Zoll haben in ihrem Buch „Erfolgreich Sachbuchautor werden“ einmal aufgelistet, was Agenten und Autoren voneinander wissen können wollen und / oder sollten.

Fragen des Autors an die Agentur:

Fragen Sie die Agentur zum Beispiel

* über welche Erfahrung sie mit Buchprojekten wie Ihrem verfügt
* wie hoch die Provision der Agentur ist und ob sie sonstige Gebühren verlangt
* ob die von ihnen betreuten Autoren einen Vorschuss von den Verlagen bekommen
* ob sie mit bestimmten Verlagen und wenn ja, mit welchen öfter zusammenarbeitet
* ob die Agentur Sie über ihre Vermittlungsversuche auf dem Laufenden hält
* ob sie Ihnen bei mehreren Angeboten beratend zur Seite steht
* ob sie die Vertragsverhandlungen übernimmt
* ob sie die Honorarverwaltung übernimmt.

Und nicht zuletzt natürlich, welche weiteren Angaben sie von Ihnen braucht, um Ihr Buchprojekt zu prüfen, bzw. wann Sie mit einer Entscheidung rechnen können.

Fragen der Agentur an den Autor:

Stellen Sie sich darauf ein, dass die Agentur von Ihnen zum Beispiel wissen will

* welche Erfahrungen Sie als Autor haben
* welche Ziele Sie mit Ihrem Buch verfolgen
* ob Sie Ihr Buch schon selbst Verlagen angeboten haben
* wie weit Ihr Manuskript schon gediehen ist und bis wann Sie es fertigstellen können
* ob Sie ein Exposé / eine Beschreibung und einen Probetext für die Agentur haben
* welche Erwartungen Sie an die Agentur haben.

Zudem kann es auch Fragen zu Ihrer Person geben, denn letzten Endes „verkauft“ man nicht nur das Buch, sondern auch dessen Autor.

Achten Sie darauf, was die Agentur für Sie leisten kann und will. Lassen Sie sich erklären, wie sie vorzugehen beabsichtigt. Prüfen Sie alles sorgfältig. Lassen Sie ggf. den Wahrnehmungsvertrag von einem entsprechend spezialisierten Anwalt oder einem Autorenverband gegenlesen. Hören Sie auf Ihren Bauch.

Jo, und dann kann man Ihnen eigentlich nur noch eine gute Zusammenarbeit mit der Agentur und viel Erfolg mit Ihren Büchern wünschen. 🙂

Lesetipp:

Literatur:

© 2014 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 30.06.14