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So gestalten Sie eine Manuskriptseite

Wenn Sie für einen Verlag schreiben, reicht es oft aus, den Text nur sparsam zu formatieren. Doch wenn Sie Ihr Buch oder eBook im Selbstverlag herausgeben, sind Sie selbst für sein Erscheinungsbild verantwortlich. Dafür gibt es fertige Formatvorlagen. Sie können Ihre Manuskriptseiten aber auch selbst gestalten – zum Beispiel so.

Manchmal werde ich gefragt: Wie viele Seiten darf oder soll ein Buch haben? Oder: Was ist die sogenannte Normseite? Oder: Wie sieht eigentlich eine Manuskriptseite aus? Oder noch direkter: Wie hast Du denn Deine Bücher formatiert? Oder ich sehe ein Buch-Manuskript im Coaching und denke: Mmh, man könnte noch ein wenig am Layout feilen.

Nun, ein Buch darf / soll so viele Seiten haben, wie Zielgruppe, Thema und Konzept hergeben beziehungsweise erfordern und wie Verlag und / oder Druckkosten erlauben. Wie ich meine eigenen Bücher formatiert habe, können Sie sehen, wenn Sie sie kaufen. 😉 (Einen ersten Eindruck geben schon die Leseproben.) Und den Rest der Fragen beantworte ich hier.

I. Die Anfänge: Die Normseite oder die Normalseite

Die sogenannte Normseite stammt aus der Zeit, als man seine Texte noch mit der Schreibmaschine schrieb und eine einheitliche Bemessungsgrundlage brauchte. Noch heute berechnen sich zum Beispiel teilweise die Honorare von Textern, Lektoren und Co. nach ihr. Und noch heute gibt man bei Verlagen den Umfang seines Manuskripts oft in Normseiten an.

Gedacht ist sie als fiktive Größe von 30 Zeilen à 60 Anschlägen, also 1800 Zeichen pro Seite. Es werden alle Zeichen gezählt, auch die Leerzeichen.

Die Realität sieht allerdings oft anders aus. Eine Seite besteht nicht aus einem starren Block von 1800 gleichgestalteten Zeichen. Sie enthält Absätze, Überschriften, Dialoge, Leerzeilen oder halbvolle Zeilen. Es beginnen neue Kapitel. Der Zeilenabstand variiert. Und nicht zuletzt bestimmt die Schriftart das Schriftbild und die Anschläge.

Wenn Sie mit einem Textverarbeitungsprogramm Ihre Zeichen zählen lassen und diese durch 1800 teilen, enthalten Ihre (fiktiven) Normseiten deshalb mehr Text als es Ihre (realen) Seiten in Wirklichkeit tun. Deshalb wird eine Normseite mittlerweile auch teils mit 1500 oder 1650 Zeichen angegeben.

Im Internet finden Sie Anleitungen oder Vorlagen, wie Sie eine Normseite erstellen; zum Beispiel beim literaturcafe.de.

Bitte beachten Sie: Eine Normseite ist, wie gesagt, oft nur eine fiktive Größe und Berechnungsgrundlage. Manchmal wünschen auch Verlage ein Manuskript in Form von Normseiten. Doch wenn Sie selbst ein Buch oder eBook veröffentlichen, müssen Sie dieses so gestalten, wie man es anschließend lesen können soll.

II. Schreiben für Verlage: Das Manuskript „ohne alles“

Als Manuskripte noch in Papierform auf die Schreibtische der Verlage flatterten, machte es Sinn, die Manuskriptseiten

* nur einseitig zu beschreiben und die Rückseite leer zu lassen (kann man besser lesen)
* mit einem relativ großen Zeilenabstand zu versehen (kann man besser korrigieren)
* mit Name und Anschrift des Verfassers zu beschriften (falls mal was verlorengeht)
* mit Copyright-Hinweis auszustatten (schreckt vielleicht ein wenig vor Klau ab)
* ordentlich zusammenzuheften (ist besser lesbar, weniger geht verloren)
* und nie, nie, nie im (einzigen) Original zu schicken. 😉

(Tipps nach Kristiane Allert-Wybranietz, Literaturangabe siehe unten.)

Nach und nach gingen auch die Verlage zunehmend zur elektronischen Form über. Doch im Gegensatz zu den Selbstverlegern müssen Sie sich hier eher selten den Kopf über Formatierungen zerbrechen.

Oft interessiert die Verlage nur der reine Text. Die Spielereien, die Ihr Textprogramm hergibt, können Sie sich sparen. Jeder Verlag hat sein eigenes Erscheinungsbild, seine Vorlagen, seine Technik. Formatierungen, die Sie liebevoll setzen, Bilder, die Sie einpflegen, muss der Verlag in dem Fall nur mühsam rückgängig machen.

Fragen Sie ggf. selbst nach, was die Verlage von Ihnen wollen. Viele Verlage haben zu dem Zweck auch Autorenrichtlinien, Merkblätter oder Ähnliches.

Reicht die Minimal-Version, dann schicken Sie nur den reinen Text raus. Machen Sie durch Zeilenschaltung auf Absätze aufmerksam. Geben Sie, zum Beispiel durch Kürzel oder Markierungen in einem Ausdruck Ihres Manuskripts, an, wo es sich um eine Überschrift (welcher Ordnung / Größe), Hervorhebungen, Zitate, Listen und so weiter handelt. Hängen Sie Abbildungen in der Originalversion an, geben Sie ihnen „Legenden“ (nummerierte Über- oder Unterschriften) und verzeichnen Sie sie in einer Abbildungsliste. Weisen Sie ggf. noch darauf hin, wo Rechte fremder Abbildungen oder Texte geklärt werden müssen. Das war’s.

Alles andere können Sie sich in dem Fall sparen. Wichtig wäre nur, dass Sie Ihre einmal gewählte Gestaltungsstruktur konsequent beibehalten.

Haben die Verlage weitere Wünsche, halten Sie sich an diese. Kommen Sie bei einem Verlag unter, bei dem Sie aus Kostengründen Layout und Satz selbst übernehmen müssen, gelten für Sie die Tipps des nächsten Abschnitts „Schreiben für Selbstverlage“.

III. Schreiben für Selbstverlage: Jetzt dürfen Sie ran

Wenn Sie Ihre Bücher im Selbstverlag herausgeben, sind Sie dafür zuständig, dass man diese gut lesen kann. Sie können dafür die Formatvorlagen von Druckanbietern nutzen. Sie können Dienstleister einschalten. Wenn Sie ein gutes Auge haben, können Sie es, wie ich, aber auch selbst machen. Da meine Bücher sehr schlicht sind, reicht mir dafür ein Textprogramm wie Word. Für Bilder, Grafiken und so fort gibt es ebenfalls entsprechende Programme.

Allgemeine Tipps

Wichtig ist auch hier wieder: Behalten Sie die einmal gewählte Gestaltungsstruktur konsequent bei. Werfen Sie nicht diverse Schriftarten, -größen, Farben, Auszeichnungen und mehr wild durcheinander. Der Leser sollte sich auf den Text konzentrieren können, nicht durch eine ständig wechselnde Gestaltung abgelenkt werden.

Achten Sie im Idealfall auch auf eine einheitliche Schreibweise. Entscheiden Sie sich, wie Sie Abkürzungen, Fremdwörter, Zahlen schreiben, ob Sie etwas groß oder klein, getrennt oder zusammen schreiben wollen und so weiter.

Im letzten Jahr habe ich alle meine Bücher mit einem neuen Layout versehen. Zwei Monate habe ich neben meiner Tagesarbeit geschwitzt und geackert. Dabei hat mir eine klare Vorlage geholfen, bei der ich genau festgelegt habe, wie alles aussehen soll. Der Rest war reine Fleißarbeit.

Tipp: Wenn Sie, wie ich, diese Gestaltungsstruktur auf alle Ihre Bücher anwenden, sorgen Sie überdies für einen guten Wiedererkennungseffekt. Da ich das Layout meiner Bücher dem Layout meiner Webseite angepasst habe, schaffe ich damit zudem eine Art „Hausmarke“, ein „Corporate Design“ und eine „Corporate Identity“.

Ihr oberstes Gebot sollte es sein, dass man Ihre Bücher so gut wie möglich lesen kann. Alles andere ist oft Geschmacksfrage. Sie können auch überlegen, ob Sie mit der Gestaltung etwas „aussagen“, bestimmte Zielgruppen ansprechen oder Themen grafisch umsetzen wollen.

Der Satzspiegel

Der Satzspiegel ist der Bereich, der nach Abzug der Seitenränder wirklich bedruckt wird. Hier habe ich den sogenannten Bund anfangs zu schmal gewählt, also die inneren Seitenränder, die beim gedruckten Buch zum Buchrücken zusammengefasst werden.

Achten Sie in diesem Sinne darauf, dass

* die inneren Seitenränder nicht zu schmal ausfallen
* die äußeren Seitenränder breiter sind als die inneren (das Buch wird hier gehalten)
* ggf. auch die unteren Seitenränder breiter sind als die oberen (für denselben Zweck).

Ich musste auch erst lernen, „in Buchform“ (also mit zwei gegenüberliegenden Seiten) zu denken. Ein gedrucktes Buch ist kein eBook, keine Datei.

Zum Beispiel werden Ihre Seitenzahlen einmal links und einmal rechts ausgerichtet. Dabei hat es sich eingebürgert, dass die linken Seiten immer „gerade“ und die rechten Seiten immer „ungerade“ sind. Es hat sich ebenfalls eingebürgert, die Seitenzahlen an den äußeren Rand zu setzen, entweder in der Kopf- oder in der Fußzeile. Mittige Seitenzahlen gibt es oft eher bei Lyrik, Geschenkbüchern und so fort. Den Rest von Kopf- und Fußzeile können Sie für zusätzliche Informationen wie Autor, Buchtitel oder Kapitel nutzen.

Die Aufteilung der Seite

Viele Bücher sind für meinen Geschmack relativ „dicht“ beschrieben und gedruckt. Zum Beispiel erkennt man einen neuen Absatz oft nur daran, dass seine erste Zeile eingerückt ist. Leerzeilen, (Zwischen-) Überschriften, Hervorhebungen und andere Strukturelemente sind eher selten.

Bei Romanen, die man gemütlich auf dem Sofa liest, ist das nicht so dramatisch wie zum Beispiel bei Internettexten, bei denen das Auge ohne „Führung“ schnell ermüdet. Doch zumindest bei Fachbüchern, Sachbüchern oder Trainingsbüchern wie den meinen würde ich mich freuen, wenn der Text nicht einfach mehr oder weniger ineinander übergeht. Dann fällt es mir leichter, dem Autor gedanklich zu folgen und das neue Wissen in mich aufzunehmen.

Ralf Plenz (Literaturangabe siehe unten) gibt in seinem Buch ein paar Tipps dafür, wie man eine Manuskriptseite „ästhetischer“ gestalten kann. Ihm zufolge sollten

* die Satzspiegel zweier nebeneinander liegender Seiten auf gleicher Höhe abschließen
* Abbildungen / wichtige Elemente einer Seite am oberen äußeren Rand liegen
* Überschriften ebenfalls eher im oberen Teil einer Seite liegen
* in den letzten fünf Zeilen einer Seite keine neuen Überschriften beginnen
* regelmäßige Elemente wie Kopfzeile oder Seitenzahl stets an derselben Stelle stehen.

Gerade bei Trainingsbüchern wie meinen lässt sich das nicht immer durchhalten. Dafür habe ich zu wenig Fließtext und zu viele neue Absätze / Unterkapitel, Aufzählungen, Übungen und so fort. Nehmen Sie als Grundregel vielleicht einfach mit: So „ästhetisch“ wie möglich.

Ich habe allerdings sehr wohl darauf geachtet, ein ganz neues Kapitel oder eine neue Lektion immer auf einer neuen Seite zu beginnen. Einen völlig neuen Buchabschnitt können Sie auch dadurch andeuten, dass Sie damit erst auf der nächsten freien rechten Seite starten.

Und ich habe mich um die sogenannten „Schusterjungen“ und „Hurenkinder“ gekümmert. 😉

Einen „Schusterjungen“ nennt man es, wenn am Ende einer Seite noch ein neuer Absatz mit einer ersten Zeile beginnt. „Hurenkinder“ nennt man es, wenn am Anfang einer Seite ein alter Absatz mit seiner letzten Zeile endet. Das sieht optisch nicht so gut aus. Und es wäre ein Service für den Leser, ihm mehr Informationen als nur eine einzelne, abgebrochene Zeile mitzugeben. Schauen Sie mal, ob Sie hier ein wenig mit Text und Layout „spielen“ können.

Die Schrift

Auch die Schrift trägt viel zum Erscheinungsbild Ihres Manuskripts bei. Mittlerweile können Sie unter buchstäblich hunderten verschiedenen Schriften wählen. Achten Sie wieder darauf, welche Schriften gut lesbar sind, mit Ihrem übrigen Layout harmonieren und gegebenenfalls noch zu Ihnen / Ihrem Unternehmen, Ihrer „Philosophie“, Ihrem Stil, Ihrem Thema oder Ihrer Zielgruppe passen. Und natürlich auch, welche Ihnen gefallen, ganz einfach. 😉 Wenn Ihre „Aussage“ mit Ihrem Geschmack übereinstimmt, reicht das oft schon aus. (Corporate Design)

Von Schreibschriften, Symbolschriften und Ähnlichem abgesehen werden für Sie zwei große „Schriftfamilien“ in Frage kommen: Die Serifenschriften und die serifenlosen Schriften.

Serifen sind die „Füßchen“ an den An- und Abstrichen der Schriftzeichen. Sie sollen das Auge leiten und die Schrift lesbarer machen.

Für gedruckte Bücher werden eher diese Serifenschriften empfohlen. Bei elektronischen Texten kann man oft die serifenlosen Schriften besser lesen. Forschungsergebnissen zufolge soll der Vorteil von Serifenschriften bei langen Drucktexten allerdings recht gering sein.

Ich selbst nutze sowohl bei gedruckten als auch bei elektronischen Texten gern gut lesbare serifenlose Schriften wie Calibri oder Verdana, daneben auch Arial oder Helvetica. Ich finde das angenehmer zu lesen als klassische Serifenschriften wie Times (New) Roman. Doch das ist, wie vieles, sicher auch Geschmacksfrage.

Achten Sie allenfalls darauf, dass Ihre Schrift auch vom Drucker gut gedruckt und von elektronischen Readern gut angezeigt werden kann. Und achten Sie darauf, nur sehr wenige Schriftarten zu mischen. (Ich selbst gebrauche zum Beispiel eine einzige in unterschiedlicher Größe.) Alles, was das Erscheinungsbild Ihres Manuskripts „unruhig“ werden lässt, kann den Leser von Konzentration und Lesevergnügen abbringen.

Das Schriftbild

„Ästhetischer“ und „ruhiger“ sieht Ihre Seite auch aus, wenn Sie sie im einheitlichen Blocksatz gestalten. Den sogenannten „Flattersatz“, bei dem jede Zeile von unterschiedlicher Länge ist, würde ich auf Überschriften, Aufzählungen, Bildunterschriften (Legenden) und Ähnliches beschränken.

Achten Sie auf eine gute, korrekte Silbentrennung. Damit vermeiden Sie „Löcher im Text“.

(Achtung: Setzen Sie diese am besten nur im äußersten Notfall von Hand. Ich habe die erste Version meiner Bücher noch mit einem alten Word ohne automatische Silbentrennung geschrieben. Als ich dann das Layout überarbeitet habe, hatte ich zu kämpfen, um all die manuellen, jetzt an falschen Stellen befindlichen Trennstriche wieder aufzuheben. Noch immer stoße ich auf überflüssige Worttrennungen, die ich bei dieser Überarbeitung übersehen habe. Das wird Ihnen garantiert auch passieren, wenn ein Verlag Ihre manuelle Silbentrennung in sein eigenes Layout umformatieren wollen sollte.)

Und zu guter Letzt: Seien Sie überdies vorsichtig und sparsam mit sonstigen Hervorhebungen und Markierungen im Text. Auch hier gilt: Je mehr Gestaltungselemente Ihre Seite hat, desto unruhiger wirkt sie. Und desto mühsamer wird es, sie zu lesen.

Lesetipp:

„Das Auge liest mit: Tipps für ein gutes Layout“

Literaturtipps:

* Kristiane Allert-Wybranietz, Wie finde ich den richtigen Verlag

* Klaus Reinhard, Vom Wissen zum Buch. Fach- und Sachbücher schreiben.

* Manfred Plinke, Mini-Verlag. Selbstverlag, Publishing on Demand, Verlagsgründung, Buchherstellung, Buchmarketing, Buchhandel, Direktvertrieb

* Ralf Plentz, Verlagsgründung. Wie mache ich mich mit einem Verlag selbstständig? (Partner-Link zu amazon, kleine Umsatzbeteiligung für mich)

© 2014 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 08.09.14