Bleiben Sie auf dem Laufenden:  
Schon über 500 Artikel und PDFs  
Newsletter lesen »   



Auswendiglernen mit Mnemotechniken

Manchmal reicht es nicht aus, „zu wissen, wo etwas steht“, oder neues Wissen verstehen und anwenden zu können. Manchmal müssen Sie „stumpf pauken“ und Informationen auswendig lernen. Dabei können Ihnen die sogenannten Mnemotechniken wertvolle Hilfe leisten.

Was sind Mnemotechniken?

Der Begriff „Mnemotechniken“ steht für eine Gruppe von Methoden, mit denen Sie sich Informationen besser einprägen. Diese Techniken wurden schon in der Antike benutzt, daher stammt auch der Name. (Mnemos oder mneme = altgriechisch für Gedächtnis, Erinnerung.)

Wie funktionieren diese Techniken?

In unserem Gehirn ist alles miteinander verbunden: Informationen, Emotionen, Wahrnehmungen und Erinnerungen. Wenn Sie diese „Informationsknäuel“ an einer Stelle anticken, werden Sie an anderer Stelle eine Reaktion bekommen. Gesteuert wird die Reaktion durch die sogenannten Assoziationen. Assoziationen sind die Verknüpfungen, die Ihr Gehirn bewusst oder unbewusst zwischen zwei oder mehreren „Informationseinheiten“ herstellt.

Ein Beispiel: Sie laufen im Herbst durch das herabgefallene Laub der Bäume und Ihnen fällt dazu ein, wie Sie als Kind lachend durch solche Laubhaufen gestürmt sind. Oder: Sie stellen spontan Verbindungen zwischen Gegensatzpaaren wie Sommer und Winter, heiß und kalt, schwarz und weiß her.

Mit Hilfe solcher Verknüpfungen können Sie sich auch neues Wissen besser merken. Dabei setzen Sie Assoziationen gezielt ein, um Informationen besser abzuspeichern und abzurufen.

Die Mnemotechniken nutzen diese Eigenschaft des Gehirns und

  • verknüpfen zwei Informationen miteinander
  • verknüpfen mehrere Informationen zu einem „Band“ miteinander
  • verknüpfen mehrere Informationen zu einer „Struktur“ miteinander
  • verknüpfen neues Wissen mit schon vorhandenen älteren „Informationen“
  • verknüpfen neues Wissen mit räumlich-visueller(m) Wahrnehmung / Denken
  • beteiligen mehrere Sinne und damit „Assoziationslieferanten“ am Lernen
  • bringen Alltagserfahrung und Farbe in „graue Lernaufgaben“

Eine Auswahl gängiger Mnemotechniken

1. Eine einfache Verknüpfung herstellen

Kennen Sie den Knoten im Taschentuch? Das ist so eine einfache Verknüpfung. Sie wollen sich an etwas erinnern und machen sich dazu einen Knoten ins Taschentuch. (Oder Sie stellen sich einen Wecker, binden sich ein Gummiband um oder Ähnliches mehr.) Wenn Sie den Knoten berühren oder der Wecker bimmelt, weiß Ihr Gehirn: Aha, jetzt ist das und das gefragt.

Diese Technik hilft Ihnen, wenn Sie sich zum Beispiel Vorhaben und Aktivitäten merken wollen. Sie können sie aber auch nutzen, wenn Ihnen beispielsweise unterwegs beim Laufen eine neue Idee für Ihr Buch kommen sollte: Einfach einen Knoten ins Schuhband machen und beim Ausziehen wird Ihnen meist auch die Idee wieder einfallen.

2. Eine Eselsbrücke bauen I (Zahlen mit Buchstaben verknüpfen)

Oder kennen Sie die aus Wörtern bestehenden Telefonnummern? Die waren eine Zeitlang ziemlich beliebt und sollten den Leuten helfen, sich eine Telefonnummer leichter zu merken. Dazu wählte man die Zahlen einer Telefonnummer nach einer einprägsamen Buchstaben-Kombination auf dem Zahlen- / Buchstabenblock eines Telefons aus.

Haben Sie eine Idee, wie Sie so etwas in Ihrem Alltag praktisch nutzen können?

3. Eine Eselsbrücke bauen II (Informationen mit Klang / Reim / Geschichte verknüpfen)

Kennen Sie solche „Knüttelverse“ wie

  • 753 – Rom schlüpft aus dem Ei
  • 333 – Bei Issos Keilerei?

Die haben ganzen Generationen von Schülern geholfen, sich Geschichtsdaten einzuprägen. Sie verknüpfen hier eine (Jahres-) Zahl und ein dahintersteckendes Ereignis mit einem ähnlichen Klang (drei – Ei), einem Reim, einer kleinen Geschichte. („Rom schlüpft aus dem Ei“: Anschaulich für die Gründung des antiken Rom. „Bei Issos Keilerei“: Anschaulich für die Schlacht von Alexander dem Großen gegen den Perserkönig Dareios III.)

4. Eine Eselsbrücke bauen III (Informationen mit Rhythmus / Reim / Struktur verknüpfen)

Ein ganzer „Merkvers“ lautet zum Beispiel

„Isar, Iller, Lech und Inn
Führen zu der Donau hin.
Altmühl, Naab und Regen
Fließen ihr entgegen.“

Dahinter stecken die Nebenflüsse der Donau und die Reihenfolge ihres Zuflusses. Sie merken sich das Ganze wieder über Rhythmus, Reim und hier die Struktur der Reihenfolge.

Nebenbei: Wenn Sie solche Eselsbrücken selbst herstellen, merken Sie sich das Ganze auch besser durch Ihre aktive Auseinandersetzung mit dem Stoff.

5. Informationen künstlich mit Geschichten verknüpfen

Die Nebenflüsse der Donau deuten schon darauf hin, dass man Informationen durch Struktur und innere Logik verknüpfen kann. Man kann aber auch beliebige, nicht zusammengehörige Informationen durch eine „künstlich“ um sie herum gestrickte Geschichte verbinden. Diese Technik eignet sich vor allem für Wörter und Listen von Wörtern. Bringen Sie die Stichworte in der Geschichte unter und lassen Sie Ihrer Fantasie für den Rest freien Lauf.

Beispiel: Stricken Sie eine Geschichte um die Namen und Daten diverser Komponisten herum.

6. Zahlen künstlich mit Geschichten verknüpfen

Sie können auch Zahlen, Telefonnummern (wie oben), Formeln mit einer Geschichte verknüpfen. Dazu verbinden Sie die Zahlen dieses Mal mit „Bildern“. (Gegenstände, Tiere und anderes mehr.) Und um diese Bilder herum stricken Sie wieder eine Geschichte.

Beispiel: Sie wollen sich die Telefonnummer 578942 merken. 57 verknüpfen Sie mit Vogel, 89 mit Ente und 42 mit Schiff. Alles zusammen ergibt dann zum Beispiel einen Vogel mit einer Ente und einem Schiff auf einem See.

Ich persönlich finde solche Erinnerungshilfen eher mühsam. Doch schauen Sie selbst, ob Ihnen so etwas liegt. Eine Alternative, die mir besser gefällt, zeige ich Ihnen jetzt.

7. Zahlen künstlich mit Bewegungsmustern verknüpfen

So, diese „Zahlen-Variante“ sagt mir mehr zu: Verknüpfen Sie Zahlen mit Bewegungsmustern oder mit Zeichen / Symbolen / Buchstaben, die sich aus solchen Bewegungsmustern ergeben. Diese Technik können Sie zum Beispiel bei Telefonnummern, PIN-Codes und allem anwenden, wofür Sie eine Eingabetastatur brauchen. Achtung: Die Abfolge der Zahlen (zum Beispiel auf den Tastaturen der Bankautomaten) sollte immer die gleiche sein. Sonst kann Ihr schönes Muster irgendwann ins Leere laufen. 😉

Beispiel: Sie wollen sich die Zahlen 8 – 9 – 5 – 6 merken. Bei meiner Computer-Tastatur ist das ein Quadrat in der rechten oberen Ecke. Oder: Sie wollen sich die Zahlen 4 – 5 – 6 – 3 merken. Bei meiner Computer-Tastatur ist das ein gekipptes L oder auch erst ein Strich nach rechts, und dann ein Strich nach unten.

8. Loci-Technik (Informationen mit Raum verknüpfen)

Bewegung und Raum können Ihnen auch helfen, sich sehr umfangreiche Informationen zu merken: Mit der sogenannten Loci-Technik. Der Begriff stammt vom lateinischen locus = Ort oder Platz. Und aus der Antike sind auch die ersten Beispiele für die Anwendung der Loci-Technik bekannt.

So soll zum Beispiel der römische Politiker und Redner Marcus Tullius Cicero sich die Gegebenheiten eines bestimmten römischen Tempels sehr sorgfältig eingeprägt haben. Bestimmte Abschnitte seiner Reden „deponierte“ er dann gedanklich in Ecken, auf Statuen und anderen baulichen Details dieses Tempels. Abschnitt A vielleicht auf der ersten Eingangsstufe, Abschnitt B vielleicht auf dem Schuh der im Eingang stehenden Statue und so fort.

Um sich an die Einzelheiten seiner Rede zu erinnern, ging er in Gedanken diesen Rundweg ab, stellte ihn sich so genau wie möglich vor. Bei der ersten Eingangsstufe fiel ihm dann Abschnitt A ein, bei der im Eingang stehenden Statue Abschnitt B und dergleichen mehr.

Nach dem gleichen Prinzip sollen übrigens heute Schauspieler ihre Rollen lernen: Sie gehen gedanklich und ganz tatsächlich ihren jeweiligen Platz und die jeweilige Situation auf der Bühne ab und verknüpfen diese mit dem dazu passenden Text.

Dahinter stecken drei Lernprinzipien:

  • Das Neue wird mit dem schon Bekannten verknüpft. (Die aktuelle Rede wird mit den schon geläufigen Einzelheiten des Tempels verknüpft.)
  • Ein bestimmter Auslöser / eine Situation / ein Ort löst assoziativ eine damit verbundene Erinnerung oder ein damit verbundenes Gefühl aus. (Bestimmte Einzelheiten des Tempels lösen die Erinnerung an damit verbundene Redeteile aus.)
  • Sie sprechen mehrere Sinne und das visuelle Denken an.

Übrigens können Sie Ihren Lernstoff auch wortwörtlich räumlich deponieren. Legen Sie zum Beispiel einzelne Vokabelkarten oder thematische Stichpunktsammlungen in Ihrer Wohnung aus und rufen Sie sich diese wieder in Erinnerung, indem Sie gedanklich Raum für Raum durch die Wohnung wandern.

Sie können diese Technik für Aufzählungen und Reihenfolgen wie Geschichtszahlen, Vokabeln oder wissenschaftliche Fachbegriffe nutzen. Sie funktioniert aber, wie Sie beim Beispiel Ciceros gesehen haben, auch mit Reden, Vorträgen und anderen längeren, Abschnitt für Abschnitt abgehandelten Texten.

9. Informationen räumlich-visuell zu „Wissens-Karten“ verknüpfen

Gut, und jetzt verrate ich Ihnen noch meinen absoluten Lieblingsknüller und die Art und Weise, mit der ich dicke Aktenordner mühelos auswendig gelernt habe. Sie verknüpfen dazu räumlich-visuelles Denken mit sorgfältig auf den Kern reduzierten Informationen. So geht’s.

Bringen Sie zunächst das neue Wissen auf den Punkt, werfen Sie allen überflüssigen Ballast über Bord. Je sorgfältiger Sie hier arbeiten, desto leichter werden Sie es anschließend haben.

Ordnen Sie die übrig bleibenden „Wissens-Stichpunkte“ zum Beispiel auf einem DIN-A4-Blatt an. Nutzen Sie die Ecken, die Ränder, verteilen Sie alles schön. Überall kommt ein „Wissens-Punkt“ hin. Prägen Sie sich anschließend das DIN-A4-Blatt als Bild ein. Können Sie es in seiner Gesamtheit vor Ihrem geistigen Auge sehen?

Wandern Sie nun mit Ihrer Aufmerksamkeit von Ecke zu Ecke. Überall werden Sie einen „Wissens-Punkt“ wiederfinden, den Sie anschließend weiter bearbeiten können. Statt vieler, vieler Texte mit zig Daten, Fakten, Zahlen haben Sie so nur eine überschaubare Anzahl von „Wissens-Bildern“ vor Augen. Eine extreme Entlastung für Ihr Gedächtnis.

Fans von Mind Mapping können das Ganze natürlich auch mit einer Mind Map nachahmen. Diese Methode war mir vor zwanzig Jahren noch nicht bekannt. Mehr zum Mind Mappen lesen Sie zum Beispiel hier: „Sechs Tipps, wie Sie mit Mind Mapping besser lernen“

Nutzen und Grenzen von Mnemotechniken

Der Nutzen

Um eines vorwegzuschicken: Mnemotechniken helfen Ihnen nicht, neues Wissen besser zu verstehen, zu strukturieren, zu verarbeiten, zu verinnerlichen und anwenden zu können. Sie haben also nichts mit dem „normalen, klassischen“ Lernen zu tun.

Es sind „Gedächtnisbrücken“. Sie helfen Ihnen, Wissen, das Sie auswendig lernen und „stumpf pauken“ müssen, besser in den Kopf zu bekommen. Oft gilt das auch für Wissen, dem die inneren Zusammenhänge und Strukturen fehlen. Dazu gehören zum Beispiel die erwähnten Geschichtszahlen, Vokabeln, wissenschaftliche Fachbegriffe, Zahlenkolonnen oder PIN-Codes. Sie helfen auch, sich Reden, Vorträge und Vergleichbares besser zu merken.

Die Grenzen

Ich persönlich finde etliche Mnemotechniken eher mühsam anzuwenden; sie haben einen relativ hohen „Anfangsaufwand“. Bis ich mir etwa Bilder, Buchstaben oder Geschichten zu einer Reihe von Zahlen ausgedacht habe, lerne ich diese lieber in Form von Blöcken. Zudem würde ich bei etlichen Anlässen immer eher zu einem Hilfsmittel greifen, statt mein Gedächtnis mit auswendig Gelerntem zu belasten. (Beispiel: Einkaufsliste schreiben statt die Einkäufe zu memorieren.) Oft reicht es überdies, wenn ich einfach weiß, wo ich etwas finden und nachschlagen kann. Und ich finde es grundsätzlich wichtiger, Wissen zu verstehen und anwenden zu können, statt es „nur“ auswendig zu lernen.

Das Fazit

Doch ich weiß auch, dass es genug Situationen gibt, in denen man um Auswendiglernen und Memorieren nicht herum kommt. Meine Prüfungsvorbereitungen mit Hilfe der erwähnten dicken Aktenordner sind ein Beispiel, Vokabeln oder PIN-Codes sind ein anderes. Und dann bin ich sehr froh, wenn ich mir die Arbeit mit Hilfe von Mnemotechniken erleichtern kann.

In diesem Sinne: Viel Erfolg beim Lernen. 😉

Literaturtipps

© 2014 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 08.11.14