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66 Ideen für neue Perspektiven

Gewohnheiten sind gut, weil sie Energie sparen helfen und uns davor bewahren, über jeden einzelnen Schritt nachdenken zu müssen. Da der Mensch ein Gewohnheitstier ist, fällt es uns aber auch schwer, aus festgefahrenen Denkmustern auszubrechen und neue Perspektiven zu entwickeln. Hier habe ich 66 Ideen, wie Sie flexibler werden, Ihren Spielraum erweitern, mehr Verständnis für Ihre Mitmenschen gewinnen und Grenzen im Denken überwinden.

Letztes Wochenende war ich bummeln in einer Nachbarstadt. Dort habe ich eine Postkarte gekauft, die mich anlachte, obwohl der Schriftzug auf den ersten Blick nur Unverständnis auslöste. Des Rätsels Lösung: Auf der Karte räkelte sich eine Katze. Sie lag auf dem Rücken und blickte nach oben. Und daneben stand etwas wie „man solle die Welt einfach mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten“. Doch im Kartenständer war die Karte – absichtlich oder unabsichtlich – verkehrt herum eingeordnet. Die Katze sah den Betrachter also direkt an – und der Rest stand unleserlich auf dem Kopf.

Kurz darauf sprach ich mit einer Freundin darüber, dass die aus Buch und Film so beliebten Happy Ends im wahren Leben eher selten sind und es dort stattdessen erheblicher öfter „zu Turbulenzen“ kommt. (Was natürlich der Grund dafür ist, dass sich so viele Menschen ein Happy End wünschen. Wir haben nun mal einen Drang nach runden, glatten Lösungen.) Daraufhin meinte meine Freundin, dass so etwas das Leben aber auch spannender machen könne.

Vor einigen Monaten rang eine Bekannte mit einer beruflich und privat sehr schwierigen Situation. Öfter hörte ich sie murmeln „wenn ich doch nur eine Idee hätte“. Nun, ich versuchte natürlich, ihr solche Ideen zu präsentieren, auch wenn diese letzten Endes nur meine eigenen Prioritäten und Sichtweisen wiedergeben konnten, und sie selbst einen völlig anderen Weg ging.

Alle drei Beispiele haben eines gemeinsam: Es geht um Perspektivwechsel, andere Blickwinkel, neue Sichtweisen. Und weil man so etwas immer mal im Leben gebrauchen kann, habe ich hier ein paar Tipps, wie Sie leichter die Sichtweise wechseln und neue Perspektiven sehen.

I. Tätigkeiten und Materielles

a) Anderes einbauen

(Bauen Sie hin und wieder etwas anderes in Ihren Alltag und Ihr Leben ein.)

  • Machen Sie Urlaub, verreisen Sie, fahren Sie ins Ausland.
  • Werden Sie Austauschschüler oder absolvieren Sie ein Auslandssemester.
  • Machen Sie für eine begrenzte Zeit den Job von jemand anderem. Tauschen Sie für eine Weile die Position in Ihrer Firma. Lernen Sie wie ein Trainee auch andere Bereiche in Ihrer Firma kennen.
  • Tauschen Sie für eine begrenzte Zeit die Wohnung mit jemand anderem. Passen Sie für eine Weile als „Housesitter“ auf die Wohnung eines anderen auf. Übernachten Sie einfach mal in einer Ferienwohnung, statt in den eigenen vier Wänden.
  • Benutzen Sie einen anderen Weg. Unterbrechen Sie eine Routine. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, regelmäßig das Andere zu pflegen.
  • Probieren Sie jedes Jahr etwas anderes aus: Schreiben Sie zum Beispiel ein Buch. Pilgern Sie. Arbeiten Sie vier Wochen auf einem Biobauernhof, und und.
  • Leisten Sie ein freiwilliges soziales Jahr. Oder gehen Sie in Elternzeit.

b) Neues beginnen

(Beginnen Sie hin und wieder etwas Neues in Ihrem Alltag oder Leben.)

  • Arbeiten Sie für sehr kurze Zeit in diversen Jobs, um Ihren Traumberuf zu finden. Wechseln Sie Beruf, Branche oder Arbeitgeber. Übernehmen Sie neue Aufgaben. Steigen Sie in Führungspositionen auf.
  • Machen Sie weitere Aus- oder Fortbildungen. Gehen Sie noch mal zur Uni. Beginnen Sie einen neuen Lebensabschnitt.
  • Gestalten Sie Ihre Wohnung immer wieder neu. Ziehen Sie in eine andere Wohnung oder eine neue Stadt.
  • Passen Sie Ihr soziales Umfeld ggf. Ihrer persönlichen Entwicklung an.
  • Probieren Sie neue Muster in bestehenden Beziehungen aus.
  • Gewöhnen Sie sich neue Gewohnheiten an.
  • Probieren Sie einfach mal was aus.

c) Unterschiedliches oder Gegensätze gleichzeitig betreiben

(Vereinen Sie verschiedene Dinge oder scheinbare Gegensätze.)

  • Kombinieren Sie zum Beispiel eine sitzende Bürotätigkeit mit einem Ehrenamt im Jugendsport, eine Karriere im Management mit einem sozialen Engagement oder unterschiedliche Standbeine in der Selbstständigkeit.

II. Menschen und Soziales

a) Rollen tauschen

(Tauschen Sie hin und wieder die Rollen für eine eigene Zusatz-Perspektive.)

  • Nehmen Sie neue Positionen in Ihrem Job ein. Steigen Sie zur Führungskraft auf. Werden Sie selbst zum Arbeitgeber.
  • Übernehmen Sie als Vater regelmäßig für einen Tag oder ein Wochenende die Kinder. (Immer noch eine Seltenheit für viele Väter.) Gehen Sie in Elternzeit.
  • Lesen Sie Autobiografien oder Biografien, oder sehen Sie entsprechende Filme. Schlüpfen Sie für eine Weile in die Haut eines anderen und lernen Sie aus dem Leben dieses Menschen.
  • Nehmen Sie an Tourismus-Führungen teil. Werden Sie zum Gast und Fremden in Ihrer eigenen Stadt.

b) Andere Quellen einbeziehen

(Fragen Sie hin und wieder andere für eine fremde Zusatz-Perspektive.)

  • Fragen Sie andere.
  • Schalten Sie Experten, Berater, Coaches, Therapeuten ein.
  • Pflegen Sie Ihr soziales Netzwerk. Besuchen Sie regelmäßig einen Stammtisch.
  • Machen Sie ein Brainstorming mit Freunden, Kunden oder Kollegen.
  • Besuchen Sie Fortbildungen, nutzen Sie diverse Medien.

III. Persönliches und Mentales

a) Denkweise ändern

(Versuchen Sie, Ihr Denken zu ändern und Ihre üblichen Sichtweisen zu sprengen.)

  • Üben Sie Yoga und seine Umkehrstellungen.
  • Pilgern Sie. Gehen Sie auf „Selbsterfahrungstrips“.
  • Entwickeln Sie sich weiter. Übernehmen Sie neue Posten, Verantwortungen usw.
  • Hinterfragen Sie sich immer wieder selbst. Bleiben Sie offen für neue Sichtweisen.
  • Wagen Sie Unkonventionelles und Tabubrüche. Sprengen Sie Gedanken und Erziehungsmuster wie „das macht man nicht“.
  • Staunen Sie. Nehmen Sie nichts für selbstverständlich. (Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, was das für ein Wunder ist, dass so völlig fremde Lebewesen wie Katzen mit uns zusammenleben? ;-))
  • Suchen Sie nicht, finden Sie. Lassen Sie dem Zufall Raum.

b) Kreativtechniken nutzen

(Nutzen Sie mentale Hilfsmittel, um neue Denkweisen zu fördern.)

  • Befragen Sie imaginäre Helden oder mentale Vorbilder. Fragen Sie sich: Wie würde er oder sie die Sache sehen? Was würde sie oder er tun?
  • Reframen Sie und bewerten Sie eine Situation oder Sache neu. So wird das Leben „spannend“ statt „chaotisch“, wie bei meinem Beispiel oben.
  • Übertragen Sie von A nach B. Zäumen Sie das Pferd von hinten auf. Suchen Sie nach anderen Denk- und Lösungswegen.

c) Vorgaben setzen

(Nutzen Sie mentale Hilfsmittel, um neue Denkweisen zu fördern.)

  • Greifen Sie zu künstlichen Begrenzungen (Twitter: nur 140 Zeichen), Mindestmengen (mind. 20 Minuten brainstormen oder 30 Ideen finden) und anderen Vorgaben, die Ihr Gehirn zwingen, über die gewohnten Gewässer hinauszugehen.
  • „Not macht erfinderisch“: Auch Druck, Zwang und von außen geschaffene Tatsachen zwingen Sie und Ihr Gehirn, neue Wege und Perspektiven zu suchen.

Je öfter Sie auf diesen Zwang verzichten können, desto besser.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Perspektivwechsel.

© 2015 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 09.02.15