Bleiben Sie auf dem Laufenden:  
Schon über 500 Artikel und PDFs  
Newsletter lesen »   



„Scanner“ nennt Barbara Sher Menschen, die an so vielem interessiert sind und so viele Träume haben, dass sie sich damit schon wieder im Weg stehen. Was macht man, wenn man nicht zu den erfolgs- und zielorientierten, hoch spezialisierten Menschen gehört, die die heutige Leistungsgesellschaft so sehr liebt? Shers Tipps zeigen, wie auch solche „Scanner“ glücklich werden; man kann die Tipps teils auch auf Kreative und Hochsensible übertragen.

Barbara Sher ist Karriereberaterin, sie hält Vorträge, leitet Workshops und hat mehrere Bücher veröffentlicht. Bekannt geworden ist sie durch ihr Buch „Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will“, zudem gilt sie als Erfinderin der Erfolgsteams.

Im vorliegenden Buch „Du musst dich nicht entscheiden …“ nimmt sie sich die Gruppe der „Scanner“ vor und zeigt ihnen, wie sie sich trotz ihres überbordenden Interesses an allem und jedem möglichst viele Träume und Wünsche erfüllen können. 😉

Mit „Scanner“ bezeichnet Sher Menschen, auf die zum Beispiel folgende Aussagen zutreffen:

  • „Ich fange alles an und bringe nichts zu Ende.“
  • „Ich kann mich für nichts wirklich entscheiden.“
  • „Ich habe Angst, ich könnte Besseres verpassen.“

Scanner haben viele beziehungsweise ständig neue Interessen, sind wissbegierig und neugierig. Sie lernen mit Begeisterung Neues und wollen in erster Linie Spaß haben statt äußeren Erfolg.

Sie fangen vieles an, beenden es aber nicht. Oder sie hantieren mit vielen Dingen gleichzeitig. Oder sie bringen es in einer Sache zur Meisterschaft, nur um sie dann hinzuwerfen und etwas Neues anzufangen. Oder sie sind wie gelähmt vor lauter Interessantem und fangen deshalb gar nichts an. Oder sie möchten Diverses gleichzeitig, haben aber keine Ahnung, wie das gehen soll.

Scanner werden nicht aufgrund von psychischen Problemen zu Scannern; auch wenn diese, wie zum Beispiel Aufmerksamkeitsprobleme, bei ihnen wie bei allen anderen Menschen vorkommen können. Scanner sind einfach unglücklich, wenn man sie zwingt, sich auf wenige Dinge festzulegen und auf all das Schöne zu verzichten, das diese Welt noch zu bieten hat.

Das kann bekanntlich kontraproduktiv sein in einer Leistungsgesellschaft, deren Augenmerk äußeren Erfolgszeichen gilt, und in einer hoch spezialisierten Gesellschaft, die angesichts der Fülle von Wissen ein immer engeres Expertentum fordert und erzwingt. Scanner verdienen oft weniger Geld, haben kaum Gelegenheit, sich etwas Solides aufzubauen, ernten Unverständnis von ihren Mitmenschen und sind wegen all dem nicht selten unglücklich über sich selbst.

Diese Definition trifft übrigens auch auf viele Kreative zu. Auch zu Hochsensiblen mit ihrer Wissbegier und intrinischen, das heißt inhaltlichen Motivation gibt es viele Schnittstellen.

Die Autorin ist selbst eine Scannerin. Zudem hat sie eine Aufmerksamkeitsstörung, doch wie gesagt, beides muss nicht zwangsläufig zusammengehören.

Ihr Buch gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil befasst sie sich mit Scannern allgemein und stellt einige allgemeine Hilfsmittel für sie vor. Im zweiten Teil geht sie auf einzelne Scannertypen ein und bringt passende Tipps für den jeweiligen Typ. Fallbeispiele, Berufstipps und individuelle Hilfsmittel zeigen jedem Typen, wie er besser mit seinem eigenen Wesen umgehen kann. Fragen zur Selbsterkenntnis sollen ihm helfen, seinen Typ besser zu erkennen.

Aus dem Inhalt:

Sind Sie ein Scanner?

Teil Eins: Was ist ein Scanner und sind Sie einer?

Alles über Scanner. Was stimmt mit mir nicht? Die Scanner-Panik. Die Furcht vor Verbindlichkeit. Ich habe keine Zeit für meine Lieblingsbeschäftigungen. Wenn ich nicht alles tun kann, mache ich überhaupt nichts. Ich schaffe es nicht, mit etwas anzufangen. Ich bringe nie etwas zu Ende.

Teil Zwei: Welcher Scanner-Typ sind Sie?

Zyklische Scanner. Sind Sie ein Doppelagent? Sind Sie ein Sibyllinischer Scanner? Sind Sie ein Tellerjongleur? Sequenz-Scanner. Sind Sie ein Serienspezialist? Sind Sie ein Serienmeister? Sind Sie ein Universalist? Sind Sie ein Wanderer? Sind Sie ein Ausprobierer? Sind Sie ein Turbo-Wechsler?

Epilog: Ihr Meisterstück

Manche Tipps kennen „einschlägig vorbelastete Leser“ 😉 vielleicht aus klassischen Selbstmanagement-Büchern. Dazu gehören zum Beispiel Merklisten, Post-It’s, Terminplaner, Abreißkalender, die Rückwärtsplanung, Meilensteine, Fristsetzung, Tipps zum Durchhalten oder für die Zusammenarbeit mit anderen.

Andere Tipps sind offenbar speziell für Scanner ersonnen. Dazu gehören zum Beispiel

  • Das Projektbuch: Schreiben Sie Ideen lediglich auf, geben Sie sich bewusst die Erlaubnis, viele nicht verwirklichen zu wollen. Haben Sie einfach Spaß an der reinen Idee.
  • Die Aktivitätenliste: Schreiben Sie auf, was Sie schon alles gemacht und geschafft haben.
  • Das Scanner-Finish: Beenden Sie etwas ganz bewusst, egal, ob es abgeschlossen ist oder nicht.
  • Das Lebenswerkregal: Schaffen Sie sich Raum für Dinge, mit denen Sie sich schon einmal beschäftigt haben, die zu Ihrem Leben gehört haben.

Zudem gibt Sher Tipps gegen hindernde mentale Einstellungen wie die, dass es sich nicht lohnt, etwas anzufangen, was man voraussichtlich sowieso nicht beenden wird, oder dass man nur das eine oder das andere tun kann.

Ich finde das Buch leicht verständlich und gut strukturiert geschrieben. Es bietet eine gute Einführung ins Thema, hilft bei Selbsterkenntnis und Selbsteinordnung und gibt viele praktisch verwertbare Tipps. Man merkt Sher ihr großes Engagement für Scanner an. Sie tritt mit viel Liebe für diese Menschen und ihre Besonderheiten ein. Sie versucht durchaus aber auch, sie für etwas mehr Selbstorganisation zu begeistern. 🙂

Nicht zuletzt dürfte das Buch für viele Scanner noch einen ganz anderen Nutzen haben: Zu sehen, es gibt viele Menschen wie mich, daran ist nichts falsch, und das hat sogar seine Vorteile.

Im Grunde lautet die Antwort des Buches folgendermaßen: Okay, mein lieber Scanner, du machst es dir nicht leicht, mit deinen vielen vielen Träumen und Wünschen. Aber da du das nun mal brauchst, um glücklich zu sein, versuche es a) mit klassischem Selbstmanagement (das ist auch für dich nicht verkehrt) und versuche es b) mit ganz eigenwilligen Ideen wie der, dass ein Traum einfach ein Traum bleiben darf, Hauptsache, du hattest eine Weile Spaß daran. 😉

Fazit: Barbara Shers Buch kann eine Hilfe für viele sein, die mit der heutigen zielorientierten, spezialisierten Norm ihre Probleme haben, egal ob Scanner, kreativ oder hochsensibel.

© 2016 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 13.06.16

Barbara Sher, Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast, München 2014 (3. Auflage des am. Originals von 2006), 285 Seiten

Bei amazon bestellen …
(Partner-Link, kleine Umsatzbeteiligung für mich)