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Schreiben ist eines der ältesten Werkzeuge zur Selbsterfahrung und Selbstkenntnis. Der Dozent für kreatives Schreiben Barry Lane stellt hier viele Übungen und Methoden vor, wie man mit Texten über sein Leben und seine Vergangenheit mehr über sich selbst herausfinden, Denk- und Verhaltensmuster erkennen, ja sogar ändern kann.

Barry Lane ist Dozent für kreatives Schreiben. Er unterrichtet sowohl Literaturstudenten und Geschäftsleute als auch Gefängnis-Insassen, Jugendliche und ältere Menschen. Er schreibt Essays und Kurzgeschichten für diverse amerikanische Zeitschriften. Und er hat einige Bücher zum Thema Kreatives Schreiben verfasst.

Mit dem vorliegenden Buch „Schreiben heißt sich selbst entdecken“ möchte er dem Leser Techniken und Anregungen an die Hand geben, um sich selbst, sein Leben und seine Denkmuster besser zu erkennen und ggf. zu ändern.

Der Leser findet hier

  • bekannte, manchmal „eingedeutschte“ Schreibtechniken wie Free Writing oder Clustering (im Buch „Wortnetz“ genannt)
  • dazu auch etliche Schreibtechniken und -ideen „Marke Eigenbau“ 😉
  • sehr viele Schreibanregungen / Übungen, um die vorgestellten Methoden anwenden zu lernen und mit ihrer Hilfe mehr über sich selbst zu erfahren / an sich selbst zu arbeiten
  • jeweils einige erklärende Hintergrund-Informationen zu Methoden / Übungen
  • veranschaulichende Beispiele aus der Praxis und dem Leben des Autors
  • Fragen zur Selbstreflexion und zur Arbeit mit den Übungen
  • sowie diverse eingestreute Zitate.

Das Buch gliedert sich in drei Teile, die ein wenig aufeinander aufbauen. Der Leser soll mit ihm die eigene Vergangenheit wiederentdecken, Verständnis für die Gegenwart bekommen und Appetit auf und Möglichkeiten für die Zukunft entwickeln.

Die drei Teile stehen für den Dreischritt „Erinnern, Zusammenfügen, Anwenden“. Das heißt, es geht um die Fragen: 1. Woran erinnere ich mich? 2. Was weiß ich jetzt, was ich vorher nicht wusste? 3. Wie verändert das neue Wissen mich und die Welt um mich herum?

Aus dem Inhalt:

Teil 1: Sich erinnern

= Schreibtechniken, die helfen, verschüttete Erinnerungen auszugraben und die Bedeutung der Vergangenheit zu verstehen

1. Die Kindheit: Mythos und Realität

–> Techniken, mit deren Hilfe man Kindheitserinnerungen wiederfinden kann

2. Fragen an die Erinnerung

–> Durch Fragen Bedeutung und Hintergrund der geschriebenen Erinnerungen entschlüsseln

3. Kerngeschichten: Schreiben, was man schreiben muss

–> Wie man zu Themen und Fragen vorstößt, die den Geschichten zugrundeliegen, die man erzählen will

Teil 2: Zusammenfügen

= Wie man durch Schreiben Erinnerungen hinterfragt, Zusammenhänge findet, neue Wahrnehmungen und die Fähigkeit zu kreativem, kritischem Denken entwickelt

4. In neuen Mustern sich selbst entdecken: Die Schlangenhaut abstreifen

–> Wege, um neue Denk- und Verhaltensmuster zu entwickeln, die nicht von alten Erwartungen und Stereotypen geprägt sind

5. Alte Geschichten / Neue Perspektiven: Die Erforschung anderer Blickwinkel

–> Wie man aus verschiedenen Perspektiven denkt und schreibt, um ein tieferes Verständnis von sich und der Welt zu erlangen

Teil 3: Anwenden

= Techniken, die versteckte Kräfte der Erinnerung und Reflexion in unserem Schreiben und Leben aufdecken

6. Wiederverwertete Geschichten: Der Tanz der Wörter und Bedeutungen

–> Wie man den kreisförmigen Charakter des Erzählens und Wiedererzählens von Geschichten nutzt, um ein differenzierteres Verständnis für Kerngeschichen zu erlangen

7. Der Mann hinter dem Vorhang: Einsteigen in Vergangenheit und Gegenwart

–> Wie man in Geschichten einsteigt, auf Stimmen in seinem Kopf hört und diesen Stimmen antwortet

8. Eine neue Welt schaffen, sich mit der alten aussöhnen

–> Vertrauen und Zuversicht entwickeln, indem man sich die Welt mit neuer Kraft vorstellt

Zum Schluss gibt es ein Glossar von Schreibtechniken, das ich sehr hilfreich finde. Hier werden noch einmal alle im Buch genannten Techniken in Kurzform vorgestellt und zusammengefasst.

Einige Buchtipps zum Thema runden das Ganze ab.

Wie gesagt, dieses Buch besteht in erster Linie aus Schreibtechniken und Übungsanregungen. Man muss es durcharbeiten oder – am besten nach einem ersten vorbereitenden Durchgang – später gezielt als Nachschlagewerk nutzen.

Manchmal habe ich ein Problem mit der Herangehensweise, der Struktur, den Methoden oder Übungen des Autors. Sie sind nicht so ganz das meine. Doch es bleibt immer noch genug übrig, was auch ich für mich aus diesem reichen Schatz an Anregungen ziehen kann.

Persönlich ist mir der Autor sehr sympathisch, der das Buch und das Schreiben nicht zuletzt auch zur Verarbeitung des eigenen Lebens und der eigenen Vergangenheit genutzt hat. Auch ist das Buch eine Art Hommage an seinen Vater, der wenige Tage, nachdem Lane mit der Arbeit an dem Buch begonnen hatte, überraschend starb.

Fazit: Eine Schatzkiste mit Schreibanregungen für alle, die autobiografisch an sich und ihrem Leben arbeiten wollen.

© 2014 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 30.07.14

Barry Lane, Schreiben heißt sich selbst entdecken. Kreatives Schreiben autobiografischer Texte. Augsburg 1995 (am. Original 1993), 160 Seiten

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