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Die „Zwiebelfisch“-Kolumne bei SPIEGEL ONLINE nahm „falsch gesetzte“ Wörter in deutschem Schreib- und Sprachgebrauch aufs Korn. Daraus entwickelten sich Bücher, Bühnenprogramme und sogar Fernsehauftritte ihres Autors Bastian Sick. Das vorliegende Buch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ ist das erste dieser Zwiebelfisch-Buchreihe. Deutschunterricht einmal anders. 😉

Die „Zwiebelfisch“-Kolumne war ein Phänomen, ja geradezu Kult auf SPIEGEL ONLINE. (Ich nehme an, sie wurde eingestellt. Zumindest habe ich seit einiger Zeit keine Beiträge mehr gesehen.) Ihr Autor Bastian Sick war damit jahrelang sehr erfolgreich; aus dieser Kolumne entstanden sogar diverse Bücher, Bühnenprogramme und Fernsehauftritte.

Doch obwohl ich regelmäßige Leserin von SPIEGEL ONLINE bin, habe ich es geschafft, jahrelang einen Bogen um den „Zwiebelfisch“ zu machen. Das lag vor allem am Schreibstil von Sick, sein Humor war – und ist nach wie vor – nicht der meine. Fachliches Interesse und eine günstige (Kauf-) Gelegenheit ließen mich allerdings nun doch zu seinen Büchern greifen.

Schon vorab ein Fazit: Der „Zwiebelfisch“ kann sehr nützlich sein – wenn man Sicks Art mag oder sich zumindest mit ihr arrangieren kann. Wenn Sie Sick und seine Kolumne ebenfalls noch nicht (näher) kennen, folgt hier eine Rezension des ersten Bandes für Sie.

Bastian Sick war Lektor, Übersetzer, Dokumentationsjournalist und Schlussredakteur, bevor er 2003 als Autor der „Zwiebelfisch-Kolumne“ ins Licht der Öffentlichkeit trat und mit seiner „humorvoll-ironischen Deutschstunde“ ungeahnte Erfolge erzielte.

Ein „Zwiebelfisch“ ist im Buch- und Zeitungsdruck ein in einer falschen Schriftart gesetzter Buchstabe. Und mit seiner „Zwiebelfisch-Kolumne“ wollte Sick die „falsch gesetzten Wörter“ in deutschen Texten aufs Korn nehmen.

Sein Ziel war es, das Bewusstsein seiner Leser für Sprache zu schärfen und sie in die Lage zu versetzen, nicht widerspruchslos alles hinzunehmen, was ihnen an Formulierungen in Medien, Werbung, Politik, Amts- und Geschäftsdeutsch zugemutet wird.

Allerdings sollte das nicht trocken-(be-)lehrend geschehen, sondern eben, wie erwähnt, humorvoll, locker, leicht, ironisch.

Aus dem Inhalt

Der erste Band der Zwiebelfisch-Bücher, „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“, beinhaltet knapp 50 Kolumnen, die Sick 2003 / 2004 für SPIEGEL ONLINE schrieb.

Man kann diese Kolumnen vielleicht so gruppieren:

  • Gruppe 1: Weltgeschehen, Politik, Fremdwörter und Anglizismen

Dazu gehören zum Beispiel Themen wie:

Die Farbbezeichnung von Parteien, deutsche Mehrzahlbildung bei englischen und anderen fremdsprachlichen Begriffen, Anglizismen wie „Sinn machen“ (statt Sinn haben, sinnvoll sein o.ä.), der richtige Gebrauch bestimmter fremdsprachlicher Ausdrücke, die richtige Bezeichnung für die Bewohner diverser Länder / Landschaften / Städte, Typisches aus der Amtssprache wie Substantivierungen, Phrasen / Unerfreuliches / Falsches aus der Journalistensprache, u.ä.m.

  • Gruppe 2: Falscher Gebrauch des Deutschen, Umgangssprache

Dazu gehören zum Beispiel Themen wie:

Wann setzt man den Dativ, wann den Genitiv (aus dem Buchtitel), die unschöne Häufung bestimmter Ausdrücke (pur) oder Silben (-bar, -bereich), der falsche Gebrauch oder die falsche Bildung von Apostroph / Bindestrich / Fugen-s / scharfem S (Eszett) / Superlativ / Vergleich, eine Warnung vor falschen Metaphern / überflüssigen Synonymen / überflüssiger Mehrzahl / widersprüchlichen oder überflüssigen Phrasen / inflationärem Gebrauch der politisch korrekten weiblichen Form („Bürgerinnen und Bürger“), einige Hinweise auf unschöne oder falsche Ausdrücke aus der Umgangssprache, zwei Beiträge über unregelmäßige Verben bzw. über die Frage, welche Verben zusammengeschrieben werden und welche getrennt, u.ä.m.

Ein Anhang fasst einige der behandelten „Zwiebelfische“ alphabetisch sortiert zusammen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, welche Arbeit es bedeutet, nach Beispielen für Sprachfragen zu suchen oder diese selbst zu bilden. Schon aus diesem Grund habe ich Respekt vor Sicks Leistung. Zudem weisen etliche Kolumnen hilfreiche Übersichten auf, wie ein „Zwiebelfisch“ (Fehler) denn nun richtig lauten müsste. Diese Tabellen kann man gut zum Lernen nutzen.

Einen inhaltlichen roten Faden gibt es im vorliegenden Buch nicht; dieser ist aber angesichts von Thema und Form der Beiträge meiner Meinung nach hier auch einmal nicht nötig.

Manche Kolumnen finde ich richtig nett geschrieben. Und die Idee, Deutschkenntnisse humorvoll zu vermitteln, finde ich ebenfalls schön. Ein Problem habe ich, wie gesagt, mit Sicks grundsätzlichem Ansatz und Stil.

Humor ist schwierig. Einige Menschen verstehen ihn gar nicht, andere verstehen ihn falsch, wieder andere haben einen unterschiedlichen Geschmack. Humor kann deshalb irritieren, polarisieren, provozieren oder einfach schlecht ankommen. Und obwohl ich selbst durchaus eine Freundin von Humor bin, kann ich mich mit Sicks Humor überwiegend nicht anfreunden. 😉 Ist einfach so. Schauen Sie deshalb am besten selbst, ob Ihnen die Kolumnen liegen bzw. ob Sie sie zumindest fachlich für sich auswerten wollen und können.

Fazit: Eine sehr hilfreiche Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache. Man sollte sie mögen oder zumindest nutzen können.

© 2015 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 03.11.15

Bastian Sick, Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache. Köln / Hamburg 2004 (4. Auflage), 230 Seiten

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