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Seit einiger Zeit ist das Pilgern wieder stärker in aller Munde. Wer pilgert, ist oft auf dem Weg zu sich selbst, muss oder möchte Dinge in seinem Leben verändern. Wer nicht körperlich pilgern kann oder will, kann mit Hilfe dieses Buches „mental pilgern“. Die Autorin lädt ein, auch die Arbeit an sich und seinem Leben wie eine Pilgerreise zu gestalten und zu bestehen.

Christiane Schlüter ist Theologin mit einer Weiterbildung zur Journalistin. Sie arbeitet als Autorin, Journalistin, Dozentin und (Trauer-) Rednerin mit den Schwerpunkten Psychologie, Philosophie, Religion und Seelsorge.

Nicht erst seit Hape Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal weg“ sind Pilgern und Jakobsweg wieder stärker in aller Munde. Eine viele hundert Jahre alte Tradition wird heute immer beliebter: Pilgern, um eine Auszeit zu nehmen, um zu entschleunigen, zu sich zu finden, Übergangsphasen zu bewältigen und sicher auch teils aus religiös-spirituellen Motiven.

Die Autorin überträgt diesen Trend des Pilgerns auf die innere Arbeit an sich selbst und an seinem Leben, vorzugsweise in Zeiten von Veränderung und Wandel. So wie ein Pilger sich durch Bewegung und Pilgerweg verändern kann, so kann der innere Pilger mit Hilfe geführter Übungen seine inneren Wandlungsphasen bewusster gestalten. Dabei will dieses Buch helfen.

Aus dem Inhalt

Vorwort: Wer reist, sammelt Erfahrungen – nicht zuletzt über sich selbst. Und erst recht gilt das fürs Pilgern, zu dem viele mit dem Motiv aufbrechen, zu sich selbst zu finden. Auslöser können zum Beispiel Neuorientierungen oder Unzufriedenheit mit dem bisherigen Leben sein. Alle, die sich nicht tatsächlich auf den Pilgerweg machen können oder wollen, lädt die Autorin ein, mit Hilfe ihres Buches mental zu pilgern. Die Leser sollen sich auf eine innere Pilgerreise begeben, das Buch will helfen, den eigenen Weg (wieder) zu finden.

Bevor es losgeht: Die Reise als Sinnbild, jeder Neuanfang ist eine Art Reise. Die Zeichen zum Aufbruch erkennen: Veränderungen von außen oder ein Bedürfnis nach Veränderung bei sich selbst. Seinen Standort bestimmen, sich Ziele setzen, sich Kraftquellen erschließen und gern auch ein „Pilgertagebuch“ führen.

Die Reise beginnt: An der Schwelle stehen, sich Helfer suchen, entschlossen den ersten Schritt tun, Mut fassen, aufbrechen und Abschied nehmen, Visionen als Leitstern entwickeln.

Unterwegs im Hier und Jetzt: Zum Anfänger werden, achtsam sein, bewusst wahrnehmen, die Stille pflegen und Ablenkungen ausschalten, sich ruhig atmen, mit starken, auch ängstigenden Gefühlen umgehen.

Die eigenen Wurzeln lieben: Verschüttetes und Unterdrücktes kann wieder aufbrechen – damit umgehen können, seine Identität und sein Verständnis von sich selbst gegebenenfalls neu sortieren, sich mit Möglichkeiten und Grenzen aufgrund seiner Herkunft versöhnen, sich mit seinen Entscheidungen versöhnen, Ressourcen sehen lernen, das Gute in seinem Leben sehen lernen, die eigene Lebensspur erkennen lernen, sich der Zukunft zuwenden und um Segen bitten für den Weg ins Ungewisse.

Was uns vorwärts lockt: Sich seine Bedürfnisse und Wünsche klarmachen, seine Träume gegebenenfalls anpassen, Kreativität als Ressource bei Auf- und Umbrüchen nutzen, seine bisherigen (Lebens-) Rollen hinterfragen und gegebenenfalls an die Veränderungen anpassen, neue Rollen annehmen und gestalten, einen Sinn in seinem Leben finden und „Resonanzen“ fördern, das heißt, dahin gehen, wo man sich gut aufgehoben fühlt.

Unsere Wegbegleiter: Wir alle leben in Beziehungen, Nähe zu Menschen suchen, die gleichfalls gerade Veränderungen erfahren, mit Veränderungen in bestehenden Beziehungen umgehen, seine Beziehungen überprüfen, mit Konflikten bei Veränderungen umgehen, vergeben und versöhnen, bleiben oder gehen, Abschiede, Verluste und Trauer.

Aus der Dankbarkeit leben: Auch Dankbarkeit kann eine Kraftquelle sein, erkennen, wofür man dankbar ist, auch in schweren Zeiten und Krisen Dankbarkeit leben und darauf achten, welche Menschen und Dinge einem gerade gut tun, sich beschenkt fühlen, etwas zurückgeben.

Verändert heimkehren: Die Melancholie der Erfüllung – die Sehnsucht stirbt im Moment der Erfüllung. Der symbolische Tod des Pilgerdaseins – die Pilgerreise endet und man fährt nach Hause. Die Auferstehung als neuer Mensch – die psychische und physische Verwandlung. Dazu: Rekapitulieren und das Erlebte verarbeiten, auch innerlich wieder zuhause ankommen, erkennen, dass man nicht mehr die- oder derselbe ist und eine Entwicklung durchgemacht hat. Und: Da der Wandel und das Weitermüssen Grundbestandteil des menschlichen Lebens sind, einen Zustand der Balance immer neu erarbeiten und seine Lebensziele regelmäßig überprüfen. Zudem: Generativität – etwas Bleibendes für die Zukunft hinterlassen.

„Der innere Jakobsweg“ gehört zur Reihe der GU Ratgeber und ist entsprechend hochwertig ausgestattet, ich finde ihn einfach nur schön anzusehen. Zur Veranschaulichung gibt es diverse Zitate und Fallbeispiele. Übungen zur Selbstreflexion und zum biografischen Schreiben helfen bei der Arbeit an sich selbst. Viele gute Hintergrundinformationen erklären das jeweilige Thema.

Die Struktur hätte man für mich noch etwas stärker auf eine didaktische Führung „bei der Reise“ abstimmen können. Und der rote Faden wird häufiger durch Eingeschobenes unterbrochen. Die Aufzählung der Inhalte oben habe ich selbst schon leicht angepasst.

Doch davon ab ist es ein sehr schönes Buch mit vielen guten Impulsen und diversen hilfreichen Übungen. Wohltuend und ein Augenschmaus.

Fazit: Eine schöne Idee, die Gestaltung von Veränderungen mit dem Pilgern gleichzusetzen, und eine gelungene Umsetzung.

© 2016 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 06.09.16

Christiane Schlüter, Der innere Jakobsweg. Aufbrüche wagen, eigene Wege gehen, neue Ziele finden. München 2015, 160 Seiten

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