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Wer nicht nur für Freunde oder die Schublade schreibt, sondern seine Bücher einer breiteren Öffentlichkeit zugute kommen lassen möchte, hat ein Problem: Er – oder sie – muss sich mit dem Buchmarkt auseinandersetzen. Und der kann es in sich haben. Möchten Sie die Gesetze dieses „Dschungels“ (kennen-) lernen? 😉 Dann ist dieses Buch für Sie.

Hans Peter Roentgen war ursprünglich Informatiker und hat zwei Bücher zu Software-Themen geschrieben. In den folgenden zwanzig Jahren hat er sich eine Existenz in der Schreibbranche aufgebaut. Er coacht Autoren, lektoriert Texte, schreibt Literaturrezensionen und ist in Foren und Schreibwerkstätten aktiv.

Bei seinen Autorenfreunden hat er gesehen, wie mühsam der Weg sein kann, seine Bücher zu veröffentlichen und natürlich auch zu verkaufen. Aber er hat auch bei vielen gesehen, dass es nach langen Jahren und harter Arbeit möglich ist, ja sogar möglich ist, Bestseller zu schreiben.

Mit dem vorliegenden Buch möchte er Nachwuchsautoren bei diesem Weg helfen. Vor allem möchte er einen Eindruck davon geben, wie der Buchmarkt tickt. Dazu hat er recherchiert, Interviews geführt, mit zahlreichen Autoren gesprochen. Er entschuldigt sich dafür, dass er selbst kein bekannter Bestsellerautor mit entsprechender Markterfahrung ist, aber die würden keine solchen Ratgeber schreiben, sondern den nächsten Bestseller. 😉 Nett formuliert, das stimmt meistens auch. Ausnahmen sind zum Beispiel Stephen King oder Elizabeth George.

Aus dem Inhalt:

Wie finde ich einen Verlag? Wie haben bekannte Autoren einen Verlag gefunden? Wie gehen Autoren mit der Angst vor Ideenklau, mit Selbstkritik und mit Absagen um? Was hat es mit den sogenannten Druckkostenzuschussverlagen auf sich? Wie hilfreich sind Schreibwerkstätten, Literaturpreise, Netzwerke, Vitamin B und Co.?

Wie Verlage an Manuskripte kommen. Wie kommen Verlag und Manuskript zusammen? Der Autor bespricht hier die Vor- und Nachteile von unverlangten Manuskripten, Wettbewerben und Preisen, Empfehlung durch Kollegen, Literaturagenturen und Selbstverlag.

Was Verlage wirklich tun – von Lektoraten, Vertreterkonferenzen bis zu Remittenden. Wie arbeitet eigentlich ein Verlag? Wie entsteht ein Buch? Wie gelangt ein Buch in Buchhandel und Verkauf? Wie funktioniert das bei eBooks?

Der Postbuchblues. Dieses Kapitel finde ich etwas schwierig. Es enthält einerseits Dinge, die zum Postbuchblues passen wie der Umgang mit Absagen, der Umgang mit sogenannten „Trollen“ und Verrissen, das Zittern und Bangen um die Verkaufszahlen, das Ranking bei amazon. Andere Inhalte hätte ich in ein eigenes Kapitel ausgelagert wie etwa wie Rezensionen funktionieren, wie man den Verkauf in die Höhe treiben kann, wie der Autor sich als Ich-Marke aufbauen kann, wie das Lizenzgeschäft funktioniert und mehr.

Wie sich Bücher verkaufen – vom Buchhandel, Amazon bis zum eBook. Jo, wie verkauft sich denn nun das Buch? 😉 Mit kleinen Wiederholungen geht es hier zum Beispiel um den Buchhandel, den Online-Buchhandel und sogenannte Nebenmärkte. Roentgen zeigt, warum amazon und Co. gerade für kleine Verlage und Selbstverleger eine Chance sein können. Wie funktionieren Verkaufsränge und Bestsellerlisten?

Herzblut oder Handwerk? Wer schreibt, bringt auch immer viel von sich ein. Roentgen gibt deshalb allen angehenden Autoren hier den Tipp, bei ihren Büchern auf genügend Distanz zu achten. Sicher seien persönliche Bezüge und Erfahrungen eine gute Quelle fürs Schreiben, aber sie sollten noch unbedingt umgewandelt und weiterverwertet werden. Das passt für mich zwar weniger zu den anderen Inhalten (oder man müsste anders argumentieren), aber ich finde es interessant zu lesen.

Rund um den Buchmarkt. Hier kommen wir noch einmal zurück zum Buchmarkt – kombiniert mit weiteren „Warnungen“ an Autoren. Roentgen warnt nämlich hier davor, wie man keinen Verlag findet und wie sich Autoren selbst zu Fall bringen: Von Vorurteilen und Eitelkeiten über den Glauben, sich nicht ans Handwerk halten zu müssen, bis zum anderen Extrem, nur auf den Markt zu schielen und unbedingt „todsichere Tipps für den Erfolg“ haben zu wollen. 😉 Daneben geht es noch ums Copyright, Raubkopierer und das liebe Geld. Auch dieses Kapitel hätte ich anders strukturiert und benannt, doch den Inhalt finde ich sehr schön. Manchmal muss man auch als junger Autor – oder junge Autorin – den Kopf gewaschen bekommen, um sich nicht selbst Schaden zuzufügen.

Abschließend folgen noch einige Interviews, ein Lexikon der Fachbegriffe, ein Literaturverzeichnis, einige Links und ein Index.

Roentgen geht im Wesentlichen auf belletristische Bücher ein. Die Inhalte kann man aber zu einem guten Teil auf alle Bücher übertragen.

Wie schon bei den Kapiteln angedeutet könnte man meiner Meinung nach noch an der Struktur des Buches drehen. Dann könnte der Autor auch einige Doppelungen vermeiden und Zusammengehöriges stärker herausarbeiten. Auch Schlussredaktion und Korrektorat könnten manchmal sorgfältiger sein.

Doch davon ab bietet Roentgen einen hilfreichen Blick hinter die Kulissen des Buchgeschäfts. Wohltuend finde ich zudem, dass er die unterschiedlichen Positionen Verlag, Autor und Buchhandel gleich gut beleuchtet, er bezieht für keine Partei. Die Interviews und Zitate von Autoren zeigen die menschliche Seite hinter dem schillernden Produkt „Buch“, sie zeigen den Schweiß, aber auch die Möglichkeiten. Das halte ich für eine der ganz großen Stärken des Buches. Schön finde ich auch den Realismus Roentgens, ob es nun um gekaufte oder getürkte Rezensionen, „Trolle“ und Neider, Eitelkeiten und „pubertierende Schriftsteller“ oder Ähnliches geht. Der Buchmarkt ist oft ein knallhartes Geschäft. Aber es blitzen auch immer wieder Leidenschaft, Liebe, Mut, Freundschaft, Freude, Glück, Zufriedenheit und Erfüllung durch – so, wie Menschen nun mal sind. Kein Hochglanz, sondern aus dem Leben.

Fazit: Ein persönlich-menschlicher Einblick ins Buchgeschäft. Kein Hochglanz, aber das Leben.

© 2016 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 20.05.16

Hans Peter Roentgen, Schreiben ist nichts für Feiglinge. Buchmarkt für Anfänger. Reinheim 2012, 207 Seiten

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