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Viele Krankheiten haben mit unserer Lebensweise zu tun. Wenn wir die Krankheit verstehen und womöglich ungute, krankmachende Lebensmuster ändern, kann Krankheit – uns und unser Leben – „heilen“. Zudem können wir auch selbst zur Heilung von Krankheiten beitragen. Kerstin Chavent hat ein persönliches Buch geschrieben, wie ihr beides kreativ-mental gelungen ist.

Kerstin Chavent ist eine Teilnehmerin von mir, wir haben uns über Kreativität und kreatives Denken kennengelernt. Vor knapp zwei Jahren schrieb sie mir, wie ihr Kreativität und Mentales bei der Bewältigung ihrer Krebserkrankung geholfen hätten – und sie schickte mir dieses Buch, das sie über ihre Krankheit geschrieben hatte.

Kerstin ist Autorin, Übersetzerin und Sprachlehrerin. 2012 erkrankte sie an Brustkrebs, überstand die folgenden Behandlungen und arbeitet seit 2013 für und mit Menschen, deren Leben sich durch Krankheit oder andere radikale Einschnitte im Umbruch befindet.

Bitte verstehen Sie den scheinbar paradoxen, leicht provozierenden Titel des Buches nicht falsch. Die Autorin glaubt zwar an die Selbstheilungskräfte von Geist und Körper und sie möchte zeigen, wie man diese fördern kann. Doch sie ist keine Wunderheilerin und sie will mit ihrem Buch auch nicht sagen, dass jede Krankheit heilbar ist.

Der Titel steht für etwas, was sich im Buch eher unterschwellig abzeichnet: Viele Krankheiten sind ein Hinweis auf etwas, was im Leben falsch läuft. Wenn man über die reine Behandlung der Symptome hinausgeht und sich mit möglichen Ursachen, Auslösern oder zumindest „Begünstigern“ von Krankheiten beschäftigt, kann man dieses „Falsche“ in seinem Leben und bei sich selbst korrigieren. Das ist die Art und Weise, wie Krankheit „heilen“ kann; das kann ich übrigens aus eigener Erfahrung bestätigen. Es wird nicht für jeden Menschen und jede Krankheit gelten, aber generell ist dieses Potenzial vorhanden.

In Vorwort und Einleitung schildert die Autorin anschaulich, wie sie das Thema versteht und was dieses mit ihr selbst zu tun hat.

Da sie ihre Erkrankung stark mit ihrem Leben in Verbindung gebracht hat, beginnt sie ihr Buch mit einem längeren autobiografischen Teil, damit auch die Leser sie und ihr Leben grob nachvollziehen können. Zudem soll dieser autobiografische Teil auch eine Einladung an andere sein, sich ebenfalls mit der eigenen Geschichte zu befassen.

Und da sie gelernte Expertin für Sprachen und Kommunikation ist, hat sie sich mit ihrer Erkrankung auf ihre eigene Weise auseinandergesetzt: „Sprechend“ und „in Kommunikation“ mit sich, ihren Gefühlen, ihrem Körper und „ihrem Krebs“. Die kreativ-mentalen Techniken, die sie dabei entwickelt oder genutzt hat, machen den Großteil des folgenden Buches aus.

Aus dem Inhalt:

  • Wie gesagt startet die Autorin zunächst mit einem autobiografischen Teil und einer gerafften Darstellung des eigenen Lebens.
  • Danach folgt ebenfalls noch ein autobiografischer Teil zu ihrer Erkrankung und wie sie beschlossen hat, sich zusätzlich zur „klassischen“ Medizin mit Psychologie, Mental- und Kreativtechniken, Meditation, Quantenmedizin und Ähnlichem zu beschäftigen.
  • Dann folgt ein kleiner geschichtlicher Abriss zu Theorien, wie sich die Psyche auf den Körper auswirkt.
  • Anschließend folgen diverse Reflexionen darüber, welchen Anteil man selbst an Krankheit und Heilungsprozess übernehmen kann.
  • Über ihre Erkenntnisse, was „ihr“ Krebs mit ihrem Leben zu tun haben könnte, schreibt sie nicht viel. Doch sie deutet einen Zusammenhang mit autoaggressivem Verhalten, mangelnder Selbstfürsorge, einem schädlichen Umfeld und anderem mehr an – bis ihr Körper möglicherweise die Notbremse zog und eine Erkrankung als ihm einzig noch zur Verfügung stehende Form der Kommunikation bezüglich etwas sah, was falsch läuft.
  • Als nächstes folgt ein Abschnitt darüber, wie man mit sich und seinem Körper kommunizieren oder mit seiner inneren Weisheit in Kontakt treten kann.
  • Danach gibt die Autorin in Form kurzer Tipps diverse Anregungen, wie man mit schwierigen oder lebensbedrohlichen Situationen umgehen kann.
  • Dann folgt einiges über Atemtraining (ebenfalls für den Zugang zur inneren Welt), Affirmationen (um mit Gedanken seine eigene Realität zu bilden) und Meditation.
  • Es folgen Teile mit Übungen, die man machen, und mit von der Autorin entwickelten „Gedankenkarten“, die man zur Heilung von Geist und Körper anwenden kann.
  • Zum Schluss äußert sich Chavent versöhnlich zu ihrer Krankheit und ihrem Leid; beides wäre nicht umsonst gewesen, denn sie hätte daraus auch viel für sich gewonnen. (Natürlich muss man sehen, dass sie das Buch in einem Zustand fortschreitender Genesung schrieb, in anderen Fällen wäre das Urteil vermutlich oft anders ausgefallen. Doch grundsätzlich hat sie sicher Recht, auch das kann ich bestätigen.)

Eine Literaturliste und ein Stichwortverzeichnis schließen das Buch ab.

Ich finde das Buch leicht verständlich und sympathisch geschrieben. Die Autorin wirkt für mich glaubwürdig; der Leser bekommt einen Einblick in ihr Leben, ihre Krankheit und in das, was sie getan hat, um zu ihrer Genesung beizutragen.

Manche Einzelheiten kann man vielleicht hinterfragen oder zumindest mehr darüber wissen / belegt haben wollen. Manche Affirmationen und Glaubenssätze widersprechen sich meiner Meinung nach. Und grundsätzlich bin ich persönlich eher eine Freundin von Differenzierungen oder „offenen“ Aussagen statt von verallgemeinernden Aussagen wie „wenn du so denkst, dann passiert das und das“. Diese Vereinfachung wird sicher in vielen Fällen stimmen, sie kann auch helfen; sie trifft aber meiner Ansicht nach nicht immer und sie kann, glaube ich, manchmal auch schaden.

Struktur und roten Faden könnte man noch stärker herausarbeiten. Bei der Angabe des Inhalts oben habe ich schon ein wenig diesbezüglich eingegriffen. Kerstin sagt selbst, dass sie sich beim Schreiben viel assoziativ hat tragen lassen, ohne vorher ein detailliertes Konzept gemacht zu haben. Doch die Botschaft kommt an.

Krankheit kann viel mit dem eigenen Leben zu tun haben. Man kann versuchen, seine Krankheit auch selbst positiv zu beeinflussen. Und man kann aus der Beschäftigung mit seiner Krankheit viel an seinem Alltag und Leben „heilen“. Die Wege, die man dazu gehen wird, werden verschieden sein. Kerstin Chavent stellt hier einen vor, der ihr selbst geholfen hat – kreativ, mental und in der Kommunikation mit sich selbst.

Fazit: Ein Buch, das den Zusammenhang von Geist und Körper aufzeigt und helfen kann, Krankheiten des Körpers zu lindern oder zu heilen.

© 2015 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 23.10.15

Kerstin Chavent, Krankheit heilt. Vom kreativen Denken und dem Dialog mit sich selbst. Aachen 2014, 135 Seiten

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