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Was hilft, mit Belastungssituationen fertigzuwerden? Was gibt die nötige Kraft, die „Schläge des Lebens“ zu bewältigen? Wie kann man besser mit Krankheit, Kummer und Leid umgehen? Unser Geist und unser Körper verfügen über erstaunliche Widerstands- und Selbstheilungsfähigkeiten, die wir nur aktivieren müssen. Die Ärztin und Psychotherapeutin Luise Reddemann stellt in ihrem Buch viele Anregungen vor, was Sie dazu tun können.

Über viele Jahrzehnte haben sich Medizin und Psychologie darauf konzentriert, „Schäden“ zu beseitigen, Krankes zu vernichten, Störendes zu korrigieren. Doch Geist und Körper eines Menschen verfügen auch über große Fähigkeiten zur Selbstheilung und Gesunderhaltung. Man muss sie nur zu aktivieren wissen, dann entfällt die „Schadensbekämpfung“ oft von selbst.

Seit einiger Zeit rücken die dazu passenden Schlagworte Resilienz (Widerstandskraft gegen Belastungen) und Salutogenese (Lehre von dem, was gesund macht und gesund erhält) stärker ins Bewusstsein sowohl von professionellen Heilern wie auch von Laien.

Die Ärztin und Psychotherapeutin Luise Reddemann geht in ihrem Buch der Frage nach, was manche Menschen mit extremen Belastungen fertig werden lässt, unter denen andere vielleicht zerbrechen. Sie stellt viele kleine Anregungen vor, um diese menschliche Widerstandskraft und Selbstheilungsfähigkeit zu stärken. Mit ihrem Buch möchte sie Menschen, die Schweres erlebt haben, helfen, „wieder Boden unter die Füße zu bekommen“ (Zitat) und ins Leben zurückzufinden. Es kann keine Therapie ersetzen, aber diese unterstützen oder natürlich einfach für sich stehen.

Wir Menschen sind bekanntlich verschieden, kein Tipp, Ratschlag oder Medikament wird für alle brauchbar sein. Schön, dass Reddemann deshalb ihre Leser auffordert, den von ihr zusammengetragenen Schatz von Forschungsergebnissen und Erfahrungen anderer zu prüfen und sich das herauszuziehen, was man selbst für nützlich hält.

Dazu hat sie viele kleine Anregungen, Aufgaben und Reflexionsübungen zusammengestellt, die alle auf die eine oder andere Weise zu mehr innerer Kraft und Stärke verhelfen sollen.

Aus dem Inhalt:

Das Buch „Eine Reise von 1.000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt“ gliedert sich in drei große Abschnitte.

Teil 1: Liebevoll annehmen, was ist

Im ersten Teil geht es darum, die aktuelle Belastungssituation anzunehmen und zu akzeptieren. Es muss erlaubt sein, zu klagen und zu leiden. (Auch wenn das in unserer Leistungsgesellschaft nicht opportun ist, viele Menschen damit nicht umgehen können oder zwar wohlmeinend, aber manchmal vielleicht auch schädigend mit „Rat-Schlägen“ bei der Hand sind.) Es geht darum, mitfühlend sich selbst und seinem Leid gegenüber zu sein, aber auch aufgeschlossen für das Positive und Erfreuliche im Leben. Es geht darum, sich Zeit zur Heilung lassen, aber auch auf den Moment zu achten, wann es Zeit zu Gesundung und Veränderung ist. Und wer zum Schluss bereit ist, Raum für diese Veränderung und Entwicklung zur Verfügung stellen, kann mit der „Reise zurück ins Leben“, mit dem ersten Schritt für die „Reise von 1000 Meilen“ aus dem Buchtitel beginnen.

Teil 2: Innere Kräfte entwickeln und stärken – eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt

Was hilft dabei, genug seelische Kraft für diese Reise auszubilden? Hier nennt Reddemann viele der schon oben erwähnten Anregungen, Aufgaben und Reflexionsübungen.

Ein Beispiel: Beim Thema Mut lautet eine Aufgabe, sich zu überlegen, wann man in seinem Leben schon mutig war und Mut gezeigt hat. Das beweist, dass man über Mut verfügt und diesen wieder aktivieren kann. Beim Thema Herz und Verstand lautet eine Aufgabe, zu überlegen, wann und wo man sich von Herzen wohl fühlt. Beim Thema Schönheit kann man sich eine Woche auf das Schöne in (seinem) Leben konzentrieren. Und so geht es weiter.

Die Themen lauten:

Mut, Herz und Verstand, wiederholen und üben, Freude und freuen, Freude als Weg, lachen, Schönheit, merken und Achtsamkeit, Anfängergeist, gegenwärtig sein, sich selbst beobachten, Einstellungen verändern, Annahme, nachgeben, alles geht vorüber, Besonnenheit, Entschlossenheit und Willenskraft, Denkmuster bewusst machen, verändern, Mühelosigkeit, Einfachheit, die Bereitschaft, sich helfen zu lassen, die einfachen Dinge des Lebens, Faulheit, Engagement, Hoffnung, Demut, Selbst- und Menschenbilder, Selbstheilung, die innere Heilerin / der innere Heiler, Schuld und Schuldgefühle, Grenzen, Kampfgeist, Nein sagen, Ja sagen, Mitgefühl und Mitleid, Barmherzigkeit, Wärme, Solidarität, innere Bilder und Vorstellungskraft, Vorstellungskraft nutzen, Visionen, Intuition, Inspiration, Kreativität, Originalität, authentisch sein, was uns daran zu hindern scheint, unser volles Potenzial zu leben, gelassen sein, Wohlwollen, Stolpersteine, heilsame und unheilsame Worte, Handlungen, Gewohnheiten, der Stein-ins-Wasser-Effekt, Stille, Spiritualität, Liebe, Dankbarkeit, Natur, Pausen.

Teil 3: Was in schwierigen Situationen wichtig sein kann

Hier kommt Reddemann noch mal kurz auf die Begriffe Resilienz, Salutogenese und auch Flow zu sprechen.

Resilienz bedeutet nicht, dass man sich immer super fühlt. Aber es bedeutet, dass man Kräfte aktivieren kann, sich wieder wohl(er) zu fühlen.

Salutogenese bedeutet nicht, immer gesund zu sein. Aber es bedeutet, nicht im Kranken und Belastenden zu verharren, sondern immer wieder Gesundung zu finden und / oder trotz (bleibender) Erkrankungen und belastender Erfahrungen auch immer wieder Heiterkeit, Leichtigkeit und Mut zu finden.

Flow steht für Situationen, in denen man ein Gefühl tiefer Befriedigung verspürt, etwas mit ganzem Herzen und ganzer Seele tut.

Zudem gibt es ein paar Anregungen für folgende „schwierige Situationen“:

Wie kann man mit Angst besser umgehen?
Was hilft gegen Niedergeschlagenheit?
Wie kann man geschickter mit Wut umgehen?
Wie kann man Humor entwickeln?
Wie kann man mit Konflikten besser fertig werden?
Wie kann man loslassen und abschiedlich leben?
Wie kann man mit Trauer fertig werden?
Wie kann man Klagen in Wünsche verwandeln?
Wie kann man das Selbstwertgefühl verbessern?
Was kann helfen, um Grenzen besser ziehen zu können?
Wie kann man mit Schmerzen umgehen?
Wie kann man dem inneren Kind helfen?

Ein kurzes Literaturverzeichnis und ein paar Quellenhinweise schließen das Buch ab.

Ich mag Luise Reddemanns einfühlsame Art und ihre Art zu schreiben. Auch wenn ein Strukturfan wie ich bei dieser nur schwach strukturierten „Schatzkiste von Impulsen“ etwas zu kurz kommt. Da hilft nur eines: Nach einem ersten groben Überblick immer mal reingreifen, den Fund etwas näher begutachten und sehen, was man da so vor sich hat. 😉

Fazit: Ein schönes Thema, prima Anregungen und eine mitfühlende Autorin.

© 2015 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 15.05.15

Luise Reddemann, Eine Reise von 1.000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt. Seelische Kräfte entwickeln und fördern. Freiburg 2013 (18. Auflage von 2004), 160 Seiten

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