Bleiben Sie auf dem Laufenden:  
Schon über 500 Artikel und PDFs  
Newsletter lesen »   



Schreiben hat viele Gesichter – unter anderem kann man mit ihm auch therapieren, Geist, Körper und Leben „heilen“. Die Autoren zeigen anhand von diversen Schreibmethoden und mit Hilfe vieler Übungen und Textbeispiele, wie.

Die Autoren von Werder, Schulte-Steinicke und Schulte lehren und publizieren zum kreativen und therapeutischen Schreiben. Sie kommen aus Hochschule, Psychotherapie und Germanistik. Und um diese Schnittmenge geht es auch im vorliegenden Buch „Die heilende Kraft des Schreibens“: Das Buch will zeigen, wie man mit Schreiben und Literatur Zugang zu seinem Unbewussten bekommt, um seine Psyche, seine Denkmuster und sein Leben besser zu verstehen und Schmerzhaftes oder Ungutes gegebenenfalls „zu heilen“.

Dazu geben die Autoren einen Überblick über verschiedene Techniken dieses sogenannten therapeutischen Schreibens. Und sie stellen viele Übungen und Beispiele aus der Schreibtherapie vor, die der Leser nachmachen oder auf sein Leben übertragen kann.

Eine Warnung gleich zu Beginn des Buches weist darauf hin, dass Schreiben nicht nur heilen, sondern auch viel Unverarbeitetes und Belastendes wieder hochkommen lassen kann. Deshalb sollte man die Übungen nur machen, wenn man psychisch einigermaßen stabil und belastbar ist, oder aber vorher medizinisch-therapeutischen Rat einholen.

Aus dem Inhalt

Einleitung

Warum hat Schreiben eine therapeutische Wirkung? Mit Schreiben kann man unter anderem

  • sich selbst reflektieren und besser verstehen
  • seine Gefühle und sich selbst besser ausdrücken
  • Dinge loslassen, rauslassen und (sich von ihnen) befreien
  • sich Erinnerungen ins Bewusstsein rufen, verarbeiten und bewältigen
  • sich mit Gedanken und Ideen auseinandersetzen, sein Bewusstsein bilden
  • sich seinem Unbewussten nähern und dessen Kräfte für sich nutzen
  • schwer Fassbarem eine Form geben, nach Lösungen suchen.

Teil 1: Was ist Schreibtherapie?

1. Schreibende Selbsttherapie: Beispiele berühmter Dichterinnen und Denker der abendländischen Geschichte. Die Autoren stellen anhand ausgewählter Beispiele und mit Textauszügen vor, wie Schreibende in älterer und jüngerer Vergangenheit das Schreiben für sich selbst therapeutisch genutzt haben.

2. Tiefenpsychologische Grundlagen des therapeutischen Schreibens: Ab dem 19. Jahrhundert wurde Schreiben auch von „Professionellen“, das heißt von Therapeuten im therapeutischen Sinne genutzt. Die ersten Versuche erfolgten noch in Selbstanalyse, bevor Schreiben auch in der beruflichen Praxis eingesetzt wurde. Die Autoren stellen hier die Psychoanalytiker und –therapeuten Sigmund Freud, C. G. Jung, Alfred Adler und Karen Horney mit ihren Methoden sowie aktuelle Ansätze der Schreibtherapie vor.

Teil 2: Anleitung zum heilenden Schreiben – Erinnern, Wiederholen, Durcharbeiten

3. Das Erinnern üben: Sich stabilisieren und Ressourcen erschließen. In diesem Kapitel gibt es einige Informationen zu Erinnerungen sowie dem Training von Erinnerungen. Zudem zeigen die Autoren sieben Schreibmethoden samt Textbeispielen und Übungen, die beim Erinnern helfen. Das sind die gelenkte Assoziation, die freie Assoziation, das Freewriting, das serielle Schreiben, das imaginative Schreiben, die Literarisierung und das Clustering.

4. Erfahrungen schreibend wiederholen und verstehen: Die „heilende Biografie“. Hier zeigen die Autoren, wie man mit Schreiben „Schlüsselszenen“ seines Lebens aufarbeiten kann. Dabei spannen sie den Bogen von Kindheit, Jugend und Familie über Beziehungen und Geschlechter, Macht, Ohnmacht und Selbstwert im Beruf, Gesundheit, Krankheit und Selbstfürsorge, Lebensgestaltung und Zielerreichung bis zu emotionalen Hochs und Tiefs im Leben, Lebenskrisen und traumatischen Krisen. Ziel ist es immer, seine Biografie besser zu verstehen, seine Denk- und Handlungsmuster zu erkennen, Schmerzhaftes zu heilen und aus Freudvollem zu schöpfen. Ein ausführlicher Teil zur Traumdeutung schließt das Kapitel ab.

5. Durcharbeiten: Kreieren, Literarisieren und Verarbeiten. Auch seine Texte in eine literarische Form zu gießen kann therapeutisch wirken. Gedichte, Geschichten, Märchen, Romane und Autobiografien geben einen Zugang zu Psyche und Leben, verdeutlichen und heilen. Die Autoren erklären, warum und wie.

Ein Anhang mit den üblichen Anmerkungen, Literaturhinweisen und Quellenbelegen schließt das Buch ab.

Ich finde „die heilende Kraft des Schreibens“ gut verständlich geschrieben. Der Leser kann vermutlich auch ohne Fachkenntnisse gut folgen. Denjenigen, die schon über entsprechende Fachkenntnisse verfügen, hilft das Buch, alles in einen Rahmen zu setzen und die Zusammenhänge besser zu verstehen.

Als Leser scheint mir der Laie angesprochen zu sein, der therapeutisch an und mit sich arbeiten möchte. Darauf weisen Formulierungen hin wie „machen Sie das so und so“ oder „gehen Sie dazu so und so vor“. Auch die Warnungen bezüglich der Gefahren und „Sprengkraft“ von therapeutischem Schreiben gehen in diese Richtung. Überdies streuen die Autoren ganz folgerichtig auch immer wieder Übungen ein, mit denen man seine seelische und körperliche Kraft stärken kann, bevor man sich (wieder) mit sich selbst auseinandersetzt.

Andererseits weiß ich nicht, ob ich als Laie zu dem vorliegenden Buch greifen würde, wenn ich mit Schreiben ein bestimmtes Thema oder Problem bearbeiten möchte. Zumindest ich würde mir dann gezieltere Informationen und Führung passend zu meinem Problem wünschen.

Für mich persönlich ist das Buch eher ein Überblick, was machbar ist und wofür man therapeutisches Schreiben einsetzen kann – und das könnte vielleicht doch eher Profis interessieren von Pädagogik bis Psychologie einschließlich Schreibgruppenleiter und mehr.

Für diese beruflich motivierten Leser halte ich das Buch aber sehr gut geeignet, inklusive Anregungen, wie sie das therapeutische Schreiben an sich selbst ausprobieren und in ihrer Praxis einsetzen können.

Fazit: Schreiben kann therapieren, Geist, Körper und Leben heilen – die Autoren zeigen, wie.

© 2016 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 23.07.16

Lutz von Werder, Barbara Schulte-Steinicke, Brigitte Schulte, Die heilende Kraft des Schreibens. Ostfildern 2011, 162 Seiten

Bei amazon bestellen …
(Partner-Link, kleine Umsatzbeteiligung für mich)