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Lutz von Werder, Kreative Einführung in Grundkonzepte der Psychotherapie

Wer neues Wissen nicht nur liest, sondern aktiv bearbeitet, lernt besser. Der Experte für Kreatives Schreiben Lutz von Werder zeigt, wie man psychologisches und therapeutisches Grundlagenwissen mit Hilfe von Schreiben und Schreibübungen lernt. Ein Überblick über Therapieformen und die Entschlüsselung unseres Selbst.

Manche Autoren gefallen mir durchgängig gut. Manche Autoren liegen mir gar nicht. Und bei manchen Autoren finde ich einige Bücher gut und mit anderen Büchern komme ich nicht klar. Lutz von Werder ist für mich so ein „Teils-Teils-Autor“. 😉 Einige seiner Bücher finde ich sehr gelungen, bei anderen habe ich schon mit der Sprache Schwierigkeiten.

Entsprechend vorsichtig war ich bei seinem vorliegenden Buch „Kreative Einführung in Grundkonzepte der Psychotherapie“. Doch ich hatte Glück: Dieses Buch gehört für mich zur Kategorie „sehr gelungen“.

Lutz von Werder ist Experte für kreatives und wissenschaftliches Schreiben, Autor, Hochschuldozent und Philosoph.

Mit seinem Buch will er Grundkenntnisse der Psychotherapie mit Hilfe von kreativem Schreiben vermitteln. Frei nach dem Motto: Erst wenn ich etwas selbst – zum Beispiel schreibend – be- und verarbeitet habe, habe ich es auch verstanden. Diesen Ansatz finde ich sehr spannend und, wie gesagt, auch gelungen.

Seine Zielgruppe sind zum einen die „Profis“ wie Psychologen, Pädagogen, Lehrer, Sozialarbeiter und andere Angehörige helfender Berufe; zum anderen „interessierte Laien“ mit einem Hang zu Selbstanalyse, Selbstmanagement (heute wohl eher „Selbstcoaching“) und Selbsttherapie.

Teil A führt in die Methode ein. Teil B stellt in neun Blöcken die wichtigsten Grundkonzepte der Psychotherapien vor. Teil C reißt kurz das „kreative Selbstmanagement“ (oder Selbstcoaching) an. Viele (Schreib-) Übungen sollen dem Leser helfen, aktiv über den Stoff nachzudenken und ihn zu begreifen.

Aus dem Inhalt:

Teil A: Das kreative Schreiben in den Psychotherapien

Wie sich Schreiben in Psychotherapien einsetzen lässt. Wie mit Hilfe von Schreiben das Bewusstsein das Unbewusste erkennen kann. Wie der Leser oder die Leserin mit diesem Buch arbeiten kann.

Teil B: Psychotherapeutische Verfahren

1. Tiefenpsychologische Ansätze: Einführung in diesen Oberpunkt mit den einzelnen Entwicklungen Selbstanalyse nach Karen Horney, Psychoanalyse nach Sigmund Freud, Analytische Psychotherapie nach Carl Gustav Jung und Individualpsychologie nach Alfred Adler. Auswertung der Therapieformen.

–> Diese Ansätze beschäftigen sich mit der Entstehung des menschlichen Ich.

2. Verhaltenstherapeutische Verfahren: Einführung in diesen Oberpunkt mit den Entwicklungen Rationale Verhaltenstherapie nach Pawlow, Skinner, Kanfer und anderen sowie Rational-Emotive Therapie nach Albert Ellis. Auswertung der Therapieformen.

–> Diese Ansätze beschäftigen sich mit Wurzeln menschlicher Ängste und Denkstörungen.

3. Humanistische Ansätze: Einführung in diesen Oberpunkt mit den Entwicklungen Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers, Gestalttherapie nach Fritz Perls, Transaktionsanalyse nach E. Berne und Psychodrama nach J.L.Moreno. Auswertung der Therapieformen.

–> Diese Ansätze beschäftigen sich mit den biografischen Hintergründen menschlicher Verhaltens- und Rollenmuster.

4. Familientherapie: Einführung in diesen Oberpunkt mit den Entwicklungen Erfahrungszentrierte Familientherapie nach Virginia Satir, Psychoanalytische Familientherapie nach H.E.Richter und Paartherapie nach Jürg Will. Auswertung der Therapieformen.

–> Diese Ansätze beschäftigen sich mit Familiensystemen und Paarproblemen.

5. Suggestive Verfahren und Methoden der Trancearbeit: Einführung in diesen Oberpunkt mit den Entwicklungen Hypnotherapie und Selbsthypnose nach Milton H. Erickson, Autogenes Training nach I.H.Schultz, Neurolinguistisches Programmieren nach Richard Bandler und John Grinder sowie Selbstprogrammierung. Auswertung der Therapieformen.

–> Diese Ansätze beschäftigen sich mit den inneren Ressourcen.

6. Körperorientierte Methoden: Einführung in diesen Oberpunkt mit den Entwicklungen Reichianische Körpertherapie nach Wilhelm Reich sowie Bioenergetik nach Alexander Lowen. Auswertung der Therapieformen.

–> Diese Ansätze beschäftigen sich mit den „Körperbiografien“.

7. Kreativitätstherapien: Einführung in diesen Oberpunkt mit den Entwicklungen Kunsttherapie und Schreibtherapie. Die Kunsttherapie geht teils auf Jung zurück, doch davon abgesehen gibt es für diese Therapieformen keine eigentlichen „Erfinder“ und sie werden von vielen Therapeuten in ihrer Arbeit genutzt. Auswertung der Therapieformen.

–> Diese Ansätze beschäftigen sich mit den verborgenen künstlerischen Potenzialen.

8. Gruppentherapien: Einführung in diesen Oberpunkt mit den Entwicklungen Themenzentrierte Interaktion nach Ruth C. Cohn sowie diversen Selbsthilfegruppen wie den Anonymen Alkoholikern. Auswertung der Therapieformen.

–> Diese Ansätze beschäftigen sich mit dem Wert von Gemeinschaftserlebnissen.

9. Transpersonale Ansätze: Einführung in diesen Oberpunkt mit den Entwicklungen Meditation (auch ohne eigentlichen „Erfinder“, mit abendländischen und östlichen Quellen), Initiatische Therapie nach Karlfried Graf Dürckheim, Holotrope Therapie nach Stanislav Grof und Psychosynthese nach Roberto Assagioli. Auswertung der Therapieformen.

–> Diese Ansätze beschäftigen sich mit Gipfel- und Transzendenzerfahrungen.

Teil C: Kreatives Selbstmanagement

Mit einem neuen „Individualisierungsschub“ und einem neuen Trend zur „Vereinzelung“ setzen sich auch neue Formen des kreativen Selbstmanagements durch. (Anm.: Das wird heute wohl eher Selbstcoaching genannt werden, zumindest wenn es um Persönlichkeit und Psyche geht.) Hierbei kann autobiografisches und kreatives Schreiben sehr hilfreich sein. Von Werder zeigt, wo und wie sich Methoden des kreativen Selbstmanagements nutzen lassen.

Ein Anhang nennt ein Literaturverzeichnis zur Psychotherapie sowie eine Adressliste psychotherapeutischer Gesellschaften und Institute.

Wie gesagt, ich finde die Idee von Werders sehr gut, psychologisches Grundwissen mit Hilfe von (kreativem und autobiografischem) Schreiben, Reflexionsübungen und anderem mehr aktiv zu erarbeiten. So kann man einerseits das neue Wissen besser lernen und im Gedächtnis behalten. Andererseits erfährt man damit gleichzeitig auch viel über sich selbst.

Zudem ist das endlich mal ein gutes Buch, das die diversen Therapieansätze samt ihrer Geschichte, Entwicklung, Gründer und Inhalte sehr gut erklärt. Auch eine jeweils kurze Einordnung der Therapieformen finde ich hilfreich: Was ist von ihnen zu erwarten, was nicht? Ich habe endlich den Zusammenhang all dieser Methoden und Ansätze verstanden. Dieses Buch hat das Zeug zu einem Standardwerk für alle an Therapie und Psychologie Interessierten.

Überdies finde ich es sehr verständlich geschrieben und gut strukturiert. Top.

Fazit: Eine schöne Idee, eine gelungene Umsetzung und eine echte Hilfe im „Dschungel“ psychologisch-therapeutischer Methoden.

© 2015 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 26.04.15

Lutz von Werder, Kreative Einführung in Grundkonzepte der Psychotherapie. Ein Übungsbuch für Einzelne und Gruppen. Berlin / Milow 1998, 255 Seiten

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