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Zu den hoch begabten Menschen gehören nicht nur die wenigen Ausnahmen in der Bevölkerung mit einem IQ von 130 oder mehr. Auch die sogenannten High Potentials weisen viele Eigenschaften Hochbegabter auf. Mehr noch: Hochbegabte haben auch viele Gemeinsamkeiten mit Hochsensiblen und Kreativen. Maximilian Lackner schildert, wie man diese besondere Zielgruppe führt, aber auch, wie diese Zielgruppe selbst andere Menschen führt beziehungsweise wie sie sich im Beruf besser behauptet und besteht.

Maximilian Lackner ist hochbegabt, Unternehmer, Investor und internationaler Manager. Er ist Autor mehrerer Bücher und Zeitschriftenbeiträge.

Den Titel seines vorliegenden Buches finde ich etwas schwierig. Das Buch richtet sich zwar auch an die angesprochenen Führungskräfte, aber nicht nur. Bitte lassen Sie sich deshalb nicht abschrecken, falls Sie keine Führungskraft sein sollten. Zudem tauchen die im Titel genannten Forscher und Künstler im Buch relativ selten auf. Dafür fehlt im Titel die im Buch häufiger erwähnte Gruppe der Hochsensiblen. Und nicht zuletzt geht es im Buch nicht nur um „klassische“ Hochbegabte mit einem IQ von mindestens 130, sondern auch um die sogenannten „High Potentials“ mit einem IQ ab 115 / 120. Wer unter hochbegabt nur die „130er“ versteht, sich davon nicht angesprochen fühlt und das Buch deshalb zur Seite legt, verpasst etwas.

Mit anderen Worten: Dieses Buch handelt von höher- und hochbegabten sowie teils auch von hochsensiblen und kreativen Menschen und

  • schildert, wie Führungskräfte diese Menschen gut managen
  • aber auch, wie diese Menschen selbst andere Menschen managen
  • und sogar, wie HBs (Höher- und Hochbegabte), HSPs (Hochsensible) und Kreative (nein, keine Abkürzung ;-)) sich im Job gut selbst managen und verhalten.

Auch ist das Buch „Talent-Management spezial“ mit bald 600 Seiten sehr „gewichtig“. Man hätte es meines Erachtens gut um ein Drittel bis die Hälfte abspecken können, vieles wiederholt sich.

Nicht zuletzt fehlt oft eine nachvollziehbare Feinstruktur. Im Prinzip reiht sich oft ein Tipp an den anderen, ohne Berücksichtigung von Zuordnung und rotem Faden. Wenn man nur das lesen möchte, was einen persönlich interessiert, müsste man sich dieses relativ aufwändig herausziehen.

Doch jenseits dieser Titel- und Strukturschwächen finde ich das Buch leicht lesbar und gut verständlich geschrieben, mit einer Vielzahl von wertvollen Anregungen, mit ausführlichen Literaturangaben und zu einem seltenen, aber doch wichtigen Thema. Wenn Sie sich also der Herausforderung gewachsen sehen, sich buchstäblich durch dieses Buch hindurchzuarbeiten, dann folgen Sie mir bitte weiter in der Rezension.  🙂

Wie gesagt, ich finde das Thema wichtig. Der Anteil von Hochbegabten mit einem IQ von 130 und mehr in der Bevölkerung ist bekanntlich sehr gering. Doch vieles, was für diese „klassisch Hochbegabten“ gilt, gilt auch für die erheblich größere Gruppe der High Potentials. Mehr noch: Es gibt viele Gemeinsamkeiten von Höher- und Hochbegabten mit Hochsensiblen, Künstlern und Kreativen. Alle denken intensiver, fühlen intensiver und nehmen intensiver wahr. Und diese emotionalen und kognitiven Stärken führen auch zur hohen Sensitivität und Kreativität.

Diese besondere Zielgruppe hat viele Stärken. Sie kann Unternehmen deshalb bereichern. Sie ist aber auch nicht ganz einfach zu führen beziehungsweise umgekehrt tut sie sich auch nicht unbedingt leicht damit, andere Menschen zu führen. Sogar ganz normale Arbeitssituationen können für sie zu einer Herausforderung beziehungsweise zu einer Belastung werden.

Ich werde im Folgenden immer von Hochbegabten sprechen, wie es der Autor auch tut. Bitte behalten Sie im Auge, dass das sowohl High Potentials als auch „klassisch Hochbegabte“ sein können. Bitte beachten Sie überdies, dass jede Typisierung schwierig ist und dass nicht jeder Hochbegabte auch (hoch-) sensibel ist. Im Gegenteil, manche Hochbegabte sind für ihren ausgeprägten Mangel an empathischen und sozialen Fähigkeiten bekannt. Und natürlich ist nicht jeder Hochsensible oder Kreative hochbegabt. Dennoch gibt es viele Schnittmengen. Schauen Sie am besten selbst, ob und wo Sie sich oder andere Menschen wiedererkennen.

Stärken von Hochbegabten können zum Beispiel sein:

Ein großer Wortschatz, ein hohes sprachliches Ausdrucksvermögen, ein schnelleres Denken, eine hohe Auffassungsgabe, ein schnelles Lerntempo, ein hohes Lernvermögen, ein sehr gutes Gedächtnis, ein starker Wissensdurst und ausgeprägte Neugierde, logisches Denken und Abstraktionsvermögen, eine hohe Konzentrationsfähigkeit, die Fähigkeit, vielfältige und ungewöhnliche Lösungen und Ideen zu finden, die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erfassen und neue Gedankenverbindungen herzustellen, feinfühlige Sinnesorgane mit einer ausgeprägten visuellen Wahrnehmung und überdurchschnittlichen Detailwahrnehmung, eine genaue Beobachtungsgabe, eine hohe Sensibilität, hohe Empfindungsfähigkeit und hohes Einfühlungsvermögen, ein reiches Innenleben mit starken Emotionen, „Fingerspitzengefühl“, Mitgefühl, ein starker Gerechtigkeitssinn und hohe Ideale sowie Phantasie und kreative künstlerische Potenziale und vieles andere mehr.

Schwächen oder „Stolpersteine“ von Hochbegabten können zum Beispiel sein:

Eine verzerrte Wahrnehmung (ihnen fällt vieles leichter als anderen und sie glauben, dass das normal ist) und Schwierigkeiten, Normalintelligente richtig einzuschätzen, höchste Ansprüche und Perfektionstrieb, auch viel zu hohe Ansprüche an sich selbst mit Neigung zur Selbstausbeutung, Arroganz oder der Anschein von Arroganz, ungeschicktes Sozialverhalten, Schwierigkeiten mit Manieren und sozialen Gepflogenheiten (sie lassen zum Beispiel gern für sie Unnötiges wie Smalltalk weg oder äußern sich gern unverblümt kritisch), kein Sinn für Büropolitik und Machtspielchen, je höher der IQ, desto ausgeprägtere Introversion, Vernachlässigung sozialer Kontakte, Zerstreutheit und assoziative Gedankensprünge (andere können ihnen nicht folgen), Kopfsteuerung und reine Logik, Entscheidungsschwäche und Angst zu scheitern, ein kindlich sprunghaftes Naturell, eine vielschichtige und teils widersprüchliche Natur, Unwille, sich an Normen anzupassen, oder aber Anpassung unter seelischen Schmerzen, um nicht abgelehnt zu werden, wenig Ehrfurcht vor Rang und Status, Ablehnung von Autorität, Ungeduld und Langeweile, Realitätsferne aufgrund großer Vorstellungskraft, erhöhte Verletzlichkeit durch eine intensivere Wahrnehmung, Dünnhäutigkeit und Überempfindlichkeit, Gefühlsausbrüche und Stimmungsschwankungen, Ablenkbarkeit, Reizüberflutung und Lärm-, Licht-, Berührungsempfindlichkeit, eine herabgesetzte Schmerzgrenze, das belastende Gefühl von Andersartigkeit, massive Selbstzweifel, geringes und schwankendes Selbstwertgefühl und manch anderes mehr.

Gut, worum geht es genau im Buch?

Aus dem Inhalt:

Was ist Management? Grundlagen des Managements, Führungsstile, Führungsinstrumente, Teamführung, Menschen motivieren, Selbst- und Zeitmanagement, Tabus für Manager, Weiterentwicklung der Managementkompetenzen und mehr.

Was ist Hochbegabung? Allgemeines zu Intelligenz, Begabung und Hochbegabung, ausgewählte Aspekte zur Hochbegabung, allgemeine Anregungen für Hochbegabte, Nachteile, Stolpersteine und Schwächen von Hochbegabten, Hochsensible und mehr.

Intelligenz und Erfolg: Faktoren für Erfolg, Erfolg im Beruf, Erfolg als Manager, Hochbegabte und Erfolg, Angst vor Erfolg als Hochbegabter und mehr.

Hochbegabte in Organisationen: Warum sie dort benötigt werden, Stärken und Schwächen von Hochbegabten in Organisationen, wo sich hochbegabte Mitarbeiter einsetzen lassen, wie Unternehmen Hochbegabte anziehen können und mehr.

Erfolgreiches Management von Hochbegabten: Einen Hochbegabten erkennen, einen Hochbegabten richtig führen, Eigenschaften von Hochbegabten und wie man diese richtig nutzt, Hochbegabten Führungsverantwortung übertragen, Hochbegabte an die Organisation binden und mehr.

Erfolgreiches Management als Hochbegabter: Als Hochbegabter richtig führen, Selbstmanagement für Hochbegabte, ein paar Worte für hochsensible Manager und mehr.

Wie Sie sich als Hochbegabter managen lassen: Sich der eigenen Eigentümlichkeiten bewusst sein, Vorsicht vor Perfektionismus und zu hohen Ansprüchen, Umgang und Kommunikation mit dem Chef und mehr.

Erfolgreich als Mitarbeiter unter Hochbegabten: Als Kollege mit Hochbegabten richtig umgehen, als hochbegabter Kollege mit anderen Kollegen umgehen, Tipps für hochbegabte Angestellte und mehr.

Management von speziellen Gruppen von Mitarbeitern: Management von Forschern, Ingenieuren, Verkäufern, Künstlern und Kreativen sowie von hochsensiblen Personen.

Management in speziellen Konstellationen: Management von Innovation, von Freiwilligen, in NGOs und NPOs, von Geschäftspartnern, Projektmanagement für Hochbegabte und mehr.

Management in der Selbstständigkeit: Selbstständige versus angestellte Manager, Hochbegabte in der Selbstständigkeit, Tipps für selbstständige Hochbegabte und mehr.

Jedem Kapitel folgen ausführliche Literaturhinweise, allgemeine Literaturempfehlungen und Weblinks gibt es zum Schluss des Buches. Ebenfalls am Schluss folgt noch eine Zusammenfassung der wichtigsten Kernaussagen sowie ein Sachverzeichnis.

Achtung: Zumindest mein Exemplar hat etliche Schwächen in Druck und Schlusskorrektur. Ich hoffe, dass der Verlag dies bei Neuauflagen geändert hat oder noch ändern wird.

Fazit: Aufgrund von Umfang und Feinstruktur ist das Buch nicht immer leicht zu lesen. Doch es bietet eine wahre Fülle von hilfreichen Informationen und Anregungen zu einem oft übersehenen, aber wichtigen Thema.

© 2016 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 04.10.16

Maximilian Lackner, Talent-Management spezial. Hochbegabte, Forscher und Künstler erfolgreich führen. Wiesbaden 2014 (2. Auflage von 2013), 565 Seiten

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