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In unserer immer komplexer werdenden Welt kommen wir mit unserem bewussten Verstand allein oft nicht mehr weiter. Unsere Rationalität könnte Unterstützung durch unsere Intuition gebrauchen. Der Autor schildert, wie wir diese mit Achtsamkeit und Kontemplation fördern, unsere innere Stimme besser hören. Interviews mit Zen- und Kontemplationslehrern, kognitionswissenschaftliche Modelle sowie einige Übungen runden das Buch ab.

Renato Kruljac war Führungskraft in einem internationalen Unternehmen, bis er seiner Berufung – und Intuition – folgte und einen beruflichen Kurswechsel vornahm. Heute ist er MBSR-Lehrer, gibt Achtsamkeits-, Zen- und Kontemplationskurse. Daneben arbeitet er als Bildungscoach sowie als Berater und Trainer für Personalentwicklungsanalysen und Persönlichkeitsentwicklung.

Intuition ist eine dieser „weichen“ Qualitäten, die es in unserer westlichen Kultur immer noch schwer haben. Das leise Stimmchen, das Instinkt und innere Stimme bis hin vielleicht sogar zu Vorahnung und außersinnlicher Wahrnehmung befeuern könnte, wird gern ignoriert, nicht wahrgenommen oder verkümmert in seiner einstmals vorhandenen Anlage.

Dabei bräuchten wir gerade in unserer heutigen, immer komplexer und mit unserem begrenzten Verstand immer schwerer zu durchdringenden Welt beides: Rationales Denken und intuitives Fühlen. Wie aber können wir unsere Intuition entfalten und unser Bauchgefühl nutzen? Dazu liefert der Autor, passend zu seinem eigenen Hintergrund, Erklärungsmodelle aus den Kognitionswissenschaften, Interviews mit Zen- und Kontemplationslehrenden sowie eine Einführung in die Achtsamkeitslehre, um mit Neurologie, Psychologie, Spiritualität und Achtsamkeit dem Phänomen Intuition etwas näher zu kommen. Einige praktische Übungen sowie das übliche Literatur- und Quellenverzeichnis runden das Buch ab.

Aus dem Inhalt:

Vorwort

1. Intuition: Wegweiser in einer komplexen Welt
Es gibt mehr als eine Intuition: Beispiele

Was ist Intuition? Wie haben Menschen ihre Intuition erfahren und erlebt? Welche Formen von Intuition gibt es? (Von einem vagen Gefühl über eine intuitive Erkenntnis oder Lösungen und Geistesblitze im Halbschlaf bis zu regelrechten zukünftigen Vorahnungen.)

2. Erklärungsmodelle der Kognitionswissenschaften: Der Intuition auf der Spur
Das Wissen des Unbewussten. Hirnforschung: Wie entsteht Intuition? Automatische Entscheidungen: Schneller, als der Verstand erlaubt. Mit Gefühlen besser entscheiden: Das Modell der Somatischen Marker. Spiegelneuronen: Mitgefühl entsteht im Gehirn.

Intuition kann sich aus dem Unbewussten speisen und zum Beispiel auf in der Vergangenheit gesammeltem Wissen und Erfahrungen beruhen, die jetzt unbewusst angezapft werden, aber auch auf grundsätzlich unbewusst Wahrgenommenes zurückgehen. Intuition kann das Ergebnis von automatisierten, konditionierten Prozessen sein wie etwa bei Spitzensportlern, die immer wieder dieselben Abläufe trainieren. Genauso gibt es aber auch Intuitionen ohne jede Vorerfahrung. Auch die sogenannten Somatischen Marker und Gefühle sind an Intuition beteiligt. Spiegelneuronen spiegeln das Gefühl oder das Verhalten eines anderen Menschen, können uns auf diese Weise helfen, seine Situation oder seinen Zustand in uns selbst zu erleben und mitzufühlen. Damit sind sie wesentlich für eine soziale Intuition. Und so weiter.

3. Intuition und Transzendenz
Die mystische Erfahrung. Visionen und Offenbarungen.

Intuition kann mehr sein als die Summe von Informationen und Erfahrungen. Diese Intuition kann die Gestalt von mystischem Begreifen, von Erleuchtung haben, wird dann in kulturellen Mythen, Bildern und Sprache zum Ausdruck gebracht. Es soll sie auch geben in Form von Visionen, Offenbarungen und Vorahnungen. Welche Gefahren können sich allerdings auch aus diesen Intuitionsformen ergeben?

4. Achtsamkeit: Im Hier und Jetzt leben

Wie wir mit Achtsamkeit unsere Einfühlung und unsere Intuition verbessern. Was ist Achtsamkeit? Welche Formen der Achtsamkeit gibt es?

5. Was ist Intuition?
Interview: Antworten von Experten

In diesem umfangreichsten Kapitel gibt der Autor die Antworten ausgewählter Zen- und Kontemplationslehrer auf seine Fragen wieder. Diese Fragen lauten unter anderem: Was verstehen Sie unter Achtsamkeit? Wozu dient ein Achtsamkeitstraining? Was verstehen Sie unter Intuition? Was meinen Sie zu den Erklärungsmodellen für Intuition von unbewusstem Denken bis zu außersinnlicher Wahrnehmung? Können Sie eine Situation schildern, bei der Ihre Intuition besonders ausgeprägt war? In welchen Situationen gibt es Intuition oder kann sich die Intuition grundsätzlich auf alles beziehen, also zum Beispiel auch auf völlig fremde Situationen? Gibt es ein sicheres Anzeichen für Intuition, wie konkret ist sie? Wo ist die Intuition in unserem Leben von Bedeutung? Kann man Intuition fördern beziehungsweise trainieren, und wenn ja, wie? Welche Persönlichkeitseigenschaften sind für Intuition hilfreich? Wie macht sich eine Intuitionserfahrung bei Ihnen bemerkbar, was sind die Anzeichen? Wie lange mussten Sie üben, um offener, bewusster für intuitive Erfahrungen zu sein?

6. Loslassen und achtsam werden: Wie wir die Intuition schulen können
Über den Tellerrand schauen. Atem – der ruhende Anker. Die Kunst des Nichtstuns – einfach nur da sein. Die Schlüsselfrage. Intuitives Schreiben. Die Intuitionsprüfung.

Wie wir mit Achtsamkeit auch den Zugang zu unserer Intuition fördern. In uns hineinhören und subtile Signale wahrnehmen. Einschränkende Konzepte und Normen loslassen. Durch Schlüsselfragen ausgelöste Assoziationen aufschreiben. Intuition wird je nach Typ anders wahrgenommen, auf die eigenen Erscheinungsformen achten. Intuition auch richtig interpretieren, auftauchende Gedanken und Gefühle prüfen. Widerstände untersuchen. Intuition lässt sich nicht erzwingen, aber der Zugang zu ihr kann entwickelt werden. Auch Toleranz für Fehler ist notwendig, um sich für Intuition und innere Stimme zu öffnen. Mit Kreativität und Intuition aus festgefahrenen Denkmustern ausbrechen und passende Lösungen fürs Leben finden. Beides, Intuition und Rationalität, ist im Leben wichtig.

7. Nachwort
Literatur- und Quellenverzeichnis. Dank. Impressum.

Ich finde den vom Autor selbst stammenden Buchteil schön verständlich, klar geschrieben. Das gilt auch für seine teilweisen Zusammenfassungen der Interviews. Mit den Antworten der Interviewten selbst tue ich mich schwerer. Zumindest ich musste mich hier stärker durcharbeiten. Das nur „zur Vorwarnung“. Die beiden Buchteile Hintergrundwissen und Interviews unterscheiden sich meiner Meinung nach recht stark in Inhalt und Sprache.

Und natürlich kann man das Thema Intuition auch anders angehen als über Achtsamkeit, Kontemplation und Zen. Doch diese für den Autor typische Mischung macht ja gerade den Reiz des Buches aus. Man sollte sich nur darüber im Klaren sein, dass sich hinter dem noch recht allgemein gehaltenen Buchtitel ein entsprechender Zuschnitt verbirgt.

Sind beide Grundvoraussetzungen beim Leser gegeben, besteht die Bereitschaft, sich auf Sprache und Inhalt des Buches einzulassen, steht einem Lesevergnügen vermutlich nichts mehr im Weg. Im Gegenteil: Neben viel hilfreichem Wissen zur Intuition bekommt der Leser gratis noch etliches zu Achtsamkeit und Kontemplation mit auf den Weg.

Fazit: Ein hilfreicher Aufruf, mehr auf seine Intuition und innere Stimme zu hören und diese zu fördern – zum Beispiel mit Hilfe von Achtsamkeit und Kontemplation.

© 2018 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 14.08.18

Renato Kruljac: Intuition. Wie wir lernen, unserem Bauchgefühl zu vertrauen. Köln 2017. 144 Seiten.

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