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Schreiben folgt „Gesetzen“ und Schreiben kann man lernen. Der Autor, Journalist und Vizepräsident einer Journalistenschule Roy Peter Clark stellt 50 Werkzeuge vor, um besser zu schreiben. Viele Beispiele aus Journalismus und Belletristik erklären die Werkzeuge. Und etliche Übungen laden zum Nach- und Mitmachen ein.

Roy Peter Clark ist der Vizepräsident einer Journalistenschule. Er hat in den USA diverse Bücher zum Thema Schreiben und Journalismus veröffentlicht. Zudem arbeitet er vereinzelt, wie früher schon, weiter als Journalist.

Diese journalistische Herkunft sieht man seinem Buch auch an. Etliche der „50 Werkzeuge für gutes Schreiben“ und der über 200 Textbeispiele und Übungen stammen aus journalistischem Umfeld. Viele andere aus der Belletristik.

Sein Buch gliedert sich in vier Teile: Teil 1 widmet sich Grundlagen des Schreibens. Teil 2 stellt mit seinen „Spezialgeräten“ Möglichkeiten vor, Sprache bewusst für bestimmte Ziele zu nutzen. Teil 3 liefert „Baupläne“, um Texte zu „organisieren“ (oder besser: zu konzipieren und zu strukturieren). Und Teil 4 präsentiert nützliche „Angewohnheiten“, mit denen sich Autoren das (Schreib-) Leben erleichtern können. (Dies könnte man unter dem Begriff Selbstmanagement zusammenfassen.)

Das Buch besteht aus 50 Kapiteln. Jedes Kapitel bespricht ein „Werkzeug“. Die Kapitel folgen einem einheitlichen Aufbau: Der Leser bekommt eine Einführung in das Werkzeug. Textbeispiele erklären dieses Werkzeug. Und ein kleiner Abschnitt „Workshop“ schließt mit einigen Übungsanregungen das Kapitel ab und lädt zum Selbstmachen ein.

Schön finde ich, dass Clark seine Kapitel oft mit persönlichen Anekdoten anreichert. So bekommen die vorgestellten Werkzeuge ein „Gesicht“ und werden greifbarer. Man kann sie besser verstehen und sich leichter merken.

Aus dem Inhalt:

Erster Teil: Das A und O [Die Grundlagen]

Satzstellung mit Subjekt und Prädikat. Der Vorteil von starken, aktiven Verben. Umgang mit Aktiv und Passiv. Vorsicht vor Adverbien. Wann greift man zu langen, wann zu kurzen Sätzen? Vorteile von parallelen Satzkonstruktionen. Zeichensetzung. Kürzen und streichen. U.a.m.

Zweiter Teil: Spezialeffekte [Die Spezialgeräte]

Komplexes vereinfachen. „Schlüsselwörtern“ Raum lassen. Mit Details sehen lassen. Ungewöhnliche Namen wählen. Vorsicht vor abgegriffenen Redewendungen, Metaphern und Co. Absatzgestaltung. Spiel mit Reihenfolgen und Zahlen. Untertreibung und Übertreibung. Die „Leiter der Abstraktion“. Eigene Schreibstimme entwickeln. U.a.m.

Dritter Teil: Pläne [Die Baupläne]

Gliederung und Zwischentitel. Der Unterschied zwischen Bericht und Geschichte. Dialoge und Zitate. „Show, don’t tell.“ Gegenüberstellungen. Andeutungen. Interne Cliffhanger für mehr Spannung. Der „Motor einer Geschichte“. Mit Wiederholungen spielen. Mit Perspektive spielen. In Szenen scheiben. Archetypen. Schlussformen. U.a.m.

Vierter Teil: Nützliche Gewohnheiten [Die Angewohnheiten]

Leitlinie und Zielvorgabe. Tipps gegen Aufschieberitis. Recherche. Durch Lesen lernen. In Abschnitten schreiben. Netzwerk von Helfern aufbauen. Umgang mit innerem Kritiker. Umgang mit Kritik. Stufen beim Schreiben. U.a.m.

Die Kapitel seines Buches hat Clark ursprünglich als Artikel für die Webseite der Journalistenschule verfasst. Das heißt, die Kapitel sind zwar in sich abgeschlossen, aber dem Buch fehlt ein geschlossenes Ganzes. Man kann es wohl am besten als Methodenquelle nutzen: Aus dem Schrank nehmen, nachschlagen, schlauer sein. 🙂

Die Werkzeuge sind eine Mischung aus „Standard-Schreibwissen“, das man oft in Schreib-Ratgebern liest, und „Spezialtipps“, die an der einen oder anderen Schraube drehen lassen.

Mit Clarks Schreibstil tue ich mich persönlich etwas schwer. Ich finde, man könnte das Wesentliche eines Werkzeugs noch stärker herausarbeiten und mitunter „eingängiger“, präziser schreiben. Es macht mir deshalb manchmal Mühe, sofort zu erfassen, was der Autor mir sagen will. Doch das sagt, wie üblich, vor allem etwas über meine eigenen Prioritäten aus. Andere werden vielleicht eher gemütlich dem Spiel der Sprache folgen und sich in die Tiefen eines Artikels begeben wollen. Am besten bearbeitet der Leser die Kapitel wirklich und macht ggf. auch die Übungen dazu. Dann passt es.

Der Autor macht einen sympathischen Eindruck auf mich. Er wirkt eher bescheiden, nimmt sich zurück, schreibt freundlich. So etwas kommt bei mir gut an.

Fazit: Eine nicht immer einfache, aber wertvolle Sammlung von Schreibtipps.

© 2015 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 17.02.15

Roy Peter Clark, Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben. Handbuch für Autoren, Journalisten und Texter. Berlin 2014 (dt. Erstausgabe 2009, am. Original 2006), 350 Seiten

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