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Kreativität kann im „dynamischen Heute“ eine große Hilfe sein: Nichts ist mehr vorgegeben, vieles will neu erprobt, dabei auftauchende Probleme wollen gelöst werden. Um diese Kreativität zu fördern, haben die Autoren sieben grundlegende Eigenschaften oder „Schlüssel“ ausgemacht. In ihrem Buch zeigen sie, welche Merkmale die „Schlüssel“ beinhalten und was jeder einzelne für sie tun kann.

Es ist für einen Autor oder eine Autorin manchmal gar nicht so einfach, sich bei bestimmten Themen noch einen neuen Dreh einfallen zu lassen. Kreativität scheint mir so ein Thema zu sein, das sich oft mit Inhalten wie Kreativität fördern, Ideen finden, Kreativitätstechniken anwenden und Ähnlichem erschöpft. Die Autoren des Buches „Kreativcode“ haben es einmal mit folgendem Dreh versucht:

Sie haben das Wort „kreativ“ genommen, haben nach Art einer Wortassoziation jeden Buchstaben weitergeführt und mit diesem Buchstaben beginnende Eigenschaften aufgelistet, die für Kreativität hilfreich sind. So führt das „K“ des „kreativ“ zum Künstler oder das „R“ zum Rebellen – beides Eigenschaften, die zur Kreativität gehören und diese fördern.

Die Autoren sind unter anderem Professoren für Betriebswirtschaft beziehungsweise Technologie- und Innovationsmanagement und beschäftigen sich mit Innovationsstrategie sowie der Frage, wie Neues entsteht. Wichtiger dritter „Autor“ des Buches ist eine Illustratorin, die die verschiedenen Bestandteile von Kreativität comicartig zum Beispiel als einen solchen kleinen Künstler oder kleinen Rebellen gezeichnet hat.

Alle kreativitätsfördernden Eigenschaften sind erlernbar beziehungsweise ausbaubar. Der Leser soll in die Lage versetzt werden, dank seiner Kreativität besser unser „dynamisches Heute“ zu bewältigen, in dem es keine festen Lebensmodelle mehr gibt und alles neu und individuell gestaltet werden will.

Achtung: Der Klappentext kann falsche Assoziationen wecken. In diesem Buch geht es nicht darum herauszufinden, welche Faktoren mich persönlich kreativ sein lassen. (Zitat: „Den eigenen Code zu entschlüsseln ist Voraussetzung für … Kreativität.“) Auch das Vorwort der Autoren ist hier meiner Meinung nach leicht missverständlich. (Zitat: „Jeder kann seinen eigenen Kreativcode entschlüsseln.“) Das Buch nennt lediglich Faktoren, die die Kreativität generell und bei allen begünstigen. Mit diesem Buch ist also nicht etwas gemeint wie: „Du musst noch mehr den Rebellen in dir fördern, da hast du Schwächen“. Es hat keinerlei selbstreflexive Bezüge. Wer das berücksichtigt, steigt nicht mit falschen Erwartungen ins Buch ein und wird so auch nicht enttäuscht – was das Buch auch nicht verdient hätte.

Die Eigenschaften oder „Schlüssel“ für Kreativität sind:

K: Der Künstler, der vorgegebene Pfade verlässt und seine schöpferische Ader aktiviert.

R: Der Rebell, der den Status Quo in Frage stellt und auch mal gegen den Strom schwimmt.

E: Der Enthusiast, der sich begeistern kann und inspirieren lässt – für das Feuer neuer Ideen.

A: Der Asket, der sich auf das Wesentliche beschränkt und so der Kreativität Raum gibt.

T: Der Träumer, der Visionen entwickelt und sich traut, Neuland zu betreten.

I: Der Imitator, der Bestehendes weiterentwickelt und in eine neue Form gießt.

V: Der Virtuose, der genug Ausdauer mitbringt, um Neues auch Wirklichkeit werden zu lassen.

Zu jeder Eigenschaft des Kreativcodes gibt es dann eine Reihe kurzer Hintergrundinfos und Tipps, die diese näher erläutern und bestimmen. Ein Beispiel: Beim Künstler finden sich etwa Tipps wie Ideen zu sammeln, das innere Kind freizulassen, Details genauso wie das große Ganze sehen zu können, auch Zeit mit sich allein zu verbringen, Ideen mit der Hand zu entwickeln, mit Humor die Kreativität zu fördern und mehr. Zum Ende eines jeden Kapitels wird das Genannte noch einmal nach Art einer Todo-Liste ausgewertet. Für den Künstler bedeutet das etwa: Klein zu beginnen, für mindestens drei Wochen kein weiteres Projekt „als Künstler“ anzufangen, Notizen auf Papier zu machen, dem inneren Kind ein Mitspracherecht einzuräumen, eine Aufgabe spielend weiterzuentwickeln und mehr.

Die heiteren Comiczeichnungen der Künstler, Rebellen, Asketen und Co. setzen alles passend in Szene. Zudem gibt es einige anschauliche Zitate. Schön finde ich, dass die Autoren auch neuere Studien zur Kreativität auswerten. Das passt zu ihrem Hintergrund und ist ebenfalls etwas, was man nur in wenigen anderen Büchern zur Kreativität findet.

Von einer Gliederung in die sieben Kapitel der Kreativschlüssel mal abgesehen ist das Buch nicht weiter strukturiert. Es ist daher eher zum Lesen und Blättern als zum schnellen Nachschlagen geeignet. Zudem hätte ich die Kapitel teils anders geordnet und benannt. Beim Virtuosen denke ich zum Beispiel eher an das meisterhafte Können und weniger an die Ausdauer, die für dieses Können notwendig ist. (Dies dann erst in einem zweiten Schritt, um die Logik der Autoren nachzuvollziehen.) Das mag an meiner eigenen Denkweise liegen oder vielleicht auch an dem relativ begrenzten Rahmen, das Wort „kreativ“ als Vorlage nutzen zu wollen und zu müssen.

Ich würde sagen: Für alle, die sich mit dem Thema Kreativität noch nicht allzu sehr befasst haben, kann das Buch eine wertvolle Sammlung von Anregungen sein. Für die, die sich damit schon besser auskennen, haben die verwerteten Studien ihren Reiz. Die kleinen Kerlchen von Künstler, Rebell und Co. sorgen für einen liebevoll-verspielten Anstrich.

Fazit: Eine „wissenschaftliche“ Betrachtung von Kreativität muss nicht trocken sein, das zeigt dieses kleine Büchlein.

© 2016 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 05.01.16

Sascha Friesike, Oliver Gassmann, Kreativcode. Die sieben Schlüssel für persönliche und berufliche Kreativität. München 2015, 199 Seiten

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