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Silke Heimes, Schreiben als Selbstcoaching

Ein Berater, Coach oder Therapeut kann einen begleiten und Impulse geben. Doch die Antworten und Lösungen kann jeder nur für sich selbst finden. Deshalb gibt es neben dem „klassischen“ betreuten Coaching eine zunehmende Zahl von Angeboten, um sich gleich selbst zu „coachen“. Schreiben und Schreibübungen sind ein möglicher Zugang für ein solches „Selbstcoaching“. Die Ärztin und Autorin Heimes stellt diesen Ansatz in ihrem Buch näher vor.

Silke Heimes ist Ärztin, Hochschuldozentin, Poesietherapeutin, Autorin und Künstlerin. Mit ihrem Buch stellt sie das Schreiben als Hilfe für eine selbst gesteuerte Selbsterkenntnis, Verhaltensänderung, Lebensgestaltung, Entscheidungsfindung, erhöhte Achtsamkeit und anderes mehr vor, neudeutsch unter dem Schlagwort Selbstcoaching zusammengefasst. 😉

Ihr Buch gliedert sich in zwei Teile: Im ersten Teil führt die Autorin in Theorie und Hintergrund des Selbstcoachings und des Schreibens als Instrument für ein Selbstcoaching ein. Im zweiten Teil findet der Leser 123 Schreibübungen zu einzelnen „Lebensthemen“.

Zum gedruckten Buch gibt es auch eine eBook-Version inklusive, um mit dieser direkt am Computer arbeiten zu können. (So ähnlich mache ich das bei meinen eigenen Büchern.) Eine schöne Idee. Doch um das eBook downloaden zu können, muss man beim Verlag ein eigenes Benutzerkonto samt Passwort anlegen. Und da ich davon bei all den Shops, Internetseiten und so weiter mittlerweile viel zu viele habe, habe ich auf Registrierung und Download verzichtet.

Aus dem Inhalt:

Teil 1 oder die Einführung in Theorie und Hintergrund

Keine Gebrauchsanweisung: Es gibt weder für die wirklich wichtigen Dinge im Leben eine Gebrauchsanweisung, noch gibt es eine für alle und alles. Jeder muss aus einem Set von Strategien die für sich und seine Situation hilfreichen herauspicken. In diesem Sinne sind die Übungen im Buch auch als Angebot gedacht: Man kann sie bearbeiten, muss aber nicht. Jeder sollte selbst schauen, was ihn anspricht und was eine Resonanz in ihm auslöst.

Coaching – was ist das? Ein kurzer Abschnitt zu wesentlichen Elementen im (betreuten) Coaching: Worum geht es? Was sind seine Ziele? Wie geht man dabei vor?

Selbstcoaching – geht das? Wir haben oft nicht gelernt, für uns zu sorgen und uns selbst zu begleiten. Welche Vorteile kann es für einen haben, wenn man sich selbst coacht?

Wie Sie mit sich selbst umgehen: Darauf achten, sich sowohl mit Mitgefühl als auch mit Fairness und Ehrlichkeit gegenüberzustehen. Sich mit allen seinen Stärken und Schwächen sehen. Sich nicht fertigmachen, aber auch nicht über den grünen Klee loben.

Die Würde des Menschen ist …: Auf Achtsamkeit und Offenheit sich selbst und anderen gegenüber achten. Es kann keine allgemeingültige Deutungshoheit geben. Alles ist subjektiv, zeit- und situationsgebunden.

Schreiben als Akt der Wertschätzung: Diese Achtsamkeit und Offenheit, eine wohlwollende und reflektierte Haltung sich selbst gegenüber kann durch Schreiben ermöglicht und verbessert werden.

Die Möglichkeit des Wandels: Wenn man sich mit Schreiben selbst reflektiert, an seiner Wahrnehmung und seinem Bild von sich selbst arbeitet, ist es normal, desorientiert und verunsichert zu sein, sich selbst infrage zu stellen. Der Leser sollte sich davon nicht beunruhigen lassen. Das ist notwendig, um alte Muster hinter sich zu lassen und Neues zu versuchen.

Ein paar Sätze zu Beginn der Praxis: Ein paar Praxistipps für die folgenden Übungen.

Teil 2 oder die Schreibübungen

  • Womit anfangen: Wie man Probleme löst
  • Kleine Bestandsaufnahme: Lösungsstrategien und „Bewältigungsmuster“
  • Wer sind Sie: Selbstbild und Fremdbild, reales Selbst und ideales Selbst
  • Auf was können Sie vertrauen: Fähigkeiten, Stärken, Ressourcen und Helfer
  • Rollen und Masken: Die Rollen, die man im Leben oder sozialen Umfeld innehat, erkennen, prüfen, aufbrechen oder ändern
  • Neue Wege: Entscheidungen treffen, Veränderungen angehen, Verhalten ändern
  • Die Lösung im Fokus: Noch einmal einiges zu Bewältigungsmethoden und Problemlösungsmethoden
  • Ich habe einen Traum: Nachtträume, Tagträume, Lebensträume
  • Geheimnisse und Verrücktheiten: Geheimnisse, Leichen im Keller, Fluchtorte, Zufluchtsorte
  • Gefühle und Co.: Gefühle und Körperreaktionen, Basisgefühle, Stress
  • Loslassen braucht Übung: Von „Altes bewusst loslassen und Raum für Neues schaffen“ bis „Loslassen / Aufheben von Fixierungen, Zielen und Vorstellungen“
  • Sich selbst ein guter Zuhörer sein: Innerer Monolog, inneres Team, Körperwahrnehmung
  • Die spirituelle Dimension: Spiritualität und Religiosität
  • Ethische Fragen mit persönlicher Bedeutung: Werte, Ideale und Prioritäten
  • Sind Sie ein achtsamer Mensch? Achtsam und bewusst im Hier und Jetzt leben, Anfängergeist entwickeln, Geduld lernen, den Dingen ihre Zeit lassen
  • Last, but not least: Reflexionen zu den Übungen und zum Schreibprozess

Ich finde den Stil von „Schreiben als Selbstcoaching“ mitunter relativ „akademisch“. Das macht es nicht immer leicht, das Buch zu lesen, darauf sollte man sich einlassen können. (Das gilt vor allem für den ersten, einführenden Buchteil.)

Im Übungsteil könnte man meines Erachtens noch stärker einen inhaltlichen roten Faden ziehen, eine innere Logik herauszuarbeiten versuchen. Dafür hat der Aufbau der Übungen eine schön übersichtliche, wiederkehrende Struktur.

Die Themen der Schreibübungen lassen sich im Wesentlichen zwei Schwerpunkten zuordnen: A) Übungen, um sich besser kennenzulernen, zu verstehen, klarer zu sehen. B) Übungen, um mit Problemen und Veränderungen umzugehen. Wer sich für das Buch interessiert, sollte auch an diesen Schwerpunkten interessiert sein.

Wer das alles berücksichtigt, bekommt eine prima Einführung in das Thema: Worum geht es beim Selbstcoaching? Wie kann Schreiben helfen? Wie erfahre ich mehr über mich selbst? Was macht mich aus? Wie sehe ich mich? Wie gehe ich besser mit mir selbst um? Wie komme ich besser mit dem Leben, seinen Problemen und Veränderungen zurecht? „Schreibfans“ bekommen hier viele gute Anregungen dafür. (Man kann die Übungen aber auch schlicht im Kopf beantworten. Das geht auch. ;-))

Fazit: Eine schöne Einladung, um mit dem Stift sich selbst klarer zu sehen, sein Leben bewusster zu gestalten, alte Muster gegebenenfalls zu hinterfragen und nach besseren Alternativen dafür zu suchen.

© 2015 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 06.01.15

Silke Heimes, Schreiben als Selbstcoaching, Göttingen 2014, 128 Seiten

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