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Die wenigsten Texte fließen druckreif aus der Feder. Deshalb kommen Sie in der Regel nicht darum herum, Ihre ersten Entwürfe zu überarbeiten und zu verbessern. Für dieses sogenannte Lektorat können Sie Profis anheuern – oder es selbst übernehmen. Sollten Sie Ihre Bücher und Texte selbst lektorieren wollen, kann dieses Buch von Sylvia Englert eine gute Hilfe sein.

Wenn Sie Ihre Bücher über einen Verlag veröffentlichen, ist dieser meist auch dafür zuständig, diese für Sie kostenfrei zu korrigieren und zu lektorieren. Allerdings gilt das nicht in jedem Fall. Überdies müssen Ihre Bücher natürlich erst einmal gut genug sein, um ohne größeren Bearbeitungsaufwand von einem Verlag angenommen werden zu können. Wenn Sie Ihre Bücher selbst verlegen, sind Sie auch selbst für das Lektorat verantwortlich, und sei es, dass Sie es an kostenpflichtige Dienstleister abgeben. Und auch jeder, der sonst von Kurzgeschichte bis Journalismus schreibt, sollte in der Lage sein, seine Texte nicht nur in die Tasten, pardon die Tastatur „zu hauen“ ;-), sondern sie auch auf Herz und Nieren zu prüfen und zu verbessern.

Für alle diese Zielgruppen hat Sylvia Englert das vorliegende Buch geschrieben. Die Autorin hat selbst ein Volontariat im Lektorat absolviert, einige Jahre als Journalistin gearbeitet und unter ihrem Namen sowie mehreren Pseudonymen bislang mehrere Dutzend Bücher veröffentlicht. Alle diese Bücher lektoriert sie gründlich selbst, bevor sie an den Verlag gehen, sodass dieser sich über sehr gute Manuskripte und wenig Arbeit am Text freuen kann.

Die wenigsten Texte kommen druckreif aus der Feder. Und Leser können mehr Anlass zu Verwirrung, Ärger oder Enttäuschung haben als eine lieblose Rechtschreibung und Grammatik. Englert zeigt, was jenseits einer korrekten Sprache für Bücher und Texte noch wichtig ist.

Aus dem Inhalt:

Einleitung

Die drei wichtigsten Tipps für Selbstlektoren

Schritt 1: Die Struktur

A) Bei Roman, Erzählung und Kurzgeschichte

Sind Ihre Figuren überzeugend: Sind Ihre Figuren lebendig genug? Kann der Leser sie vor sich sehen? Passt das, was Sie geschrieben haben, zur Persönlichkeit der Figur? Sind die Figuren glaubhaft, weder zu gut noch zu böse? Gibt es eine persönliche Entwicklung bei den Figuren oder ihren Beziehungen? Werden die Leser sich mit ihnen identifizieren wollen?

Funktionieren Plot und Perspektive: Wird der rote Faden der Geschichte deutlich? Stimmen die Spannungsbögen? Beachten Sie die Regeln Ihres Genres? Stimmt die Erzählperspektive?

Der Szenen-Doktor: Folgen die Szenen einander in der richtigen Reihenfolge? Ist die Zahl der Szenen angemessen oder haben Sie zu viele beziehungsweise zu wenige Szenen? Sind die Kapitelübergänge sauber und doch anregend?

Anfang und Schluss: Sind Anfang und Schluss Ihrer Geschichte gut gestaltet?

Kurzgeschichte: Ein paar knappe Besonderheiten zur Kurzgeschichte.

B) Bei Nonfiction

Sachbuch: Wie haben Sie die für Sachbücher typischen Kriterien umgesetzt? Englert hilft mit Fragen und Tipps, folgende Punkte zu überprüfen: Thema, Recherche, Umgang mit Quellen, Aufbau und Gliederung, Erfüllung von Leserbedürfnissen, Ton, Sprache und Ansprache sowie Nutzung von Gestaltungselementen.

Autobiografien: Ein paar knappe Besonderheiten bei Autobiografien.

Journalistische Texte: Haben Sie die Regeln journalistischer Textformen gut umgesetzt? Die Autorin hilft wieder mit Fragen und Tipps für Artikel, Bericht, Reportage, Kommentar und Rezension.

Eine Checkliste zum Schluss dieses Buchteils greift die wichtigsten Überprüfungskriterien noch einmal auf. Drei Spalten bieten Ihnen Platz, drei Bücher oder Texte Punkt für Punkt durchzugehen und abzuhaken. Für weitere Texte müssten Sie die früheren Kommentare ausradieren und überschreiben.

Schritt 2: Erster Schliff

Fakten und Logik: Stimmen die Informationen, Zitate und Interviews, die Sie anführen? Folgen Ihre Aussagen einer nachvollziehbaren inneren Logik?

Ton und Tempo: Passt der Ton zum Text? Klingen Ihre Dialoge echt, sind sie interessant? Kann der Leser das, was Sie schreiben, vor seinem geistigen Auge sehen? Schreiben Sie treffend? Passt auch das Erzähltempo zu Ihrem Text?

Stil und Sprache: Gehen Sie behutsam mit Wiederholungen um? Ist Ihr Text weitgehend frei von Füllwörtern, überflüssigen Adjektiven und abgenutzten Ausdrücken? Sind Ihre Sprachbilder korrekt? Hüten Sie sich vor Substantivierungen und zu viel Passiv? Sind Ihre Sätze im Ganzen weder zu kurz noch zu lang?

Äußere Gestaltung: Ist das Layout Ihres Textes gut lesbar? Haben Sie alles durchnummeriert, die Rechtschreibung überprüft und auf eine einheitliche Schreibweise geachtet? Haben Sie Ihre Texte als Normseite formatiert und einen guten Titel oder Arbeitstitel gefunden?

Auch für diesen Buchteil gibt es wieder eine zusammenfassende Checkliste, um drei Bücher oder Texte Punkt für Punkt zu überprüfen.

Schritt 3: Überarbeiten nach Feedback

Mittel gegen die Betriebsblindheit: Eine Überarbeitung macht nur Sinn, wenn Sie auch wirklich sehen, was Sie geschrieben haben – Englert gibt ein paar kurze Tipps, was Sie gegen die übliche Betriebsblindheit tun können.

Testleser und wie man sie findet: Auch Testleser können eine Hilfe gegen Betriebsblindheit, mangelndes Wissen und persönliche Ego-Schwächen 😉 sein. Englert gibt Tipps, wie Sie Testleser finden, anleiten und ihr Feedback auswerten.

Bezahlte Hilfe: Natürlich können Sie auch Profis bitten, Ihre Bücher und Texte zu verbessern. In diesem Kapitel finden Sie ein paar knappe Tipps für die Arbeit mit Korrektor, Lektor oder Coach.

Hilfestellung vom Verlagslektor oder Redakteur: Und wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Lektorat eines Verlags? Dazu lesen Sie hier mehr – von guten und schlechten Lektoren über die Korrektur der Druckfahnen bis zu einer Übersicht über die wichtigsten Korrekturzeichen.

Genau, Sie haben es erraten, noch einmal schließt eine Checkliste nach obigem Muster diesen letzten Buchteil ab.

Es folgen noch ein paar übliche Danksagungen.

Ich finde Sylvia Englerts Buch „So lektorieren Sie Ihre Texte“ gut strukturiert und verständlich geschrieben. Ihre Kapitel bestehen aus ein wenig Hintergrundwissen, praktischen Tipps und vielen Fragen, mit deren Hilfe Sie Ihre eigenen Texte überprüfen und verbessern können.

Der Schwerpunkt des Buches liegt auf den Fragen, an denen Sie sich entlanghangeln und die Sie abarbeiten. Doch Englert erklärt auch immer, wie die Fragen gemeint sind, sodass Sie mit ihnen nicht allein gelassen werden. Ein paar Beispiele von der Autorin selbst sowie von SchreibkollegInnen lockern das Buch auf und machen es anschaulicher.

Manche Regel darf vielleicht auch einmal gebrochen werden, und manches wie die Abneigung der Autorin gegen diverse Redewendungen ist sicher auch Geschmacksfrage. Doch das hindert mich nicht daran, dieses Buch für ausgesprochen nützlich zu halten.

Fazit: Eine sehr empfehlenswerte Hilfe für alle, die ihre Bücher und Texte verbessern wollen.

© 2016 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 12.08.16

Sylvia Englert, So lektorieren Sie Ihre Texte. Verbessern durch Überarbeiten. Berlin 2014 (2. Auflage von 2013), 153 Seiten

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