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Thilo Baum, 30 Minuten für gutes Schreiben

Noch immer werden gewundene, schwer verständliche Texte nicht nur akzeptiert, sondern sogar als Ausdruck besonderen Könnens gesehen. Das gilt zum Beispiel für die Wissenschaft oder die sogenannte „Hoch-Literatur“. Dabei sind gerade die einfachen, leicht verständlichen Texte das Ergebnis von „wahrem (nämlich handwerklichem) Können“. Thilo Baum zeigt, wie Sie gut und einfach schreiben.

Vor einigen Wochen habe ich dieses Buch in meinem Bücherregal „wiedergefunden“. Ich dachte, ich hätte es längst rezensiert, doch das war wohl ein Irrtum. Macht nichts. Es ist zwar etwas älter, doch immer noch absolut gültig. 😉

Thilo Baums Schreibtipps stammen aus der „30-Minuten-Reihe“ des GABAL-Verlags. Mit dieser Reihe will der Verlag Themen so aufbereiten, dass man ein Buch in 30 Minuten lesen – oder in noch kürzerer Zeit gut überfliegen kann. Dazu ist alles kurz und knapp geschrieben. Auch das Layout hilft durch eine klare Führung, alles möglichst schnell erfassen zu können.

Ob Sie in 30 Minuten alles verstanden und verinnerlicht haben, ist eine andere Frage. Je nach Thema und Vorkenntnissen würde ich mehr Zeit einplanen. Doch das nimmt dem Buch nicht seinen Charme. Zudem bietet es sich auch gut als Nachschlagewerk an.

Der Autor ist Journalist, war Lokal- und Schlussredakteur bei einer Boulevard-Zeitung und arbeitet als Trainer für Kommunikations- und Schreibseminare.

Texte müssen nicht gewunden und umständlich sein, so dass sie keiner versteht. Mit seinem Buch will Baum seinen Lesern zeigen, wie man „gut und einfach schreibt“.

Aus dem Inhalt:

1. Gut gedacht ist halb geschrieben: Tipps zur Text-Planung von der Frage „was will ich sagen“ bis zum Ergebnis „wie lang wird mein Text“.

2. Die Geheimnisse guten Stils: Raus mit Floskeln, Abstraktem, Negativem und Passivem.

3. Bausätze für Sätze: Lange Sätze / kurze Sätze, Hauptsätze / Nebensätze, raus mit Schachtelsätzen.

4. Die richtigen Wörter: Gute Verben, Substantive, Adjektive und Bindewörter.

5. Im Zauberland der Satzzeichen: Wann und wie setze ich Komma, Punkt, Doppelpunkt, Semikolon, Ausrufezeichen, Fragezeichen, Gedankenstrich, Klammern, Akzente, Apostrophe und Anführungszeichen?

6. Gute Sprache, schlechte Sprache: Do you sprech Denglisch? (Ein Plädoyer dafür, statt Anglizismen lieber die deutschen Entsprechungen zu gebrauchen.) Floskeln, Fachbegriffe, Wort-Monster. (Eine Liste von „nicht treffenden“ und „treffenden“ Begriffen.)

Ein knappes Literaturverzeichnis und ein kleines Register schließen das Buch ab.

Hin und wieder lockern Abbildungen den Text auf. Jedes Kapitel endet mit einer kleinen Zusammenfassung.

Manches finde ich Geschmacksfrage wie die Liste von „nicht treffenden Begriffen“ oder die „Wir-Anrede“ des Lesers. Das „tun wir dies, tun wir das“ erinnert mich ein bisschen an das sprichwörtliche „und wie geht’s uns denn heute“ beim Doktor. 😉

Ich hätte auch leicht anders strukturiert.

Baums Bestreben, alles kurz und knapp zu formulieren, finde ich über längere Strecken relativ mühsam zu lesen. Da hätte ich gern mehr „Melodie“ im Text.

Schön finde ich die vielen Text-Beispiele. Etliche „schrecken“ ab nach dem Motto: So schreiben Sie besser nicht. 😉 Andere zeigen dagegen, wie man es besser machen kann.

Auch schön finde ich die sogenannten „Regeln“. Diese fassen das gerade Genannte noch mal kurz als Merkregel zusammen. („Tun wir dies, schreiben wir das.“) Da das auch optisch herausgehoben ist, kann der Leser so wichtiges Basiswissen schon beim Überfliegen erfassen.

Fazit: Ein gutes Nachschlagewerk, um einfacher und verständlicher zu schreiben.

© 2014 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 02.09.14

Thilo Baum, 30 Minuten für gutes Schreiben, Offenbach 2005 (2. Auflage von 2004), 80 Seiten

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